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Guerilla-Strategie: Das meint Oliver Neumann, 30, Ingenieur

Schon während meines Examens dachte ich mir: "Mensch, die Stelle für dich muss erst noch gebacken werden." Ich interessierte mich für Verkehrstechnologie, komplizierte Software-Programme und digitale Spracherkennung. Außerdem wollte ich möglichst viel Gestaltungsfreiheit und gern auch andere beraten. Wie ich das alles in einem Job unterbringen sollte, war mir ein Rätsel.
Schon während meines Examens dachte ich mir: "Mensch, die Stelle für dich muss erst noch gebacken werden." Ich interessierte mich für Verkehrstechnologie, komplizierte Software-Programme und digitale Spracherkennung. Außerdem wollte ich möglichst viel Gestaltungsfreiheit und gern auch andere beraten. Wie ich das alles in einem Job unterbringen sollte, war mir ein Rätsel

An der Uni Hannover besuchte ich dann eines von John Webbs Seminaren. Ich lernte, meine Wünsche und Fähigkeiten ohne Ähs und Öhs auf den Punkt zu bringen, so dass es weder auswendig gelernt noch zu protzig klang. Und ich lernte, ohne Scheu fremde Leute anzusprechen. Das dauerte etwas. Bei meinem ersten "Firmen-Überfall" war ich so aufgeregt, dass ich glatt vergaß, meinen Namen zu sagen.

Die besten Jobs von allen


Einfach war es auch später nicht. Ich musste manchen Rückschlag wegstecken, und noch kurz vor dem Ziel glaubte ich, es klappt nicht. Zuerst versuchte ich es bei der Flugsicherung eines größeren Flughafens in meiner Nähe. Der technische Leiter gab mir zwar interessante Infos über seine Arbeit, aber keine weiteren Ansprechpartner. Also Sackgasse. Auch bei VW bekam ich eine Abfuhr, ebenso bei IBM und Philips, die ich in Sachen Software-Entwicklung und Sprachverarbeitung kontaktiert habe

Schließlich marschierte ich, schon ziemlich gefrustet, über die Hannover-Messe und blieb am Stand eines Luft- und Raumfahrt-Unternehmens hängen. Ein Film über Verkehrsforschung lief dort, und vom Standbetreuer erfuhr ich, dass es ganz in der Nähe meines Wohnortes ein brandneues Forschungsinstitut gebe, das gerade im Aufbau begriffen war. Ich bekam die Nummer des zuständigen Professors - er hatte bislang noch keinen Mitarbeiter eingestellt.

Nach nur zwei Gesprächen mit ihm hatte ich den Job, den ich immer wollte: Ich arbeite im Verkehrsbereich, beschäftige mich mit Software und werde sogar Sprachsteuerungen im Auto mitentwickeln können

Sechs Monate lang habe ich möglichst systematisch meine Zielgebiete abgeklappert, habe viele Leute kennen gelernt und auch Frustrationen erlebt. Aber schließlich habe ich doch meine Art von Traumjob gefunden. Und ich glaube, nicht bloß aus Zufall.
Dieser Artikel ist erschienen am 07.02.2003