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Gut versichert mit 30

Quelle: DMEuro.com
Viele junge Berufstätige übersehen ihren wertvollsten Besitz: die eigene Arbeitskraft. Diese ist oft schlechter versichert als die Stereoanlage.
Wer richtig rechnet, wird oft feststellen, daß er bereits Millionär ist. Denn das wertvollste Kapital der meisten Menschen ist ihre Arbeitskraft. Rechnet man das Lebenseinkommen hoch, kommt man schnell auf einen siebenstelligen Betrag. Doch die meisten dieser "Millionäre" scheinen ihren Reichtum nicht zu schätzen; sonst würden sie ihn besser schützen. Gerade dieses mit Abstand wichtigste und größte Vermögen jedes Menschen ist oft schlechter abgesichert als die Stereoanlage. Das Risiko, durch gesundheitliche Einschränkungen den Beruf nicht mehr ausüben zu können und damit erhebliche Einkommenseinbußen zu erleiden, wird oft unterschätzt oder verdrängt. Tritt dann durch einen Unfall oder eine folgenschwere Erkrankung die Berufsunfähigkeit ein, gibt es meist nur eine kleine Rente aus der gesetzlichen Versicherung.

Dazu kommt: Durch die Riestersche Rentenreform klaffen zudem seit dem 1.1.2001 große Lücken für Arbeitnehmer. Die bisherige Erwerbs- und Berufsunfähigkeitsversicherung sind entfallen. An deren Stelle ist eine neue zweistufe Erwerbsminderungsrente getreten. Im Ergebnis führt dies zu einer Schlechterstellung im Fall des Falles. Arbeitnehmer sollten deshalb über eine private Berufsunfähigkeitsversicherung nachdenken. Sie ist fast existentiell für gut Ausgebildete, die noch nicht die "Schallmauer" von 40 Jahren überschritten haben.

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Nur ein Drittel hat Berufsunfähigkeits-Versicherung
Dennoch hat nur ein Drittel der rund 33 Millionen Erwerbstätigen in Deutschland eine private Berufsunfähigkeits-Versicherung abgeschlossen - sei es als eigenständige Police oder als Zusatz zu einer Lebensversicherung oder Privaten Renten-Police. Diese Minderheit hat eine Berufsunfähigkeitsrente von im Schnitt gerade einmal 350 Euro pro Monat vereinbart, berechnete Manfred Poweleit, Chefredakteur des Fachdienstes map-report.

Auch wenn man es in jungen Jahren gerne verdrängt: Das Risiko einer Berufsunfähigkeit ist hoch. Jeder vierte Erwerbstätige muß damit rechnen, schon vor der Altersrente aus dem Arbeitsleben ausscheiden zu müssen, weil Körper oder Seele nicht mehr mitmachen. Die Folge ist oft auch eine finanzielle Katastrophe: Das Geld reicht kaum noch für die Miete, Essen und die täglichen Ausgaben. Die Ersparnisse können nur für kurze Zeit die Löcher in der Haushaltskasse stopfen. Kommt noch ein Schuldendienst für Ratenkredit oder Hypothek hinzu, ist der private Konkurs nahe.

Nur Berufseinsteiger, die wissen, daß sie im Falle eines Falles von ihrer Familie unterstützt werden, können deshalb auf eine private Berufsunfähigkeits-Police (BU) verzichten. Für diese Gruppe ist es lohnender, die eingesparten Prämien in Aktienfonds einzuzahlen und den in jungen Jahren besonders starken Zinseszinseffekt für die Altersvorsorge zu nutzen.

Versicherungsschutz für die Familie
Spätestens bei der Gründung der eigenen Familie sollte jedoch an den Abschluss einer BU-Police gedacht werden - auch wenn diese auf den ersten Blick recht teuer erscheint. 500 Euro versicherte Monatsrente kosten einen 30jährigen Mann meist zwischen 45 und 65 Mark im Monat, wenn er keine besonders belastende Tätigkeit ausübt und wenn bei der Gesundheitsprüfung keine speziellen Risiken zutage traten. Der Versicherungsschutz läuft dann bis zum 65. Lebensjahr, die gezahlte Rente ebenfalls. Sie steigt bei den meisten Anbietern von Jahr zu Jahr. Diese Dynamik ist jedoch in der Regel nicht garantiert und hängt von der Entwicklung der Gewinnbeteiligung ab.

