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Geld vom Staat

Barbara Weise
Berufliche Weiterbildung ist teuer. Wer sich neben dem Job fortbilden möchte, muss die Kosten aber nicht unbedingt selbst zahlen. Arbeitnehmern mit abgeschlossener Berufsausbildung steht das so genannte Meister-Bafög zu - und das gilt für Handwerker genauso wie für Programmier und Krankenpfleger.
Meister-Bafög

Tobias Fielenbach arbeitete nach seiner Tischlerlehre drei Jahre lang in einer Tischlerei in Südfrankreich. Dann kam er zurück nach Deutschland und wollte sich zum Meister fortbilden. Doch die neunmonatige Ausbildung konnte er sich nicht leisten. Er suchte Rat bei der Handwerkskammer Köln und erfuhr dort, dass ihm Meister-Bafög zusteht. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert die berufliche Weiterbildung für Leute, die bereits die erste Ausbildung abgeschlossen haben. Dies gilt nicht nur für Handwerker; der Staat unterstützt ebenso Fortbildungen zum Techniker, Fachkrankenpfleger, Programmierer oder Betriebswirt. Der angestrebte Abschluss muss über dem Niveau einer Facharbeiter- oder Gesellenprüfung liegen, darf aber nicht oberhalb der Meisterebene stehen, wie zum Beispiel ein Hochschulabschluss.

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Gefördert werden Voll- und Teilzeitprogramme ebenso wie Fernlerngänge, auch Maßnahmen im EU-Ausland sind möglich. Auch Ausländer haben ein Recht auf das Meister-Bafög, wenn sie mindestens drei Jahre lang in Deutschland gearbeitet haben. Bürger aus den EU-Ländern müssen seit einem halben Jahr in Deutschland wohnen. Die Höhe des Geldes ist abhängig vom Einkommen und Vermögen des Geförderten. 35 Prozent der Förderung ist ein Zuschuss vom Staat, der Rest ein zinsbegünstigtes Darlehen bei der Deutschen Ausgleichsbank.

Bis das Geld tatsächlich auf dem Konto ist, muss der Antragsteller eine ganze Menge Papierkram erledigen. Zunächst prüft die Handwerks- oder die Industrie- und Handelskammer die Anträge, dann kommt die Bewilligungsbehörde zum Zug, in Fielenbachs Fall die Bezirksregierung von Köln. Danach geht der Antrag zur Deutschen Ausgleichsbank, die ebenfalls zustimmen muss. "Man muss von Anfang an hinterher sein und sich um jeden Schritt selbst kümmern. Am besten man bringt die Anträge persönlich vorbei und fragt sofort, ob die Unterlagen komplett sind", rät Tobias Fielenbach. Dann hilft die Handwerkskammer gerne und gibt den Antragstellern Tipps, worauf sie achten müssen. Trotzdem kann es eine Zeit lang dauern, bis die Zustimmung von der Bezirksregierung kommt. "Einige meiner Mitschüler warten jetzt schon drei Monate auf ihr Geld."

Die Mühe lohnt sich. Tobias Fielenbach bekommt jetzt zusätzlich zu den Lehrgangskosten jeden Monat gut 500 Euro, und wenn alles klappt, hat er nach neun Monaten den Meister in der Tasche.

Weitere Informationen zum Meister-Bafög unter: www.meister-bafoeg.info

Begabtenförderung

Katharina Schleiff hat nach ihrer Ausbildung zur Physiotherapeutin nicht lange gewartet, um sich fortzubilden. "In diesem Bereich ist es notwendig, ständig weiter zu lernen - vor allem, wenn man vor hat, sich selbstständig zu machen", meint sie. Nur vier Wochen nach dem Abschluss ihrer Ausbildung belegte sie den ersten Weiterbildungs-Kurs, den sie aus eigener Tasche bezahlt hat.

Erst danach hat Katharina Schleiff zufällig durch einen Zeitungsbericht von der Begabtenförderung erfahren. "Es ist eigentlich schade, dass man während der ganzen Ausbildung nichts davon hört." Sie bewarb sich bei der Stiftung in Bonn und bekam einige Wochen später eine Zusage.

Wer sich für die Begabtenförderung bewerben will, muss in der Regel die Abschlussprüfung seiner Ausbildung mit besser als "gut" bestanden haben. Man kann sich aber auch durch die besonders erfolgreiche Teilnahme an einem überregionalen Leistungswettbewerb oder durch den Vorschlag eines Betriebes bzw. einer Berufsschule qualifizieren. "Doch gute Noten reichen nicht immer aus", weiß Katharina Schleiff. "Man sollte der Bewerbung alle Empfehlungsschreiben und Auszeichnungen beilegen, die man hat. Am besten stellt man sich gleich persönlich vor, um einen guten Eindruck zu hinterlassen." Ein weiteres Kriterium ist, dass der Bewerber bei Aufnahme in die Begabtenförderung noch nicht 25 Jahre alt sein darf. Allerdings können Wehr- und Zivildienst sowie Erziehungszeiten bis zu zwei Jahren angerechnet werden.

Die Mittel für das Förderprogramm stellt ebenso wie für das Meister-Bafög das Bundesministerium für Bildung und Forschung bereit. Die Stiftung fördert nicht nur direkte Maßnahmen zur beruflichen Weiterbildung, sie bewilligt ebenso Kurse in Rhetorik oder Zeitmanagement oder auch Sprachkurse im Ausland, wenn der Bewerber erklären kann, wozu ihm die Qualifikationen nutzen.

Die Höhe der Förderung ist unabhängig von Einkommen und Vermögen und muss nicht zurückgezahlt werden. Sie richtet sich ausschließlich nach der Höhe der Fortbildungskosten, zu denen außer den Lehrgangsgebühren auch Fahrt- und Aufenthaltskosten zählen. Im Jahr gestattet die Stiftung Fördergelder bis zu 1.800 Euro, und das maximal drei Jahre lang.

Wenn die Förderung einmal bewilligt ist, kann man alle Kosten angeben, die zur Weiterbildung anfallen: Nicht nur Fortbildungsmaßnahmen, auch teure Fachbücher bezahlt die Stiftung, wenn ein Dozent die Notwendigkeit bescheinigt. "Man sollte möglichst zu Beginn des Jahres alle Anträge einreichen, denn wenn die Stiftung das Geld verplant hat, kann man auch als bewilligter Stipendiat leer ausgehen," warnt Schleiff.

Weitere Infos unter: www.begabtenfoerderung.de

Weitere Tipps

Auch wenn weder Meister-Bafög noch Begabtenförderung in Frage kommen, gibt es noch Möglichkeiten, die Kosten der Weiterbildung zu senken:

- In den meisten Bundesländern genehmigt der Gesetzgeber einige Tage im Jahr, die der Arbeitnehmer zusätzlich zu seinem Urlaub für Fortbildungen frei machen kann. Die genauen Bestimmungen hängen vom Bundesland und von der Größe der Unternehmens ab (s. Bildungsurlaub: Töpfern auf Kreta ist nicht drin).

- Wichtig ist auch zu wissen, dass man alle Kosten der Weiterbildung in unbegrenzter Höhe von der Steuer absetzen kann, wenn man den beruflichen Bezug nachweisen kann. Bei Sprachreisen, die zu sehr nach Urlaub aussehen, kann es schon schwieriger werden. Zu den Weiterbildungskosten gehören neben den Anmelde-, Teilnahme- und Prüfungsgebühren auch die Lehrmittel sowie Reise- und Übernachtungskosten.
Dieser Artikel ist erschienen am 17.04.2003