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Generation Golf schaltet einen Gang höher

Von Thomas Knüwer
Wer Florian Illies trifft, könnte enttäuscht sein. Von einem, der dank eines bestens verkauften Buches seiner ganzen Generation ein Etikett aufklebte, erwartet man mehr Show. Mehr Sich-selbst-Verkaufen. Trotz alledem prüft der schweizer Großverlag Ringier nun den Einstieg bei Florian Illies? Kunstmagazin ?Monopol?.
DÜSSELDORF. Illies aber spricht ruhig, fast besänftigend. Wie ein scheuer Intellektueller wirkt er mit seiner dünnrandigen Brille und den etwas tapsigen Handbewegungen.Unterschätzen sollte man ihn deshalb aber auch nicht. Denn ihm scheint nun zu gelingen, was ihm viele nicht zugetraut haben: ein eigenständiges Kunstmagazin nicht nur zu gründen, sondern auch am Leben zu erhalten.

Die besten Jobs von allen

Im März 2004 erschien die erste Ausgabe von ?Monopol?, einem ?Magazin für Kunst und Leben?, gegründet von ihm und seiner Frau Amélie von Heydebreck. Nun steht das Blatt vor einem kräftigen Schub: Der Schweizer Großverlag Ringier hat beim Bundeskartellamt die Übernahme ?wesentlicher Vermögensteile? von ?Monopol? angemeldet. Ringier bestätigte: ?Wir prüfen eine Übernahme.?Alexander von Oheimb, Geschäftsführer von Illies? Juno-Verlag, will die Meldung nicht kommentieren. Schon einmal schließlich scheiterte kürzlich die Beteiligung eines Großen an Juno: Die Mitarbeiter-Gesellschafter des Spiegel-Verlags verhinderten den Einstieg der Hamburger im letzten Moment.Doch Ringier ? das klingt logisch. In Deutschland ist der Konzern, der beraten wird von Ex-Kanzler Gerhard Schröder, bisher nur mit dem Polit-Debattier-Magazin ?Cicero? vertreten. Dem Mediendienst ?Kress Report? sagte Verleger Michael Ringier im Dezember 2005: ?Wenn irgendwas Schönes in Deutschland oder Frankreich zu haben wäre, dann würde uns das natürlich interessieren.?Wieder wird so mancher in der deutschen Medienszene Illies und von Heydebreck diesen Erfolg neiden. So wie schon beim Start von ?Monopol?. Da brodelte die Gerüchteküche ob der ominösen fünf Investoren, die das Anfangskapital gaben. Wer das war, ist bis heute nicht bekannt. Hartnäckig aber wird Illies? Schwiegervater ins Spiel gebracht, Deutsche-Bank-Vorstand Tessen von Heydebreck.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Er mutierte zum Feindbild manches Feuilleton-Traditionalisten.Illies war nicht gut gelitten bei denen, die seine beiden Bestseller um die ?Generation Golf? für heiße Luft hielten. So jung und schon so erfolgreich: Da witterte mancher eine Dotcom-Blase in Journalistengestalt. Der 34-jährige Hesse mutierte zum Feindbild manches Feuilleton-Traditionalisten.Obwohl auch Illies genau das machte, nach seinem Studium der Geschichte und Kunstgeschichte: Feuilleton. Und das bei der Mutter aller Redaktionen dieses Feldes: der ?Frankfurter Allgemeinen?. Mit jungen 26 Jahren wird er dort Redakteur. Als Berlin zur hippen Metropole werden soll, übernimmt er die Berliner Seiten der ?FAZ? und macht sie zur Spielwiese dessen, was sich Pop-Journalismus nennt. Ende 2002 verlässt er das Blatt.Und nun, seit anderthalb Jahren, ?Monopol?. Inzwischen liegt die verkaufte Auflage bei 30 000 Exemplaren, 10 000 davon werden von der Lufthansa verteilt. Und auch die Anzeigenkunden scheinen ?Monopol? angenommen zu haben.Zeit für den nächsten Schritt: In diesem Jahr soll der Wechsel vom zweimonatigen zu monatlichem Erscheinen folgen, Jung von Matt wurde als Werbeagentur engagiert, und auch vier neue Stellen in der Mini-Redaktion soll es geben.Mit dem Ringier-Einstieg wäre das Überleben des Magazins wohl dauerhaft gesichert. Und Illies würde einen Satz aus ?Generation Golf? wieder einmal Lügen strafen: ?Veränderungen wird die Zukunft kaum bringen.?
Dieser Artikel ist erschienen am 06.01.2006