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Gründung im Team: Ohne Verträge droht Streit

Thomas Münster
Die Unternehmensgründung im Team ist meist ein längerer Prozess. Wenn jetzt solide Verträge und Absprachen fehlen, riskiert jeder, der für das Jungunternehmen aktiv wird, eine unüberschaubare persönliche Haftung.
Die Unternehmensgründung im Team ist meist ein längerer Prozess. Am Anfang steht die Idee. Gemeinsam wird sie weiter entwickelt. Das Unternehmen bekommt einen Namen. Die Gründer suchen und mieten Räume, bestellen die Büroausstattung, stellen die ersten Mitarbeiter ein und akquirieren Aufträge, noch bevor die Gesellschaft offiziell gegründet wird.

Wenn jetzt solide Verträge und Absprachen fehlen, riskiert jeder, der für das Jungunternehmen aktiv wird, eine unüberschaubare persönliche Haftung. Der Grund: Solange kein Vertrag die Verhältnisse regelt, wird das Unternehmen als Gesellschaft Bürgerlichen Rechts (GbR) angesehen. Damit gelten die Regeln des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB), und die sind kaum brauchbar für die Praxis.

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Sie besagen, dass alle Gründer gemeinsam für Geschäftsführung und Vertretung des Unternehmens zuständig sind. Selbst der kleinste Beschluss muss deshalb einstimmig gefasst werden. Wer also alleine einen Auftrag für die GbR akquiriert oder Räume mietet, braucht eine Vollmacht aller anderen. Sonst handelt er auf eigene Gefahr - auch wenn er im Namen des Unternehmens aufgetreten ist. Dann rettet ihn nur die Zustimmung der anderen Team-Mitglieder, erzwingen kann er sie nicht. Es genügt, dass einer meint, der Auftrag sei zu schlecht bezahlt. Folge: Wer sich nicht abgesichert hat, muss dem Vermieter die Mietausfälle ersetzen, den Auftrag erfüllen oder Schadensersatz leisten.

Solange die Chemie unter den Teammitgliedern stimmt, werden sich Lösungen für solche Probleme finden lassen. Anders sieht es aus, wenn etwa einer der Gründer abgeworben wird. Er wird solche Verpflichtungen kaum absegnen, denn dann haftet er für sie auch persönlich

Ohne geeigneten Vertrag ist aber auch die gesamte Gründung ständig in Gefahr. So genießt das Unternehmen keinen Schutz, wenn ein Konkurrent einen Gründer abwirbt und die Geschäftsidee gleich mit übernehmen will. Aber auch jeder andere Ausstieg eines Team-Mitglieds bedroht die Existenz des Unternehmens. Denn ohne Gesellschaftsvertrag können die Gründer jederzeit aussteigen.

Einigen sich die Ex-Partner dann nicht gütlich, und die Chancen dafür stehen in solchen Situationen eher schlecht, muss das Unternehmen liquidiert werden. Unsicher ist dann vor allem, was aus dem Konzept, dem am Markt vielleicht schon bekannten Namen und den Geschäftsbeziehungen wird. Beides können sich die verbleibenden Team-Mitglieder keineswegs per Mehrheitsbeschluss sichern. Genau so schlimm ist es, wenn ein Gründer das Team verlässt, der entscheidende Beiträge zum Startkapital geleistet hat. Er kann dieses Geld ohne Vorwarnung abziehen.

Diese Risiken kann ein Gesellschaftsvertrag vermindern. Allerdings ist es mit einem Modell von der Stange selten getan. Hier an qualifiziertem Rechtsrat zu sparen, kann später teuer kommen. Ein Vertrag wird auf jeden Fall regeln, welche Entscheidungen durch Mehrheitsbeschluss gefasst werden können, welche Gesellschafter das Unternehmen vertreten und ob sie für Geschäfte einer bestimmten Größenordnung die Zustimmung der anderen Gesellschafter brauchen.

Vor allem wird ein Vertrag für den Fall, dass ein Gesellschafter aussteigt, Regelungen bieten, die den Fortbestand des Unternehmens sichern. Dazu können auch Konkurrenzverbote zählen, die davor schützen, das er gemeinsam erarbeitetes Know-how oder Kunden mitnimmt.

Ab wann wird ein solcher Vertrag gebraucht? Dies kann schon bei den ersten Gesprächen notwendig werden, wenn etwa ein Team-Mitglied eine geniale Idee hat und sich dagegen schützen will, dass die anderen Team-Kollegen ihn ausbooten. Spätestens wenn die Gründer viel Zeit und Geld in das Projekt stecken und Verpflichtungen eingehen, wird es Zeit für einen solche Vertrag. Thomas Münster Der Autor ist Jurist und hat mehrere Ratgeber für Gründer geschrieben.
Dieser Artikel ist erschienen am 05.03.2001