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Grüner Alltag

Ruth Lemmer
Umwelt-Auditoren sollen dafür sorgen, dass ihr Unternehmen das Ambiente möglichst wenig schädigt. Häufig erledigen sie ihren Job im Nebenamt - viele von ihnen sind Sicherheitsbeauftragte, die sich weiterqualifiziert haben.
Seit zehn Tagen dürfen sich drei Unternehmen zur Crème de la Crème unter den Umweltschützern zählen: Der Essener Energiekonzern RWE AG schrieb den besten Umweltbericht, der Heidelberger Druckmaschinen AG gelang der verständlichste Nachhaltigkeitsbericht, und die Victoria Versicherung in Düsseldorf wurde für die beste Umwelterklärung geehrt. Juror war die Wirtschaftsprüferkammer, die am 19. März in Berlin den Deutschen Umwelt Reporting Award 2001 verliehen hat.

Die Aufteilung der Auszeichnung für Umweltschonung in drei Disziplinen zeigt ungewollt das laute, aber unstimmige Wortgeklingel in Sachen Umweltschutz, zu dem auch die Berufsbezeichnungen der Mitarbeiter in Umweltabteilungen und -organisationen beitragen: Öko- oder Umwelt-Auditor, Umweltbeauftragter, -gutachter, -zertifizierer, -koordinator und selbstverständlich Umweltmanager. Wer sich in diesem Sektor beruflich festsetzen möchte, muss erst einmal Vokabeln lernen. Und das, wo die Berufsaussichten nicht einmal allzu glänzend sind.

Die besten Jobs von allen


Kursierten noch für die Jahre 1998 und 1999 Zahlen zwischen 900 000 und 2,5 Millionen Beschäftigter, die vom Umweltschutz leben, verbunden mit euphorischen Prognosen, sieht die Zukunft für die Absolventen der rund 500 Studiengänge heute nicht gerade rosig aus: In den Unternehmen, die schon jetzt Umweltprogramme installiert haben, sind die Stellen besetzt, und die Behörden stellen kaum ein.

In kleineren Betrieben qualifiziert sich so mancher Sicherheitsbeauftragte oder ein umweltinteressierter Mitarbeiter und macht den Umweltjob in Teilzeit. "Die Unternehmen rechnen mit dem spitzen Bleistift", sagt Heinz Meinholz, Professor für Verfahrenstechnik und Umweltschutz an der Fachhochschule Furtwangen.

Meinholz hat den Fernlehrgang an der Technischen Akademie Esslingen in Ostfildern mit konzipiert, für den Teilnehmer ein halbes Jahr lang einen halben Tag pro Woche kalkulieren müssen - ohne formale Voraussetzungen mitbringen zu müssen. Doch für die erfolgreiche Bearbeitung von 19 Kapiteln Umweltmanagementsystem, Rechtsfragen und Praxisbeispielen gibt es ein renommiertes Zertifikat. Aufbaustudien- und Fernlehrgänge bieten aber auch die Uni Rostock, die Fachhochschule Osnabrück und private Weiterbilder. Informationen haben die Industrie- und Handelskammern.

Spätestens nach einem einschlägigen Seminar kennen die Umweltfreaks den kleinen Unterschied: Eine Umwelterklärung gibt ein Unternehmen heraus, das von einem Gutachter nach der EG-Norm EMAS, inzwischen aktualisiert in EMAS II, geprüft wird. Der Gutachter wiederum darf nur aktiv werden, wenn er die Fachprüfung der DAU, der Deutschen Akkreditierungs- und Zulassungsgesellschaft für Umweltgutachter, in Bonn bestanden hat. Den bis Januar dieses Jahres 2 641 geprüften Unternehmen stehen rund 250 Prüfer gegenüber.

Ein Umwelt- oder Nachhaltigkeitsbericht formuliert dagegen die hausgemachten Standards. Er muss den offiziellen Regeln nicht genügen, kann aber freiwillig auf EMAS oder der Norm ISO 14 001 basieren. Die ISO- Norm haben die Anwender aus dem Deutschen Institut für Normung, einem freiwilligen Zusammenschluss, und ihre internationalen Kollegen entwickelt. Auch hier werden die Unternehmen von externen Zertifizierern getestet. In Deutschland waren es bis zum Jahresbeginn 3 380 Firmen.

Die Aufgaben der Mitarbeiter in den Unternehmen sind so unterschiedlich wie die Branchen. Je technischer ein Betrieb, desto tiefer muss auch der Umweltbeauftragte in der Materie stecken. Zwar reden alle davon, ein Umweltmanagementsystem zu installieren, im Detail geht es aber um chemische Stoffe, physikalische Prozesse. Was bei Quelle der Betriebswirt Stefan Küst und bei Ford die Biologin Susanne Marczian leisten, macht beim Chemieriesen BASF in Ludwigshafen ein Verfahrenstechniker mit über 20 Berufsjahren.

Hermann Dreher kam 1988 über die Prozess-Sicherheit zum integrierten Sicherheits- und Umweltaudit. "Was damals Fürsorge war, ist heute Managementstrategie", umschreibt der Umwelt- und Sicherheitsauditor den Wandel, den der Umweltschutz durchgemacht hat. "Unabhängig vom Breiten- und Längengrad gelten heute unsere Standards", sagt Dreher. Seine Begründung ist so simpel wie einleuchtend: "Der Stoff Styrol, den wir für die Produktion von Polymeren brauchen, kann überall brennen."

