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Handel in Nöten

Hohe Einstiegsgehälter und Firmenwagen, mit denen Discounter wie Aldi und Lidl über Jahre Akademiker in die Reihen ihres Managementnachwuchses köderten, ziehen nicht mehr. Der bei BWL-Absolventen als wenig attraktiv geltende Handel sucht neue Recruiting-Möglichkeiten.
Hohe Einstiegsgehälter und Firmenwagen, mit denen Discounter wie Aldi und Lidl über Jahre Akademiker in die Reihen ihres Managementnachwuchses köderten, ziehen nicht mehr. Der bei BWL-Absolventen ohnehin als wenig attraktiv geltende Handel sucht nach neuen Recruiting-Möglichkeiten.

Lidl geht in die Offensive und will nun auch Mitarbeitern mit Realschulabschluss den Aufstieg in die oberen Ränge ermöglichen. Der ?War for Talents? ist in vollem Gange. Die Lidl-Lösung zeige, ?dass der Druck erheblich sein muss?, sagt Sörge Drosten, Mitglied der Geschäftsführung bei Kienbaum Executive Consultants. ?Im Handel müssen jetzt Weichen gestellt werden?, fordert Prof. Peter Mühlemeyer, Leiter des Studiengangs International Management der FH Worms.

Die besten Jobs von allen


Seit Jahren leidet der gesamte Handel unter Imageproblemen. Die besten Wirtschaftswissenschaftler gehen lieber gleich in Beratungshäuser oder Industrieunternehmen. ?Obwohl man auch in Spitzenpositionen im Handel gut verdienen kann?, so Sörge Drosten. Entscheidend seien die Entwicklungsmöglichkeiten. Da gibt es Aufholbedarf: ?Ob kleines Unternehmen oder Konzern, die Handelsunternehmen müssen sich als attraktive Arbeitgeber präsentieren?, sagt Handelsexperte Mühlemeyer. ?Sie müssen konkrete Wege aufzeigen, nicht nur Versprechungen machen.? Etwa durch gute Personalentwicklungsprogramme, mehr Entsendungen ins Ausland und professionelle Führungsstrukturen. Außerdem kooperierten große Konzerne wie etwa die Metro bereits mit spezialisierten Hochschulen.

Und auch wenn Lidl andere Wege geht, ?Schlüsselqualifikationen, mit denen man sich mehr Wissen aneignen kann, werden in erster Linie an der Hochschule vermittelt?, sagt Sörge Drosten von Kienbaum. ?Daran kommt keine Führungskraft vorbei.?

Dieser Artikel ist erschienen am 28.02.2007