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Generationswechsel auf die andere Art

Von Axel Granzow
Detlef Bühmann führt als Familienfremder den Fertighausbauer Haacke+Haacke. Doch diese Rolle allein scheint ihn nicht auszufüllen, wie sein Wechsel an die Spitze des Bundesverbands Deutscher Fertigbau belegt. Nun sagt er der gesamten Branche, wo es langgeht.
CELLE. Detlef Bühmann kennt sie alle persönlich. Wenn er durchs Werk geht, schüttelt er jedem kurz die Hand. Und der 53-Jährige gerät regelrecht ins Schwärmen, als er die Einzelheiten einer Hausfassade erläutert, die soeben komplett mit Fenstern, Balkon und allem Drum und Dran zusammengeschraubt wird.Bühmann könnte man für den Inhaber des Fertigbauunternehmens Haacke+Haacke aus dem niedersächsischen Celle halten. Doch er ist nur Geschäftsführer, aber quasi der Ziehsohn des Gründers und Inhabers Wolfgang Haacke. Denn der suchte einen Nachfolger an der Firmenspitze. Er hatte zwar fünf Töchter. Doch ein Schwiegersohn, der in seine Fußstapfen treten wollte oder konnte, fehlte. Da lernte Haacke 1979 Bühmann bei der Deutschen Bank kennen und holte ihn als Assistenten ins Unternehmen. "Die Chemie zwischen ihm und Haacke" stimmte einfach, sagen Mitarbeiter.

Die besten Jobs von allen

Bühmann stieg auf und wurde 1995 Geschäftsführer des 1879 gegründeten Unternehmens. Heute erzielt der Anbieter von Fertighäusern im gehobenen Marktsegment mit 300 Mitarbeitern in Celle und Potsdam 35 Millionen Euro Umsatz und schreibt laut Bühmann schwarze Zahlen. 2005 gewann Haacke+Haacke für seine Stadtvilla den "Golden Cube" und den "Großen Deutschen Fertighauspreis" wegen der Architektur und ökologischen Werthaltigkeit.Und nun steht Bühmann auch im Mittelpunkt der Fertighausbranche. Der gebürtige Celler, inzwischen Vater von vier Kindern, ist neuer Präsident des Bundesverbands Deutscher Fertigbau (BDF). Und er legt gleich los: "Mein Ziel ist es, das Fertighaus bundesweit zu einem Marktanteil bei den Ein- und Zweifamilienhäusern von 20 Prozent zu führen", sagt er dem Handelsblatt. Das Ziel ist ehrgeizig: Im letzten Jahr schaffte die Branche nur knapp 15 Prozent. Doch Fertighäuser seien wegen ihrer Holzbauweise Energiesparhäuser, und diese Erkenntnis setze sich bei immer mehr Kunden durch. Schützenhilfe erhält er von der Politik: Für Neubauten gelten künftig strengere Energiesparverordnungen.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Weg vom BilligimageFast die Hälfte der heute in Deutschland gebauten Holzfertighäuser erfüllt laut Bühmann bereits die Förderkriterien des KfW -Programms "Ökologisch bauen". Die Branche will das Billigimage abschütteln.Kein Wunder, dass sie ihn zum Präsidenten macht. Sein Vorgänger Gerd Glenewinkel kam von der DFH Deutsche Fertighaus Holding (Okal, Massa-Ausbauhaus), sozusagen dem Aldi im Fertigbau. Glenewinkel stand für preiswert. Bühmann steht für öko, anspruchsvoll und edel.Doch was nützt der schönste Trend zur Energiespar-Öko-Luxusimmobilie aus der Fabrik, wenn die Wohnungsbaukonjunktur einbricht. Die Zahl der Baugenehmigungen für Ein- und Zweifamilienhäuser ist in diesem Jahr deutlich gesunken. Auch "die Fertighausbranche spürt den Rückgang im Wohnungsbau", sagt Bühmann. Die Lage sei zwar von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich, aber ein Umsatzrückgang in der Branche wahrscheinlich.Doch manche Unternehmen profitierten vom Trend zu anspruchsvolleren Architektenhäusern, sagt Bühmann. Er meint damit wohl sein eigenes Haus Haacke+Haacke, das aber nicht wirklich sein eigenes ist. Denn das Vermögen gehört einer Stiftung. In deren Aufsichtsrat sitzen Wolfgang Haacke und seine Frau. Seine Töchter hat er abgefunden.
Dieser Artikel ist erschienen am 04.01.2008