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Geldanlage mit gutem Gewissen

Denise Brasch
Gutes tun und auch noch Geld dafür kassieren, ohne einen Finger krumm zu machen ­ klingt zu schön, um wahr zu sein? Nö, das geht.
Malerisch grüne Aras, uralte Schildkröten und bunte Tukane im brasilianischen Regenwald - mit ethischen Investments können Sparer den Lebensraum dieser Tiere retten und dabei etwas für den eigenen Geldbeutel tun. Die Idee, Geld in "guten" Projekten anzulegen, ist beliebt. Knapp die Hälfte aller Deutschen interessiert sich laut einer Studie der Universität Hannover für ethische Geldanlagen.Allerdings waren bis Ende 2001 nur 0,4 Prozent des Anlagevolumens im deutschsprachigen Raum nach ethischen Gesichtspunkten angelegt, so das Hannoveraner Institut Imug. Eine mögliche Erklärung: Diese Investments haben ­ unbegründeterweise ­ einen schlechten Ruf. Wer mit seinem Geld Gutes tun wolle, müsse zwangsläufig auf Rendite verzichten, so die einhellige Meinung. Doch das ist nur die halbe Wahrheit.

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Jede Menge AngeboteDas Angebot ist groß: Sparprodukte, Aktien und Fonds gibt es als ethisches Investment. Dabei ist der Grundgedanke immer gleich: Der Kunde steckt sein Geld in ein soziales oder ökologisches Projekt. Das kann der Bau eines Kindergartens, die Vogelwarte an der Nordsee oder unspezifisch ein Unternehmen mit umweltfreundlichen Produkten sein.Die Sparprodukte unter diesen Investments gibt es, je nach Betrag und Laufzeit, mit 3,5 bis 4 Prozent Zinsen. Der Clou: Der Kunde wählt, wie viel seiner Zinsen er spenden will. Von einem kleinen Anteil bis auf einen kompletten Zinsverzicht ist alles möglich. Die Aras in Costa Rica lassen sich zum Beispiel über das Projekt "Tropica Verde" der Ökobank unterstützen. Statt der normalen 2,7 Prozent Zinsen für die einjährige Anlage von 1.000 Euro bekommt der Kunde bis zu 1,9 Prozent oder auf Wunsch noch weniger.Wer der Hamburger Obdachlosenzeitung "Hinz und Kunzt" helfen will, verzichtet auf jegliche Zinsen. Die 3,6 Prozent Zinsen des Sparbriefs, den die GLS-Gemeinschaftsbank anbietet, gehen direkt an die Straßenzeitung. 160 Wohltäter hatte das Blatt 2001, die rund 15.000 Euro an Zinsen ansammelten.Üppige ZinsenSolche Fördersparkonten, bei denen der Kunde auf einen Teil der Zinsen verzichtet, sind die Ausnahme. Wer moralisch wertvoll investieren will, kann auch ganz normal Zinsen kriegen. So zahlt die Umweltbank auf ihr "UmweltSparbuch" 2,9 Prozent Zinsen ­ deutlich mehr als die ein bis 1,25 Prozent, die es zum Beispiel bei den Großbanken auf ein normales Sparbuch gibt.Wer lieber Aktien statt Sparbuch will, der findet ethische Investments ganz "normal" an der Börse: Als ethische Aktien gelten vor allem Papiere ökologisch orientierter Unternehmen wie Spezialisten für Solar-, Wasser- oder Windenergie. Die bekanntesten: Solar World, Plambeck und Umweltkontor.Der Erfolg ausgewählter Ethikaktien wird seit Mitte der 90er-Jahre in Indizes wie dem NAX, auch NAI abgekürzt, dem Domini 400 Social Index, dem Dow Jones Substainability Group Index (DJSGI World) und dem FTSE 4 Good Index gemessen. "Grüne" BörsenbarometerDer NAX 20 enthält zum Beispiel internationale "grüne" Aktien, wie The Bodyshop oder Tomra. Der Kosmetikkonzern verzichtet auf Tierversuche, während Tomras Pfandrücknahmeautomaten als sehr umweltfreundlich gelten. Automobil- und Chemietitel haben zum NAX