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Hanno Wilhelm Elbrächter

Was verstehen Sie unter ?Karriere??

Ich verstehe unter Karriere den Prozess der beruflichen Entwicklung, die einem ermöglicht, immer mehr gestaltend auf Dinge und die Mitmenschen einzuwirken. Je schneller dieser Prozess abläuft ? d.h. je schneller wir die Möglichkeit erhalten, unser Umfeld zu gestalten ?, desto ?mehr? Karriere machen wir. Karriere kann in jedem Metier gemacht werden. Karriere ist in meinen Augen nicht privat bedingt, sondern rein beruflicher Natur.

Haben Sie Ihre Karriere geplant?

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Ich hatte einen Plan und ich hatte Glück. Daran glaube ich fest: 1. immer einen Plan haben ? es kommt eh immer anders, aber es gibt Stabilität, Kontinuität, Orientierung ? 2. hart arbeiten, 3. ehrlich sein und Gutes tun, wann immer es geht, 4. offen und flexibel sein, und 5. dann mangelt es nicht an Glück und Gelegenheiten, im Leben erfolgreich zu sein.

Was verstehen Sie unter guter Führung?

Zunächst verstehe ich unter guter Führung eine Führung, die sich dem kulturellem Umfeld anpasst und die sich zumindest teilweise den geführten Personen anpasst. Es ist zwar auch möglich, die Mitarbeiter mit einem Standard zu führen, doch ist es effektiver, die Führung etwas zu zuschneiden.

Grundsätzlich verstehe ich unter guter Führung drei Dinge:

1. Delegieren
2. Standardisieren
3. Anspruch auf kontinuierliche Verbesserung

Ad 1: In einem schnell wachsenden Umfeld ist es sehr wichtig, dass die Mitarbeiter mitwachsen. Dies geht nur, indem ich früh genug Aufgaben delegiere. Damit vermeide ich, dass ich als Geschäftsführer ein ?Bottleneck? werde, und ich bringe meine Mitarbeiter in die Position, die neuen Herausforderungen zu meistern. Ein weiterer Effekt ist, dass die Mitarbeiter mehr Möglichkeiten haben sich zu verwirklichen. In einem interkulturellen Umfeld wie der DMG China ist dies auch wichtig, da so Entscheidungen getroffen werden können, die mit den lokalen Gegebenheiten konform sind.

Doch Delegieren ist die eine Seite. Kontrolle durch Standardisierung ist die andere:

Ad 2: Transparenz schaffe ich in einem Unternehmen nur, indem ich die Prozesse betrachte. In ihrer Ganzheit: Wer macht was wie zu welchem Zweck. Auf Basis dieser Transparenz können wir standardisieren. Damit weiß jeder genau, wann wer was wie tut. Dies ermöglicht mir als Manager die notwendige Kontrolle und gibt den Mitarbeitern Stabilität und Kontinuität. Und die Unternehmung arbeitet effizient. Standardisierung zur besseren Führung findet in unterschiedlichem Grad statt. Zum Beispiel kann ich Meetings inhaltlich offen lassen, doch immer an bestimmten Tagen zur bestimmten Uhrzeit mit einer bestimmten Abteilung ein Meeting halten.

Ad 3: Gute Führung bedeutet auch, dass im Unternehmen eine Kultur der kontinuierlichen Verbesserung existiert. Jeder Mitarbeiter muss sich regelmäßig fragen (das kann man standardisieren, denn sonst macht es keiner), wie er seine Arbeit verbessern kann. Dabei ist es wichtig, dass eine kundenorientierte Haltung vorherrscht, so dass sich jeder Mitarbeiter fragt, wie das Resultat seiner Arbeit dem Empfänger (Kunden) besser dienen kann.

Natürlich gehören weitere Aspekte wie Motivation, Kommunikation und Gerechtigkeit zu guter Führung, doch sind nach meiner Erfahrung die obigen die elementarsten.

Was war Ihr größter Erfolg?

Mein größter beruflicher Erfolg war der Aufbau der DMG Vertriebs- und Service Gesellschaft in Guangdong, Südchina (direkt bei Hongkong, Shenzhen), die erste chinesische Provinz, die sich der Wirtschaftsentwicklung geöffnet hat; heute ein Meer von Tausenden von Fabriken.

Das Erfolgsgefühl war jedoch nicht nur im Wachstum begründet, sondern in der Reputation, die mein Team und ich uns im Laufe der elf Monate geholt hatten. Wir waren gefürchtet bei unserer Konkurrenz für unseren unermüdlichen Vertrieb, und geschätzt bei unseren Kunden für den Einsatz und die Verbesserungen im Service.

Besonders stolz bin ich darauf, in einem so dynamischen und kompetitiven Umfeld ein so starkes Team aufgebaut zu haben. Auch glaube ich, dass ich die oben genannten drei Grundsätze guter Führung dort umgesetzt habe.

Natürlich habe ich unzählige Fehler gemacht und viel gelernt. Es hat wirklich Spaß gemacht.

Ihr größter Misserfolg?

Mein größter Misserfolg ist nicht beruflicher Natur. Was nicht heißt, dass ich beruflich keine Misserfolge hatte. Doch keine so schwerwiegenden.

Ich war nicht in der Lage, mir eine künstlerische Fertigkeit so anzueignen, dass ich ein Leben lang davon zehren kann. Ich habe Schlagzeug gespielt (auch in der Band), Tennis und Volleyball leistungssportlich betrieben, Tai Chi, Kungfu, Capoeira und Yoga ? also ?Bewegungskünste? ? praktiziert, doch ich habe diese Aktivitäten entweder aufgehört oder nur halbherzig fortgeführt.

Ich schätze dies als Misserfolg ein, da ich es für unwiederbringlich halte. Ich habe die Chance verpasst, da solche Dinge durch die Jugend hindurch reifen müssen.

Was ist Ihnen über die Arbeit hinaus noch wichtig?

Das allerwichtigste in meinem Leben ist meine Frau Li Jie. Sie ist der wundervollste Mensch auf Erden. Wir haben uns vor sechs Jahren in Münster durch Zufall kennengelernt, wo Li Jie an der Kunstakademie studierte. Li Jie malt seit ihrer Kindheit und ist in meinen Augen auch eine der begnadetsten Künstlerinnen die ich kenne. Ganz wichtig ist mir ein ausgeglichenes Leben. Ehrlich gesagt habe ich das erst vor einiger Zeit wieder neu realisiert. Für einige Jahre habe ich zu einseitig gelebt, zu unbewusst, weil ich meine, ich könnte Erfolg im Beruf nicht mit einem gesunden Lebensstil verknüpfen. Ausgeglichenes Leben heißt für mich, dass ich zwar einen Fokus habe ? mich also weiterhin spezialisiere, z.B. im Management, in der interkulturellen Kommunikation, im Werkzeugmaschinenbau ? mich jedoch verschiedensten Aspekten im Leben widme. Ich lese sehr gerne. Alles: Literatur, Geschichtsbücher, Biografien, Magazine, die Tageszeitung. Ich gucke liebend gerne gute Filme, z.B. ?Suzhou River?. Daneben ist mir Sport sehr wichtig: Yoga und Schwimmen. Und natürlich meine Freunde......

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Dieser Artikel ist erschienen am 21.11.2007