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Gen- und Tele-Techis

Joachim Hofer
?Am Anfang“, sagt der Inder Som Mittal, ?war es schwierig, die Leute nach München zu bekommen.“ Schon nach wenigen Monaten habe sich das aber geändert: ?Jetzt lieben unsere Mitarbeiter die Stadt“, meint der Chef von Digital India, ?weil sie von hier aus viel unternehmen können.“
?Am Anfang“, sagt der Inder Som Mittal, ?war es schwierig, die Leute nach München zu bekommen.“ Schon nach wenigen Monaten habe sich das aber geändert: ?Jetzt lieben unsere Mitarbeiter die Stadt“, meint der Chef von Digital India, ?weil sie von hier aus viel unternehmen können.“ Das Software-Unternehmen aus dem indischen Bangalore hat kurz nach dem Start in Deutschland schon zwei Dutzend seiner insgesamt 900 deutschen und internationalen IT-Experten in München im Einsatz.

Es ist kein Zufall, dass sich Som Mittal die bayerische Landeshauptstadt als Deutschland-Stützpunkt ausgesucht hat. Hier hat bereits der Mehrheitseigentümer von Digital India, der US-Computerriese Compaq, sein Hauptquartier für die Bundesrepublik aufgebaut. So wie Digital India im Gefolge von Compaq an die Isar zog, kommen jedes Jahr Dutzende neuer High-Tech-Unternehmen nach München. Große Namen locken: Microsoft, Oracle und Intel, Cisco, Sun Microsystems, 3Com - fast alle bedeutenden amerikanischen IT-Unternehmen haben ihre Deutschland-Zentrale in München. Förderprogramme wie die Software-Offensive der Staatsregierung ziehen stetig neue Gründer in die Stadt. Und damit nicht genug: Siemens beschäftigt über die gesamte Stadt verteilt Tausende Spezialisten in zahllosen High-Tech-Abteilungen. Durch die Abspaltung der Halbleiter-Tochter Infineon sowie des Bauelemente-Spezialisten Epcos gewann die Millionenstadt in den vergangenen zwei Jahren zusätzlich zwei dynamische Großunternehmen.

Die besten Jobs von allen


Nach einer Umfrage der Industrie- und Handelskammer München erzielen diese Unternehmen mit IT-Dienstleistungen, Software und Endgeräten einen Umsatz von 70 Milliarden Mark und beschäftigen fast 120.000 Mitarbeiter.

München floriert - und das nicht nur bei Elektronik und Computern, sondern auch in Branchen wie der Biotechnologie. Die vier Vorzeigeunternehmen der Isarmetropole sind Medigene, Morphosys, GPC Biotech und schließlich auch MWG-Biotech - einer der weltweit führenden Hersteller von Oligonukleotiden, kleinsten Genschnipseln, die in der Forschung benötigt werden. Im Süden der Stadt haben zudem zahlreiche junge Unternehmer mit Hilfe des Freistaats einen Biotech-Park aufgebaut. Insgesamt hat sich München neben Berlin, Heidelberg und dem Rheinland zum wichtigsten Biotech-Zentrum Deutschlands entwickelt.

Die Landeshauptstadt profitiert kräftig von dem Boom: Bei einer Arbeitslosenquote von vier Prozent sind die Flure des Münchener Arbeitsamts oft leer. Nirgendwo ist es so leicht, Arbeit zu finden - und auch Geld zu verdienen. Vor allem der Nachwuchs, der in der Informationstechnologie (IT) und Informatik gesucht wird, kassiert gut ab: Laut einer Umfrage des Online-Stellenmarktes Jobpilot erhalten IT-Spezialisten in München am Anfang ihrer Karriere zwischen 90.000 und 100.000 Mark im Jahr.

Auch in der Telekommunikation haben Hochschulabsolventen in München große Chancen. Anfang des Jahres erst hat der spanische Konzern Telefonica angekündigt, innerhalb von drei Jahren einige Tausend Arbeitsplätze in seiner neuen Deutschland-Zentrale zu schaffen. Damit haben sich die Bayern gegen Berlin durchgesetzt - München sei näher an Italien, ließen die Spanier mitteilen, und dort seien sie schließlich schon aktiv. ?München ist die Stadt, in der Spanier am liebsten in Deutschland arbeiten und wohnen“, sagt Luis Lada, Chef der Mobilfunk-Sparte von Telefonica.

?Von München aus können meine Leute eben viele verschiedene Länder erreichen und Kulturen erleben“, erklärt begeistert Digital-India-Chef Mittal - und damit meint er vermutlich nicht allein die Freikörperkultur im Englischen Garten. Eine solche Vielfalt, sagt Mittal, kann selbst das Silicon Valley nicht bieten.
Dieser Artikel ist erschienen am 18.05.2001