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Generationswechsel im Eon-Vorstand

Von Jürgen Flauger und Robert Landgraf
Der 40-jährige Goldman-Sachs-Manager Marcus Schenck soll neuer Finanzchef von Eon werden und bereits im Dezember Erhard Schipporeit, 57, ablösen, dessen Vertrag eigentlich erst 2009 ausläuft.
DÜSSELDORF/FRANKFURT. Der 40-jährige Goldman-Sachs-Manager Marcus Schenck soll neuer Finanzchef werden und bereits im Dezember Erhard Schipporeit, 57, ablösen, dessen Vertrag eigentlich erst 2009 ausläuft. Die Personalie ist Teil einer größeren Umstrukturierung des Führungsgremiums, die der Aufsichtsrat gestern beschloss. In Unternehmenskreisen wird sie mit dem angestrebten Generationenwechsel begründet. Das ergibt durchaus Sinn.Neben Schenck soll auch der 49-jährige BP-Manager Lutz Feldmann in das Führungsgremium aufrücken. Feldmann, der dem Konzern durch seine jahrelange Tätigkeit für die Ex-Tochter Veba Oel bestens bekannt ist, soll sich vorrangig um die Erschließung neuer Märkte kümmern. Im Gegenzug geht Ende März das dienstälteste Vorstandsmitglied, Hans Michael Gaul, mit 65 in den Ruhestand. Bereits vor Monaten eingeleitet wurde der Wechsel im Personalressort. Der Ruhrgas-Manager Christoph Dänzer-Vanotti löst im Dezember Manfred Krüper ab.

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Der Wechsel im Finanzressort überrascht aber selbst intime Kenner des Unternehmens. Dass Schipporeit, ein angesehener Fachmann, mehr als zwei Jahre früher als ursprünglich geplant Platz machen soll, sorgt für Stirnrunzeln. Branchenexperten vermuten, der erfahrene Investmentbanker Schenck solle helfen, die festgefahrene Endesa-Übernahme voranzutreiben. In diesem Metier kennt sich der neue Mann jedenfalls bestens aus.Er ist seit 1997 bei Goldman Sachs in Frankfurt tätig, seit 2002 Partner und seit Ende 2004 einer der Leiter der angesehenen Investment-Banking-Aktivitäten. Goldman Sachs gehört neben Morgan Stanley und der Deutschen Bank zu den einflussreichsten Investmentbanken. Schenck selbst gilt neben Alex Dibelius als einer der Väter des Erfolgs von Goldman Sachs in Frankfurt und war an einer Reihe wichtiger grenzüberschreitender Transaktionen beteiligt. Erstmals fiel Schenck bei der Übernahme des Mannesmann-Konzerns auf, bei dem er auf der Seite der britischen Mobilfunkgesellschaft Vodafone stand. Lesen Sie weiter auf Seite 2: Der Wechsel kommt in für einen Finanzvorstand stürmischen ZeitenDer asketische, fast schlaksige Manager ist aber auch bei Eon bestens bekannt. Für den Konzern fädelte er die Übernahme des britischen Versorgers Powergen ein. Er wird als ruhig, bedächtig und sympathisch beschrieben. Er habe gut mit dem eher impulsiven Dibelius zusammengepasst, heißt es in seinem Umfeld. In der Branche jedenfalls hat Schenck einen sehr guten Ruf. Nicht weniger angesehen ist sein Vorgänger bei Eon.Schipporeit war bereits beim Energie- und Industriekonzern Viag Finanzchef und übernahm nach der Fusion mit Veba im Sommer 2000 zu Eon das Ressort auch im neuen Konzern. ?Das kommt aus heiterem Himmel?, sagt Analyst Matthias Heck von Sal. Oppenheim: ?Schipporeit hat einen tadellosen Ruf ? und das Unternehmen steht bestens da.? Auch Theo Kitz von Merck Finck zeigt sich äußerst überrascht.Unter Schipporeits Ägide hatte Eon in den vergangenen Jahren die Schulden so stark reduziert, dass der Konzern zwischenzeitlich mehr liquide Mittel als Verbindlichkeiten auswies. Sein Verhältnis zu Bernotat bezeichnen Unternehmenskenner als ?ausgesprochen gut?. Der Wechsel kommt in für einen Finanzvorstand stürmischen Zeiten. Für die geplante Übernahme von Endesa, bei der Eon in Spanien auf massive Widerstände von Politikern und Konkurrenten stößt, greift Eon immer tiefer in die Kasse.Nachdem jüngst der Mischkonzern Acciona in den Bieterstreit eintrat, stockte Eon die Offerte innerhalb eines Tages um knapp 40 Prozent auf 37 Milliarden Euro auf. Damit geht der finanzstarke Konzern an seine Grenzen. Die Ratingagenturen beobachten die Entwicklung äußerst aufmerksam. ?Schenck ist in komplizierten Verhandlungen sehr erfahren ? und genau so einen Mann benötigt Eon jetzt?, heißt es in Branchenkreisen. Eon wird schließlich von immer neuen Schachzügen seiner Kontrahenten überrascht.
Dieser Artikel ist erschienen am 16.10.2006