Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Grundig-Chef verlässt das Unternehmen

Die insolvente Grundig wird ab Ende Februar auf Vorstandssprecher Werner Saalfrank verzichten müssen. Er verlässt das Unternehmen.
HB NÜRNBERG. Mit der Auflösung des Elektronikkonzerns Grundig verlässt auch Vorstandschef Werner Saalfrank (48) das Traditionsunternehmen. Er werde Ende Februar ausscheiden, teilte der Vorstandssprecher der Grundig AG am Dienstag mit. ?Zu diesem Zeitpunkt werde ich nicht mehr gebraucht. Dann sind auch die übrigen Grundig-Geschäftsbereiche verkauft?, sagte Saalfrank der dpa. Ein Nachfolger sei für ihn nicht mehr vorgesehen. Die AG werde abgewickelt. ?Ich bin der letzte Grundig-Vorstandschef?, stellt Saalfrank fest.Nach dem Verkauf der Autoradio-Sparte im November und anderen sich abzeichnenden Lösungen sei für ihn der richtige Zeitpunkt gekommen, neue Aufgaben und Herausforderungen zu suchen. Bis Ende Februar seien auch für die Diktiergeräte-Sparte, die Satelliten-Sparte und den Bereich Unterhaltungselektronik Investoren gefunden. Die entsprechenden Gespräche mit Interessenten liefen Erfolg versprechend.

Die besten Jobs von allen

Unklar sei noch, wie viele der nach dem Verkauf der Autoradio- Sparte verbliebenen knapp 1 200 Grundig-Arbeitsplätze gerettet werden könnten. Allein bei der Sparte Unterhaltungselektronik seien derzeit weltweit rund 1 000 Männer und Frauen beschäftigt - rund die Hälfte davon im Inland. Die andere Hälfte bestehe zum größten Teil aus den Belegschaften ausländischer Grundig-Vertriebsgesellschaften. Die Diktiergeräte-Sparte in Bayreuth und Fürth beschäftige rund 170 Mitarbeiter, die Satelliten-Sparte rund 100.Saalfrank bedauerte erneut, dass trotz intensivster Verhandlungen eine Zerschlagung des traditionsreichen Unternehmens nicht verhindert werden konnte. Dabei sei der Vertrag mit dem taiwanesischen Elektrokonzern Sampo Anfang vergangenen Jahres bereits unterschriftsreif gewesen. ?Der 780-seitige Vertrag lag bereits auf dem Tisch?. Völlig überraschend habe sich dann herausgestellt, dass Sampo verschiedene finanztechnische Bedingungen der Grundig- Gläubiger-Banken nicht erfüllen wollte.Saalfrank hatte als promovierter Nachrichten-Ingenieur seine Karriere zunächst am Lehrstuhl für Nachrichtentechnik in Erlangen begonnen. Bei Grundig arbeitete er zunächst von 1988 bis 1996. Er leitete damals den Entwicklungsbereich für die Bereiche Automotive und Digital-Radio. Im Jahr 1996 übernahm er eine führende Position bei der WorldSpace Corporation in Washington, um ein globales Satelliten gestütztes Rundfunksystem mit aufzubauen. Im Juli 2001 wurde er in den Grundig-Vorstand berufen und im Juni 2003 zum Vorstandschef ernannt.
Dieser Artikel ist erschienen am 06.01.2004