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Günter Faltin

Die Fragen stellte Peter Nederstigt
Günter Faltin lehrt Wirtschaftspädagogik an der Freien Universität Berlin, wo er seit Jahren Kurse in Entrepreneurship anbietet.
Sie haben zu Jahresbeginn die Stiftung Entrepreneurship gegründet. Gibt es nicht genug Initiativen für Gründer?

Günter Faltin: Wir wollen das Netz weiter werfen und auch Künstler, unangepasste und engagierte Menschen für das Unternehmertum gewinnen - Leute, die bislang mit der Wirtschaft auf Kriegsfuß stehen, weil sie glauben, dort käme man nur mit Tricks voran. Aber die Ökonomie liefert im Grunde nur Werkzeuge. Das Entscheidende ist eine innovative Idee, die auf vorhandene Probleme und Bedürfnisse antwortet. Die setzt sich auch ohne Tricks durch.

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Wo sehen Sie Chancen?

Ein gutes Beispiel ist Anita Roddick. Beim Start ihres Unternehmens Body Shop brachte sie ökologisches Engagement und wirtschaftlichen Erfolg in Einklang. Vor allem im Tourismus sehe ich Spielraum. Der Tourist bleibt normalerweise Zuschauer. Aber die Menschen wollen etwas erleben und Kontakte zu Einheimischen knüpfen. Balinesische Bauern haben das erkannt und vermieten erfolgreich kleine Häuser mit Familien- und Dorfanschluss.

Was bietet Ihre Stiftung?

Wir öffnen den Blick dafür, dass Unternehmensgründung für jeden eine Lebensperspektive sein kann. Denn Entrepreneurship ist im Kern eine schöpferische Tätigkeit. Das hat sie mit der Arbeit des Künstlers gemeinsam. Ihre Sensibilität für Veränderungen macht Künstler den Ökonomen bei der Suche nach Ideen überlegen. Und die Menschen lernen bei uns, wie man eine Idee systematisch durcharbeitet. Dazu sind zwei- bis dreitägige Workshops geplant. Wir wollen Ideen fördern und nicht unausgegorene Geschäftskonzepte subventionieren.

Weitere Fragen an Herrn Faltin? E-Mail: faltin@zedat.fu-berlin.de
Dieser Artikel ist erschienen am 21.03.2002