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Geld retten bis Silvester

Bernhard Köstler/Katja Stricker
Bittere Zeiten kommen auf uns zu: Die Tage der Eigenheimzulage sind gezählt, und auch andere Steuervergünstigungen stehen auf der Abschussliste der künftigen Bundesregierung, um die Milliardenlöcher im Haushalt zu stopfen.
Mit welchen Last-Minute-Tricks Arbeitnehmer, Häuslebauer und Studenten bis Silvester Geld retten können.
Bittere Zeiten kommen auf uns zu: Die Tage der Eigenheimzulage sind gezählt, und auch andere Steuervergünstigungen stehen auf der Abschussliste der künftigen Bundesregierung, um die Milliardenlöcher im Haushalt zu stopfen.
Da heißt es retten, was noch zu retten ist: In diesem Jahr können Arbeitnehmer und Hausbesitzer in spe noch vom alten Recht profitieren. Und auch bei den Werbungskosten haben Arbeitnehmer noch bis Silvester Zeit, an der Steuerschraube für 2005 zu drehen.

Heim-Vorteil nutzen
Die Eigenheimzulage wird voraussichtlich als Erstes gestrichen. Wer von häuslichem Eigentum träumt, sollte jetzt handeln. Kaufverträge oder Bauanträge müssen bis 31. Dezember unter Dach und Fach gebracht werden, um noch in den Genuss der Zulage zu kommen.
Je nach Stadt oder Gemeinde bleiben dann bis zu fünf Jahre, um mit dem Hausbau zu beginnen. Nach dem Einzug erhält der Bauherr die Förderung nach altem Recht. Bis zu 1.250 Euro jährlich schießt der Staat acht Jahre lang zu. Jedes Kind bringt zusätzliche 800 Euro im Jahr

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Ist das neue Haus bereits bezugsfertig, sollte der Besitzer noch in diesem Jahr einziehen, sonst verliert er ein Jahr bei der Förderdauer. Um das Finanzamt zu überzeugen, dass der Last-Minute-Einzug tatsächlich vor Jahresende erfolgt, ist es ratsam, sich schon jetzt umzumelden und bei der Post einen Nachsendeauftrag für die neue Adresse zu stellen

Schenkung vorziehen
Auch eine höhere Besteuerung von Immobilienschenkungen könnte die neue Regierung beschließen, um zusätzliches Geld in die Kassen zu spülen. Derzeit zieht die Finanzverwaltung zur Bemessung der Schenkungssteuer nur etwa 60 Prozent des tatsächlichen Wertes einer geschenkten Immobilie heran. Nach Abzug der persönlichen Freibeträge, die innerhalb der Familie sehr hoch sind, lässt sich so das Elternhaus meist steuerfrei auf Tochter oder Sohn übertragen. Wer eine Übertragung plant, sollte sie daher bis Ende 2005 über die Bühne bringen

Schönheitsreparaturen absetzen
Wer seine Wohnung (gemietet oder Eigentum) renovieren will, kann den Staat an den Kosten beteiligen. 20 Prozent des Rechnungsbetrags (ohne Material), jedoch maximal 600 Euro pro Jahr können Sie von Ihrer Steuerschuld abziehen. Bedingung ist die Vorlage einer Handwerksrechnung beim Finanzamt inklusive Überweisungsquittung. Barzahlungen werden nicht akzeptiert.

Shoppen und Sparen
Arbeitnehmer, die über die Werbungskostenpauschale von 920 Euro kommen, können mit jeder weiteren Anschaffung die Steuerlast für 2005 noch senken. Auf der Einkaufsliste können anerkannte Arbeitsmittel wie Schreibtisch, Regale oder Lampen fürs häusliche Arbeitszimmer sowie Fachbücher stehen. Wer bereits einen Sprach-, Computer- oder anderen Fortbildungskurs für nächstes Jahr gebucht hat, sollte möglichst noch vor Silvester bezahlen, selbst wenn die Rechnung erst später fällig ist. So lassen sich die Gebühren noch 2005 ansetzen. Fürs Finanzamt ist nur das Datum der Zahlung entscheidend

Alle, die ein Erststudium absolvieren, dürfen bis zu 4.000 Euro Bildungskosten als Sonderausgaben berücksichtigen. Ist abzusehen, dass die 4.000-Euro-Grenze in 2005 mit Arbeitsmitteln wie Computer und Fachliteratur überschritten wird, ist es ratsam, alle weiteren Anschaffungen ins neue Jahr zu verschieben

Kindergeld sichern
Studenten dürfen maximal 7.680 Euro im Jahr verdienen, um das Kindergeld ihrer Eltern zu retten. Ist die Grenze bereits überschritten, bleibt bis zum Jahresende nur noch eine Chance: Geld ausgeben. Denn wie ein Arbeitnehmer dürfen auch Studenten Werbungskosten von ihren Einnahmen abziehen, entweder pauschal 920 Euro oder die tatsächlich angefallenen Kosten. Absetzbar sind etwa Fachbücher, Computer, Drucker und andere Arbeitsmittel. Neuerdings dürfen jobbende Studenten auch alle selbst gezahlten Sozialabgaben für Kranken-, Pflege-, Arbeitslosen- und Rentenversicherung von ihren Einkünften abziehen

Minijobber müssen bei Sonderzahlungen wie Weihnachtsgeld aufpassen: Sie können die Verdienstgrenze von 400 Euro pro Monat schnell sprengen. In diesem Fall würden für den Minijob nachträglich Steuern und Sozialabgaben fällig. Daher empfiehlt es sich, aufs Weihnachtsgeld zu verzichten und sich stattdessen vom Chef abgabenfreie Extras wie einen Kindergartenzuschuss oder pauschal versteuerte Fahrkostenzuschüsse spendieren zu lassen.
Dieser Artikel ist erschienen am 15.12.2005