keinen Zutritt.Weniger streng ist der DJSGI World ausgerichtet. Die darin enthaltenen 200 Unternehmen zählen sozial, ökologisch und ökonomisch zu den Vorbildern ihrer Branche ­ selbst wenn das Geschäftsmodell an sich, wie bei Auto- oder Pharma-Herstellern, zunächst alles andere als umweltschonend scheint.Dass "grüne" Aktien auch eine rentable Geldanlage sein können, zeigt die Entwicklung des NAX: Er kletterte seit Jahresbeginn um sechs Prozent. Der ökoneutrale Weltindex MSCI verlor hingegen 4,2 Prozent.Töpfe für gute Taten Beliebt sind bei "grünen" Anlegern Fonds: Das Gesamtvolumen an Umweltfonds wuchs 2001 um 50 Prozent auf 2,41 Milliarden Euro, so das Internetportal ecoreporter. de. Ökofonds investieren in Unternehmen, die Produkte unweltschonender herstellen als der Branchendurchschnitt, oder als Pioniere gelten. Reine Ethik- oder Sozialfonds gibt es nicht. Ausschließlich auf ökologische und soziale Aktien konzentrieren sich in Deutschland rund 30 Fonds. Die konnten allerdings dem allgemeinen Börsentrend im vergangenen Jahr auch nicht trotzen: Sie büßten laut ecoreporter.de im Schnitt 21 Prozent ein.In Deutschland gibt es drei Banken, die auf ethische Geldanlagen spezialisiert sind: Umweltbank, Ökobank und die GLS Gemeinschaftsbank. Letztere wird Ende 2002 die Ökobank übernehmen. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Banken, die einige wenige Projekte anbieten. Beispiel: Volksbank Eisenberg Direkt. Dort kann der Kunde ein Waisenhaus in Rumänien unterstützen oder die "Babyklappe Hamburg" fördern.Was ethisch, ökologisch oder sozial ist, dafür gibt es keine allgemein verbindliche Definition. Der Anleger muss selber wissen, was er darunter verstehen will. Ist ihm Kinderarbeit ein Graus oder will er keinesfalls die Rüstungsindustrie unterstützen?Je strikter man Ethik definiert, desto weniger Anlagemöglichkeiten gibt es und je größer wird ­ wie bei allen einseitigen Geldanlagen ­ das Risiko. Ein spezielles "grünes" Wagnis besteht aber nicht. Wer in Aktien investiert, muss theoretisch jederzeit mit einem Totalverlust rechnen, egal ob Umweltaktie oder Chemiekonzern. Generell geringer, aber nicht ausgeschlossen ist das Risiko bei Fonds.Nur spärliche Hilfe Bevor man in ein Projekt investiert, sollte man das Umfeld genau prüfen. Was nützt die Beteiligung an einem Windpark, wenn kein Lüftchen weht? Ein Gütesiegel gibt es nicht. Orientierungshilfe bieten aber die schwarze Liste der Verbraucherzentrale Berlin und die grau-grüne Liste der Zeitschrift Öko-Invest. Verstößt ein Unternehmen gegen ethische Kriterien, kommt es auf die Listen.Leider kostet es Zeit, sich über ethische Geldanlagen umfassend zu informieren. Da nur wenige Bankberater qualifiziertes Wissen auf diesem Nischenmarkt haben, muss der Kunde sich alleine schlau machen. Informationen gibt es im Internet, im Buchhandel und bei den Verbraucherzentralen. Doch für den Zeitaufwand gibt es auch etwas gratis: das behagliche Gefühl, viel Gutes zu tun.Linktipps www.ecoreporter.de

www.oeko-invest.de

www.verbraucherzentrale-berlin.de

www.oekobank.de

www.gls-bank.de

www.volksbankeisenberg.de
LiterarturtippsMehr Wert: ökologische Geldanlagen. Umweltbundesamt, Berlin 2000, kostenlos.Ethisches Investment. Dagmar Gabrio, Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf 2001, 7,80 Euro.Grünes Geld. Max Deml, Jörg Weber, Altop Verlag, München 2000, 19,95 Euro.
Dieser Artikel ist erschienen am 31.07.2002