Die Höhe der versicherten Rente sollte sich an den aktuellen Ausgaben orientieren, verringert um die nicht notwendigen Positionen. Zum Bedarf zählen auch die Beiträge für Kranken- und Pflegekasse, bei höheren Renten die fälligen Steuern sowie Aufwendungen für die Vorsorge, denn ab 65 Jahren muß die Altersrente privat aufgestockt werden. Bei Kapitallebensversicherungen und bei privaten Rentenpolicen enthält ein Berufsunfähigkeitszusatz oft die Befreiung von der Beitragszahlung. Allerdings sind diese Kombinationen in der Praxis oft nicht sinnvoll. Zum einen bieten die meisten Top-Lebensversicherer keine Spitzenprodukte bei der BU-Police an und umgekehrt gilt das entsprechend. Zum anderen bindet die Kombination den Versicherten zu stark. Oft läßt sich die Höhe des BU-Schutzes nicht beliebig mit der Kapital- oder Renten-Police kombinieren. Eine Anpassung bei einem beruflichen Aufstieg oder der Geburt von Kindern ist nur eingeschränkt möglich

Vorsicht vor Haken und Ösen
Wird die Hauptversicherung gekündigt zum Beispiel wegen eines finanziellen Engpasses oder weil die Überschussbeteiligung zu niedrig ist, fällt der BU-Zusatz ersatzlos weg. Der Versicherte muss bei einem Neuabschluss wieder durch die Gesundheitsprüfung und außerdem mehr Prämie für das höhere Eintrittsalter bezahlen. Eine bessere Wahl sind deshalb eine selbständige BU-Police für Singles oder eine Kombination aus Risikolebensversicherung und BU-Zusatz für Berufstätige mit Familie. Aber auch bei diesen Produkttypen sollten die Interessenten vor dem Abschluß einen kühlen Kopf bewahren. Bei kaum einer anderen Versicherung für Privatkunden sind so viele Haken und Ösen zu beachten

Während zum Beispiel bei der Risikolebensversicherung der Leistungsfall der Tod des Versicherten eindeutig ist, kann es bei der Berufsunfähigkeitspolice schnell Streit über die Frage geben, ob der Versicherer zahlen muss oder nicht. Anscheinend geringe Unterschiede bei einzelnen Formulierungen können zu einer Verweigerung der Leistung im Versicherungsfall führen, warnt Michael Franke vom unabhängigen Institut für Versicherungsanalyse Franke & Bornberg in Hannover. Der dem Versicherten bedeutungslos erscheinende Unterschied kann so je nach Alter schnell weit mehr als 100.000 Euro entgangener Leistung kosten.

Unbedingt vergleichen
Eine der wichtigsten Regelungen ist zum Beispiel die abstrakte Verweisung: Grundsätzlich können die Gesellschaften einen Versicherten, der seine bisherige Tätigkeit nicht mehr ausüben kann, auf eine andere zumutbare Tätigkeit verweisen. Gelingt ihnen dies, brauchen sie selbst dann nicht zu leisten, wenn der Betroffene keinen konkreten Arbeitsplatz findet. Einige Gesellschaften verzichten generell auf diese abstrakte Verweisung. Andere schränken ihre Möglichkeiten zumindest ein. Da heißt es vergleichen und das Kleindgedruckte lesen.

Fazit: Ein Fehler wäre es, statt der BU- eine Unfallpolice abzuschließen. In mehr als 90 Prozent aller Fälle löst eine Krankheit den Verlust der Arbeitskraft aus. Besser ist es, ein günstiges Angebot unter den Top-Policen zu suchen. Da die Gesellschaften ein und denselben Beruf zum Teil in unterschiedliche Risikoklassen einstufen, sollten die Interessenten für die endgültige Auswahl individuelle Angebote einholen. Zusätzlich lässt sich die Prämie auch durch eine maßgenaue Anpassung an den eigenen Bedarf senken. Dabei kann es sinnvoll sein, einen Makler einzuschalten.

Welche Versicherungen brauchen Renter und Familien mit Kindern? Das komplette Dossier "Sicher in sechs Lebensphasen" lesen Sie bei DMEuro.com
Dieser Artikel ist erschienen am 30.07.2002