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Haniel bootet Kritiker bei Metro aus

Von Christoph Schlautmann
Schon lange gilt er als Widersacher von Großaktionär Haniel im Kontrollgremium des Handelsriesen, nun streicht ihn Aufsichtsratschef Franz Markus Haniel von der Liste: Manfred Schneider steht auf der nächsten Hauptversammlung nicht mehr zur Wahl. Die Begründung, die dem Ex-Bayer-Chef für die Entscheidung geliefert wurde, klingt stark nach Vorwand.
Manfred Schneider: Franz Markus Haniel hält ihn offiziell für zu alt für den Aufsichtsrat von Haniel. Foto: ap
DÜSSELDORF. Damit ebnet der Duisburger Großaktionär, der Anfang August durch Aktienzukäufe die faktische Kontrolle bei der Metro übernommen hatte, den Weg für eine mögliche Aufspaltung des 270 000 Mitarbeiter zählenden Unternehmens. Der Dax-Konzern ist derzeit mit 66 Mrd. Euro Umsatz und 31 Auslandsmärkten der größte deutsche Einzelhändler.Bislang galt Schneider im Metro-Aufsichtsrat als einer der schärfsten Kritiker des seit November amtierenden Aufsichtsratschefs Franz Markus Haniel. Schneider hatte sich gemeinsam mit anderen Vertretern der Kapitalseite vehement, aber letztendlich vergeblich gegen die Berufung Haniels an die Spitze des Metro-Aufsichtsrats zur Wehr gesetzt. Mehrfach hatten Metro-Aufsichtsräte vor einem gravierenden Interessenkonflikt des 53-jährigen Clan-Oberhaupts gewarnt, falls es zu einem Verkauf der lukrativen Konzerntochter Metro Cash & Carry an den Haniel-Konzern kommen sollte.

Die besten Jobs von allen

Schon im vergangenen September hatte sich der damalige Metro-Chef Hans-Joachim Körber von seinem Amt verabschiedet, weil er mit dem Vorgehen Haniels bei dem Handelskonzern nicht einverstanden war.
Bildergalerie Der Haniel-Konzern: Deutschlands unbekannter Riese
Offiziell wollte Franz Markus Haniel Schneider aus Altersgründen bei der nächsten Hauptversammlung nicht wieder für den Aufsichtsrat vorschlagen. Mit 69 Jahren sei er zu alt für den Job, habe ihm Haniel mitgeteilt, erfuhr das Handelsblatt aus Aufsichtsratskreisen. Diesen Grund halten Insider jedoch für vorgeschoben, denn die Konzernsatzung erlaubt eine Aufsichtsratstätigkeit bis zum Alter von 75 Jahren. Zudem gilt Schneider, der auch Aufsichtsrat bei Bayer, Linde und Tui ist, als äußerst aktiv und durchsetzungsstark. Schneider reagierte auf die Ankündigung Haniels mit einem vorzeitigen Rücktritt aus dem amtierenden Aufsichtsrat ? ein sehr ungewöhnlicher Schritt.Zu den Umbauplänen im Aufsichtsrat wollte man sich gestern weder bei Metro noch bei Haniel offiziell äußern. Zu den Gerüchten, zwei weitere Aufsichtsratsmitglieder könnten bald schon aus dem Kontrollgremium ausscheiden, hieß es in Metro-Kreisen: Die Haltung mehrerer Mandatsträger gegenüber Franz Markus Haniel habe sich seit vergangenem Oktober gewandelt.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Was Aktionärsschützer zu Haniels Vorhaben sagenBei den Kleinaktionären, die immerhin 44 Prozent der Metro-Anteile halten, stößt das rigide Durchgreifen Haniels auf scharfe Kritik. ?Es geht im Aufsichtsrat um das Wohl des Gesamtunternehmens ? und nicht darum, Sonderinteressen eines Großaktionärs durchzusetzen?, moniert Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Nicht nur die Doppelfunktion von Eckhard Cordes als gleichzeitigem Vorstandschef von Haniel und Metro hält die Aktionärsvereinigung für ?ein echtes Problem?. Auch die Berufung von Franz Markus Haniel an die Metro-Aufsichtsratsspitze sei ?meilenweit weg von guter Corporate Governance?. Wenn es zu einem Verkauf von Metros Cash-&-Carry-Märkten an Haniel kommen sollte, gerieten die beiden Manager in einen Interessenkonflikt, der kaum zu lösen sei.Dass es zu einer Zerschlagung der Metro kommt, gilt für manche Analysten bereits als ausgemacht. So erhöhte die BHF-Bank vor wenigen Tagen das Aktienkursziel auf 65 Euro, weil sie mit einer strategischen Neuausrichtung des Konzerns rechnet.Nach Informationen aus Unternehmenskreisen will sich der Mutter-Konzern Haniel künftig auf die Bereiche Handel und Dienstleistungen fokussieren (siehe » ?Cordes baut Haniel um?). Die direkte Übernahme von Teilen der Metro würde gut in dieses Konzept passen.
Franz Markus Haniel: Metros graue EminenzClanchef
Der 1955 in Oberhausen geborene Franz Markus Haniel ist in elfter Generation Nachfahre des Haniel-Konzerngründers Jan Willem Noot. In Duisburg führt er den 16-köpfigen Aufsichtsrat, das höchste Gremium der 560-köpfigen Familien-Gesellschafterversammlung.
Macher
Anders als sein Vorgänger bei Haniel, Jan von Haeften, der zuvor ebenfalls den Aufsichtsrat der Metro führte, mischt sich Franz Markus Haniel aktiv ins Konzerngeschehen ein. Schon vor seinem Antritt in Düsseldorf setzte er Haniel-Vorstandschef Eckhard Cordes an der Metro-Konzernspitze durch. Cordes soll die Rendite durch eine Konzernneuordnung verbessern.
Dieser Artikel ist erschienen am 07.03.2008