Sieben Mitarbeiter reisen in die 900 BASF-Betriebe, pendeln zwischen Indien, USA und Deutschland, prüfen die Berichte, begehen die Fabriken, listen Mängel und Positives auf, setzen Fristen für Veränderungen - und werden selbst in ihrer Arbeit beurteilt. "Es geht um Fakten", betont Dreher. Und: "Wer Sicherheit und Umweltschutz in seiner Produktionsstätte beherrscht, kann für die Karriere punkten."

Schließlich geht es in erster Linie um Ökonomie. "Ohne Umweltaktivitäten wäre es für uns teurer", ist Dreher sicher. "Was in die Luft gepustet wird oder ins Abwasser geht, ist verloren."




STIMMEN ZUM BERUF.

Markus Racke, Geschäftsführer DAU - Deutsche Akkreditierungs- und Zulassungsgesellschaft für Umweltgutachter, Bonn. Susanne Marczian, Koordinatorin im Umweltmanagement, Ford AG, Köln. Stefan Küst, Umweltbeauftragter, Quelle AG, Fürth.
Was machen Sie in Ihrem Job als professioneller Umweltschützer? Die DAU prüft die Qualifikation der Fachleute, die Unternehmen, Behörden oder Vereine nach der EG-Öko-Verordnung als Externe begutachten wollen, damit diese sich mit dem EMAS-Logo schmücken können. Zurzeit sind 234 Organisationen und Einzelpersonen als Umweltgutachter zugelassen. Die Antragsteller müssen ein abgeschlossenes Hochschulstudium nachweisen, zum Beispiel in Volkswirtschaft, einem technischen Fach oder Jura. Sie müssen bei uns eine Fachkundeprüfung ablegen und ihre Unabhängigkeit und Zuverlässigkeit beweisen. Wir prüfen streng. Bisher ist gut die Hälfte der Antragsteller durchgefallen. Gerade formuliere ich die Umwelterklärung 2002 für den Standort Köln. Die zehn Werksbereiche werden von externen Gutachtern nach EMAS II geprüft und nach ISO 14 001 zertifiziert. Ansonsten koordiniere ich das Umweltmanagementsystem mit den zehn Umweltbeauftragten am Standort. Wir legen die Umweltziele fest - zwei Prozent Energie pro produziertem Fahrzeug einsparen, lösemittelfreien Hohlraumwachs nutzen oder Bodenbeschichtungen schadstoffarm erneuern - und fixieren dafür einen Termin. Wir pflegen in unserer Abteilung auch Datenbanken zur Umweltgesetzgebung. Und rund 20 Prozent meiner Arbeitszeit trainiere ich Mitarbeiter in Umweltrecht und Umweltschutz. Für mich ist Umweltschutz weniger ein technisches als ein Managementthema. Und so arbeite ich auch, seit ich mit meiner Diplomarbeit in Betriebswirtschaft eine erste Quelle-Umweltschutzanalyse vorgelegt habe. Wir betrachten die einzelnen Artikel, etwa das Textilsortiment, die Verpackung, den Einkauf, den Umgang der Mitarbeiter mit Material. Und wir vereinbaren Umweltstandards mit unseren Lieferanten. Für die Abteilungen sind wir Ideengeber und Dienstleister. Wir beobachten den Markt der Entsorger ebenso wie betriebliche Abläufe, die man vielleicht noch verbessern kann. Und wir kommunizieren das Umweltthema gegenüber Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten.
Wie wird der Umweltschutz in 10 Jahren aussehen? Eine Jobmaschine ist der Umweltschutz nicht. Die jetzt zugelassenen Prüfer haben noch Kapazität frei. Wenn das Umweltmanagementsystem nach EMAS II noch einmal einen Schub erhält, weil die Firmen das Logo als interessant und werbewirksam erkennen, kann es einen höheren Bedarf an Gutachtern geben, zumindest dort, wo die Unternehmen bisher zögern. Die Standards werden sicher international weiter angepasst. Außerdem wird die Nachhaltigkeit des Wirtschaftens in Unternehmen eine größere Rolle spielen. International wird die Kopplung von ökonomischen, ökologischen und sozialen Aspekten wichtiger. Der Umweltschutzgedanke wird bleiben, auch wenn die Aktivitäten nicht gleichmäßig bei Luft und Wasser wachsen. Das Thema Verpackung ist fast ausgereizt, dafür wird die Nachhaltigkeit eine größere Rolle spielen. Wir im Handel haben auch eine Verantwortung für die Produzenten im In- und Ausland.
Stört oder hilft die Politik? Die Konferenz von Rio hat den Umweltschutz vorangetrieben. Jetzt fördert die Politik das europaweite, freiwillige Managementsystem EMAS II. Solch ein Gesamtkonzept ist weitaus wirkungsvoller als einzelne Grenzwerte, die mal rauf- und mal runtergesetzt werden. Für das aufwändigere, etwas bürokratische Prüfverfahren nach EMAS II und ISO 14 001 wurden Erleichterungen an anderer Stelle in Aussicht gestellt. Doch die Deregulierung steckt fest. Da muss die Politik unbedingt ihre Versprechen einlösen. Die Politik stößt Dinge an. Aber Quelle ist auch schon ohne diese Anregungen aktiv geworden. Ein Beispiel: Die Rücknahmepflicht für Weiße Ware kommt wohl zum Ende dieses Jahres auf alle Unternehmen zu. Wir nehmen Haushaltsgeräte schon seit 1976 zurück.


Umweltschutz im Internet: www.bundesumweltamt.de.

Die zitierten Firmen: www.ford.de, www.basf.de, www.quelle.de
Dieser Artikel ist erschienen am 02.04.2002