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Gemeinsame Stärken entwickeln

Von Patrick Mönnighoff, Handelsblatt
Zu Wochenbeginn unterschrieben Johann Dietrich Wörner (Technische Universität Darmstadt) und sein Kollege Rudolf Steinberg (Universität Frankfurt) einen Vertrag für eine langfristige strategische Kooperation. Damit wollen die Hochschulen die Wissensregion Rhein-Main stärken.
HB DARMSTADT/FRANKDFURT.Die beiden Universitäten wollen beispielsweise künftig Lehrangebote aufeinander abstimmen. Doppelungen in den Fachgebieten der Professoren sollen damit vermieden werden, um so zwar das Studienangebot zu erweitern, gleichzeitig aber auch Kernkompetenzen der beiden Hochschulen zu stärken.Sogar gemeinsame Studiengänge entwickeln die beiden Unis bereits. ?Es ist durchaus erwünscht, dass Studenten an beiden Hochschulen Vorlesungen besuchen?, sagt der Frankfurter Präsident Rudolf Steinberg im Gespräch mit dem Handelsblatt. Vor allem bei Masterstudiengängen sind die Pläne bereits weit vorangeschritten. Denn hier wollen die Universitäten durch die Kooperation wieder ins internationale Spitzenfeld aufschließen, um so auch ausländische Top-Studenten in die Region zu locken, sagt Steinberg.

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Dass derartige Zusammenschlüsse durchaus sinnvoll sind, bestätigt auch Florian Buch, Referent beim Centrum für Hochschulentwicklung. ?Solange die Universitäten ihre Angebote aufeinander abstimmen und gemeinsame Resourcen nutzen können, profitieren meist beide Seiten?, sagt Buch. Auch andere Universitäten suchen daher verstärkt die Nähe zu ihren Nachbarn. In Kassel und Göttingen arbeiten die Professoren schon länger zusammen. Zwischen der Technischen und der Ludwigs-Maximilians Universität (LMU) in München laufen schon seit Monaten Gespräche über eine engere Zusammenarbeit.Wichtig sei jedoch, dass keine Seite zum Vertragsabschluss gedrängt werde, sagt Buch. Vor allem, wenn zwei Universitäten mitunter unfreiwillig fusionierten, kam es in der Vergangenheit zu heftigen Protesten. Bei der Zusammenlegung der Fachhochschule und der Universität in Lüneburg äußerten nicht nur die Studenten ihren Unmut. Bei der Fusion zwischen den Hochschulen Essen und Duisburg bezeichneten sich beide Seiten als Verlierer.In München ist daher von einer Fusion nicht mehr die Rede ? obwohl lange Zeit darüber spekuliert wurde. ?Eine Fusion ist nicht sinnvoll?, sagt Bernd Huber, Rektor der LMU. Eine engere Zusammenarbeit werde jedoch weiterhin angestrebt.Auch in Frankfurt und Darmstadt bleiben die Universitäten unabhängig, sagt Steinberg. Proteste hat es daher an den beiden Hochschulen im Vorfeld der Vertragsunterzeichnung nicht gegeben ? auch nicht von Seiten der Studenten. ?Da die Universitäten eigenständig bleiben und sich zudem das Studienangebot weiter verbessert, begrüßen wir das Abkommen sogar?, sagt Sascha Decristan, Vorstandsmitglied vom Allgemeiner Studierenden-Ausschuss (Asta) an der Technischen Universität Darmstadt.
Dieser Artikel ist erschienen am 06.05.2005