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Geld ist nicht alles

Von Christoph Lixenfeld
Flexible Nebenleistungen spielen bei der Talentsuche eine immer wichtigere Rolle. Auf diese Weise können sich Unternehmen gegenüber der Konkurrenz hervorheben. Doch die meisten Firmen schweigen über ihre Goodies.
?Viele Mitarbeiter sagen mittlerweile ganz offen: Sie wollen zwar Karriere machen, aber Familie und Kinder sind für sie ebenso wichtig?, beobachtet Wolfgang Euchner, Leiter der Zentralstelle Beschäftigungsbedingungen bei Robert Bosch. Um Karriere und Familie unter einen Hut zu bekommen, braucht es vor allem flexible Arbeitszeitmodelle oder die Möglichkeit, einen Teil seines Jobs von Zuhause aus zu erledigen. Solche und andere flexiblen Nebenleistungen werden heute in Bewerbungsgesprächen zunehmend eingefordert, berichtet Personalmanagerin Gabriele Buchs, die bei der Deutschen Bank für Nebenleistungen verantwortlich ist.Den persönlichen Wünschen talentierter Mitarbeiter individuell zu entsprechen ? damit tun sich gerade deutsche Unternehmen aber noch schwer. Das ist das Ergebnis einer Studie von Rauser Towers Perrin. Sie liegt dem Handelsblatt exklusiv vor. Die Unternehmensberatung stellte 92 Firmen aus dem deutschsprachigen Raum zahlreiche Fragen über die Bedeutung von Zusatzleistungen für die Personalpolitik. Und über die Bedeutung, die diese so genannten Flexible Benefits in Zukunft haben werden. Zu den abgefragten flexiblen Nebenleistungen können die betriebliche Altersversorgung oder Hinterbliebenenrente ebenso gehören wie ein Firmenwagen oder der Sonderurlaub.

Die besten Jobs von allen

?Ein einheitliches Konzept, das alle Leistungen integriert erfasst, existiert in den Unternehmen allerdings selten?, berichtet Jürgen Helfen, Vorstand bei Rauser Towers Perrin. ?Außerdem gibt es fast nirgendwo die Möglichkeit, sich ein Paket von Nebenleistungen individuell zusammenzustellen.? Dabei sollen solche ?Goodies? den Unternehmen eigentlich dazu dienen, sich bei der Personalsuche vom Wettbewerb abzuheben. Doch das kann nur gelingen, wenn es sich um maßgeschneiderte Pakete handelt und nicht um Dinge, die jeder andere Arbeitgeber auch zu bieten hat.Doch wer für sich das Beste an Nebenleistungen zusammenstellen möchte, muss das Angebot erst einmal genau kennen. Und das ist nicht so leicht. Paradox, aber die meisten Unternehmen bieten zwar solche Benefits an, behalten diese Tatsache aber gerne für sich: Nur jedes fünfte befragte Unternehmen kommuniziert den Mitarbeitern gegenüber gezielt und aktiv seine Leistungen. Das könnte auch ein Grund dafür sein, dass die Personalabteilungen selber die Effizienz ihrer Maßnahmen eher als mittelmäßig einschätzen. Obwohl sie davon überzeugt sind, dass ihre Bedeutung für die Personalgewinnung in Zukunft wachsen wird.
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Ziel von flexiblen Nebenleistungen ist in fast allen Fällen, gute Leute anzulocken und an sich zu binden ? und natürlich das eigene Unternehmen generell als attraktiven Arbeitgeber zu positionieren. ?Das Motto sollte deshalb natürlich lauten: Tue Gutes und rede darüber?, betont Studienautor Helfen.Lesen Sie weiter auf Seite 2: In den Genuss von Wohltaten kommt oft nur ein Teil der Mitarbeiter.In den Genuss von Wohltaten kommt allerdings oft nur ein Teil der Mitarbeiter: 53 Prozent der durch Rauser Towers Perrin befragten Unternehmen gaben an, dass bei ihnen die Extras ausschließlich Führungskräften vorbehalten sind.Doch es gibt prominente Gegenbeispiele. ?Fast alle unsere Leistungen stehen sämtlichen Mitarbeitern zur Verfügung?, unterstreicht Personalmanager Euchner von Bosch. Der Automobilzulieferer bietet neben einer betrieblichen Altersversorgung zum Beispiel die Möglichkeit einer flexiblen Kinderbetreuung, in dem das Unternehmen gezielt mit entsprechenden Einrichtungen am Standort kooperiert.Beliebt ist vor allem auch die so genannte alternierende Telearbeit, die es Angestellten ermöglicht, einen Teil ihres Jobs vom heimischen Schreibtisch aus zu erledigen. Jungen Familien soll es mit Hilfe solcher Modelle gelingen, Familienplanung und Beruf besser miteinander zu vereinbaren. Bei den Arbeitszeiten ist bei Bosch nach eigenen Angaben fast jedes Modell möglich. Lösungen werden individuell nach den jeweiligen Bedürfnissen ausgearbeitet. Und diese Flexibilität scheint sich auszuzahlen: Bei einer Umfrage unter Nachwuchsingenieuren landete Bosch gerade in der Beliebtheitsskala deutscher Unternehmen auf dem fünften Rang.
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Gerade weiblichen Mitarbeitern bessere und passgenauere Chancen zu eröffnen, darum bemühen sich auch andere Unternehmen. ?Uns ist es natürlich wichtig, dass talentierte junge Frauen nach der Elternzeit zu uns zurückkommen?, betont auch Gabriele Buchs von der Deutschen Bank.Wer gutes Personal halten und motivieren will, muss seine ?Goodies? vor allem kommunizieren, Mitarbeiter nach ihren Wünschen fragen und maßgeschneiderte Lösungen entwickeln. Doch das gelingt bisher selten. ?Statt sich darüber zu verständigen, was beiden Seiten wirklich nützt, diskutiert man hier zu Lande gerne fünf Monate lang über die Möglichkeiten der Dienstwagenrichtlinie?, kritisiert Vergütungsexperte Helfen.
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Dieser Artikel ist erschienen am 24.08.2006