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Großkanzleien landen nur auf Platz zwei

Von Til Knipper
Das Auswärtige Amt verteidigt seinen Spitzenplatz als beliebtester Arbeitgeber junger Juristen ? aber nur knapp. Großkanzleien haben in der Gunst der Berufsanfänger aufgeholt. Doch nicht nur bei der Wahl des künftigen Arbeitsplatzes hat sich unter Nachwuchsjuristen etwas getan. Gleichzeitig legen sie ein ganz anderes Selbstverständnis an den Tag.
Lohnerhöhung bei gleichzeitiger Arbeitsverkürzung: Nach den Ergebnissen einer Studie möchten junge Juristen weniger arbeiten, aber mehr verdienen.
BERLIN. Deutschlands Nachwuchsjuristen zieht es nach wie vor in den diplomatischen Dienst. Das ist das Ergebnis des Absolventenbarometers 2007. In der Studie befragte das Personalforschungs-Institut trendence in Kooperation mit dem Karrierenetzwerk e-fellows etwa 1 400 Studenten, Referendare und junge Volljuristen mit überdurchschnittlichen Ergebnissen. Das Auswärtige Amt belegte dabei zum fünften Mal in Folge Platz eins. Allerdings ist der Anteil der Befragten, die am liebsten als Diplomat arbeiten würden, in den vergangenen Jahren drastisch gesunken: Nannten 2004 noch 39,5 Prozent das Außenministerium als reizvollsten Arbeitgeber, waren es 2006 nur noch 29,6 Prozent und in der aktuellen Studie noch einmal drei Prozentpunkte weniger.Im Gegenzug haben die Großkanzleien aufgeholt. Auf den Plätzen zwei und drei des Rankings haben die Kanzleien Freshfields Bruckhaus Deringer und Hengeler Mueller ihre Platzierungen gegenüber dem vergangenen Jahr behauptet. Beide legten an Prozentpunkten sogar leicht zu. Insgesamt verringerte sich der Abstand zwischen dem Auswärtigen Amt und den zweit- bis fünftplatzierten Großkanzleien auf wenige Prozentpunkte.

Die besten Jobs von allen

Zu den großen Gewinnern des diesjährigen Rankings gehören vor allem internationale Rechtsanwaltssozietäten: die britische Kanzlei Allen & Overy konnte sich von Platz 31 auf Platz 16 verbessern, Shearman & Sterling aus New York stieg vom 21. auf den 13. Rang. Auf der Verliererseite findet sich dagegen KPMG wieder. Das Wirtschaftsprüfer- und Steuerberatungsunternehmen rutschte von Platz 23 auf den 28. Rang ab.?Der Arbeitsmarkt für Juristen und das Selbstverständnis von Berufsanfängern der Rechtswissenschaften haben sich in den letzten Jahren stark ausdifferenziert?, sagt Lena Steinberg von trendence. ?Top-Absolventen, die zwei Prädikatsexamina, Praxis- und Auslandserfahrung vorweisen können, haben beste Chancen, ein hohes Einstiegsgehalt zu fordern und in der Kanzlei ihrer Wahl einzusteigen.? Jährlich gibt es etwa 2 000 Absolventen in Deutschland, die diese Voraussetzungen erfüllen. Die Hälfte von ihnen entscheidet sich dabei für die Tätigkeit in einer Wirtschaftskanzlei. Allein die fünf Spitzenkanzleien rekrutieren davon etwa 400. Entsprechend wählerisch und karriereorientiert geben sich die Befragten bei ihren beruflichen Zielen: Sie wollen dort arbeiten, wo sie die besten Aufstiegschancen haben. Sie wollen Führungsaufgaben übernehmen, Erfahrungen im Ausland sammeln und sich durch praktische Tätigkeiten weiterbilden können.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Der Trend zur Bescheidenheit ist gebrochen.Dazu passt auch, dass der Trend zur Bescheidenheit in Bezug auf die Gehaltserwartungen gebrochen scheint. Berufseinsteiger legen nach der Studie wieder mehr Wert auf ein höheres Einstiegsgehalt. Gaben sie sich 2006 noch mit durchschnittlich 53 300 Euro zufrieden, erwarten die angehenden Juristen 2007 64 900 Euro. Auffällig ist, dass Frauen deutlich weniger Geld verlangen als ihre männlichen Kollegen. Die Differenz zwischen den Gehaltsvorstellungen der Männer und der Frauen beträgt etwa 10 000 Euro. Die Top-Kanzleien werden mit Forderungen in dieser Höhe keine Probleme haben. Bereits im vergangenen Jahr waren die Einstiegsgehälter der Top-50-Kanzleien in Deutschland auf 100 000 Euro und mehr gestiegen.Die Absolventen wollen aber nicht nur mehr Geld von Anfang an verdienen, sondern gleichzeitig auch eine niedrigere Wochenarbeitszeit: Waren die Befragten im letzten Jahr noch bereit, durchschnittlich 54,9 Stunden pro Woche zu arbeiten, erwarten sie in diesem Jahr bei mehr Lohn eine geringere Wochenarbeitszeit von 54,4 Stunden. Auch hier gibt es Unterschiede zwischen Männern und Frauen: Junganwälte wären bereit, knapp über 56 Stunden zu arbeiten, ihren Kolleginnen wären etwa fünf Stunden weniger recht.
Dieser Artikel ist erschienen am 18.07.2007