Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Größer als das Weiße Haus

Von Mathias Brüggmann
Der saudische Prinz Bandar ist mächtig und pflegt einen üppigen Lebensstil. Nun gerät er in eine Affäre um britische Rüstungsgeschäfte.
Prinz Bandar bin Sultan bin Abdulaziz Al Saud. Foto: ap
BERLIN. Es ist nur ein Ferienhaus. Aber was für eines: Es hat 6027 Quadratmeter Wohnfläche, 15 einfache und weitere 16 Wohn- und Schlafzimmer mit 24-Karat-Goldfiguren. Dazu kommen 36 Hektar Grundstück in Traumlage in Aspen im US-Bundesstaat Colorado mit einer Privatlandebahn für den Privatairbus für Prinz Bandar gleich nebenan. ?Größer als das Weiße Haus?, sagt der Sohn des saudischen Kronprinzen.Und er muss es wissen: In dem berühmten Anwesen in Washington ging er als Saudi-Arabiens Botschafter in den USA schon seit der Präsidentschaft Ronald Reagans ein und aus. Die Beziehungen zu den beiden Präsidenten Bush waren so eng, dass George W. den Prinzen im Scherz schon einmal ?Bandar Bush? nannte.

Die besten Jobs von allen

Doch nun hat Königliche Hoheit die Freude an ihrem Anwesen in Colorado verloren und will es für 135 Millionen Dollar verkaufen. Denn Anfang des Monats kamen in der britischen Zeitung ?Guardian? und beim Sender BBC Gerüchte auf: Der 58-Jährige habe mehr als eine Milliarde Pfund Bestechungsgelder sowie einen 75 Millionen Pfund teuren Airbus A340 vom britischen Rüstungskonzern BAE Systems erhalten. Prinz und Konzern bestreiten die Vorwürfe. Doch nun ermitteln auch US-Behörden wegen Korruption gegen BAE Systems.Zwar geht es dabei um Rüstungsgüter, genau gesagt um 96 Tornados, 50 Hawk-Jets und 50 Trainingsflugzeuge. Doch Prinz Bandar sieht sich als ?Al Yamamah?, als Taube. So heißt das 1985 größte Waffenexportgeschäft Englands mit einem Umfang von 43 Milliarden britischen Pfund (mehr als 60 Milliarden Euro). Das fädelte Prinz Bandar als Sohn des damaligen Verteidigungsministers der Scheichs mit ein.Der Enkel des saudischen Staatsgründers soll danach jedes Quartal 30 Millionen Pfund von einem schwarzen Konto der BAE bei der Bank of England auf zwei Konten der saudi-arabischen Botschaft in Washington erhalten haben. Während Ermittler der englischen Behörde Serious Fraud Office (SFO) die Konten als private Bankverbindungen Prinz Bandars ansahen, bezeichnet er die Konten als rein dienstlich.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Eine schwere Hypothek für Gordon BrownJedenfalls soll Königliche Hoheit mit diesem Geld ihre Extravaganzen finanziert haben: nicht nur ihr alles andere als bescheidenes Haus in Aspen. Auch als die Gattin des damaligen US-Verteidigungsministers Colin Powell darüber geklagt haben soll, ihr Gatte habe ihr nur einen Jaguar Baujahr 1995 geschenkt, eilte Rolls-Royce-Fahrer Prinz Bandar zur Hilfe: Einen Tag später überreichte er ihr den Zündschlüssel eines nagelneuen Jaguars. Üppig liebt es der Prinz auch sonst. Wenn er essen geht, mietet er immer das ganze Restaurant ? offiziell aus Sicherheitsgründen.Seinen Lebensstil muss er auch nicht ändern, als der Eliteoffizier und Vater von vier Söhnen und vier Töchtern 2005 nach 22 Jahren seinen Botschafterposten in den USA räumt. Er wird nationaler Sicherheitschef in Riad. Und seine Macht ist geblieben. Er sei ?einer der einflussreichsten Geheimdiplomaten?, schreibt die Schweizer ?Weltwoche?.Er persönlich soll dafür gesorgt haben, dass der bisherige britische Premier Tony Blair seine Behörden im vergangenen Dezember dazu gedrängt haben soll, die Korruptionsermittlungen gegen BAE und den Prinzen fallen zu lassen. ?Damit würden wir unsere strategische Partnerschaft zu Saudi-Arabien vollständig ruinieren?, sagte Blair noch wenige Tage vor seinem Abgang.Das ist eine schwere Hypothek für dessen Nachfolger Gordon Brown. Der neue Premier muss nun entscheiden, wie sein Königreich mit den US-Ermittlern kooperiert. Denn es geht um einen neuen Großauftrag: BAE will den Saudis für 20 Milliarden Pfund 72 Eurofighter liefern.Prinz Bandar weiß um seine Macht. Er reiste schon mal nach Paris, um klare Signale nach London zu senden: Wir können die Jets auch woanders kaufen.Flexibel ist er auch bei seinen internationalen Immobilien. Falls er einen Käufer für sein Anwesen im amerikanischen Aspen findet, bleibt ihm noch ein anderer Standort: Ihm gehört die Residenz Glympton Park im britischen West-Oxfordshire ? und die ist sogar 90 Millionen Pfund wert.Sollte er aber wegen der aktuellen Vorwürfe nicht mehr zu den Angelsachsen reisen können, hat er vorgesorgt: Er lässt gerade einen Palast in Riad errichten. Der soll keinesfalls kleiner werden als das Weiße Haus.Lesen Sie weiter auf Seite 3: Vita von Prinz Bandar bin Sultan bin Abdulaziz Al SaudVita von Prinz Bandar bin Sultan bin Abdulaziz Al Saud1949 wird er am 2. März in Taif/Saudi-Arabien als Sohn des Kronprinzen Sultan bin Abdulaziz Al Saud und heutigen Vizeministerpräsidenten von Saudi Arabien geboren. Er absolviert das British Royal Air Force College Cranwell. Er steuert verschiedene Typen von Kampfflugzeugen. Er besitzt einen Masters-Abschluss in internationaler Politik von der Johns Hopkins University School of Advanced International Studies.1983 wird Prinz Bandar US-Botschafter des Königreichs Saudi-Arabien und baut in seiner Amtszeit enge Kontakte zu amerikanischen Präsidenten wie George H.W. Bush und George W. Bush auf.2005 legt er sein Amt als Botschafter ?aus persönlichen Gründen? nieder und kehrt nach Saudi-Arabien zurück. Im Oktober des gleichen Jahres wird er nationaler Sicherheitschef Saudi-Arabiens.
Dieser Artikel ist erschienen am 28.06.2007