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George Soros: Ein Milliardär, der gerne aneckt

Von Tobias Moerschen
Berufsdenker belächeln die philosophischen Essays von Finanzjongleur George Soros, weil er ihnen zu pragmatisch ist. Die politische Linke der USA kassiert Millionenspenden von Soros, aber vielen bleibt der neoliberale Kapitalist suspekt.
NEW YORK. Berufsdenker belächeln die philosophischen Essays von Soros, weil er ihnen zu pragmatisch ist. Die politische Linke der USA kassiert Millionenspenden von Soros, aber vielen bleibt der neoliberale Kapitalist suspekt.Soros, der am morgigen Freitag 75 Jahre alt wird, eckt gerne an. Als ewiger Außenseiter bewegte er weit mehr als die meisten Menschen in der Gesellschaft. Auch zu sich selbst hält er Distanz. ?Man darf an der Börse nie versuchen, Recht zu behalten?, sagte Soros einmal. Seine Anlagefehler schildert er mit scharfer Selbstkritik in seinem Buch ?Die Alchemie der Finanzen? (deutsche Ausgabe 1998, Börsenmedien).

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Der 1930 in Budapest geborene Soros überlebte als Jude die Nazi-Besetzung mit falschem Pass. 1947 flüchtet er aus dem kommunistischen Ungarn nach London, wo er an der London School of Economics den Philosophen Karl Popper kennen lernt. Dieser beeindruckt ihn mit seiner Erkenntnistheorie, wonach sich kein Satz endgültig beweisen lässt. Möglich ist nur ein Herantasten, indem man nachweislich falsche Theorien verwirft.In New York, wo Soros 1956 ankommt, gründet er einen Hedge-Fonds. Mit unkonventionellen Wetten gegen die gängige Mehrheitsmeinung macht er ein Vermögen. Das beziffert das US-Magazin Forbes zuletzt mit 7,2 Milliarden Dollar. Mit seiner Wette gegen das britische Pfund wird Soros Anfang der 90er bekannt als ?der Mann, der die Bank von England knackte?.Heute arbeitet er bei seiner Firma Soros Fund Management zwar noch als Aufsichtsratschef. Ins Tagesgeschäft greift er jedoch nach Angaben seines Sprechers, Michael Vachon, kaum mehr ein. Nachdem Soros im US-Präsidentschaftswahlkampf auf doppelseitigen Zeitungsanzeigen vor der Wiederwahl des Konservativen George W. Bush warnte, ist er nur noch selten in der Öffentlichkeit zu sehen.Hinter den Kulissen wirkt er aber weiter. Sein Stiftungsnetzwerk Open Society Institute gab im vergangenen Jahr 429 Millionen Dollar aus. Ein Großteil floss in Demokratie-Initiativen in Osteuropa. In der Ex-Sowjetrepublik Georgien zahlte seine Stiftung zeitweise Zusatzgehälter für Minister des neuen Präsiden-ten Michael Saakaschwili, der durch eine unblutige Revolution siegte. Dafür erntete Soros Kritik von Gegnern des georgischen Präsidenten.George Soros dürfte also weiterhin anecken.
Dieser Artikel ist erschienen am 11.08.2005