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"Geld ist da"

Rentenspezialist Thomas Dommermuth über eine wenig bekannte Geldquelle für die Altersvorsorge.
Viele jammern, dass sie kein Geld für zusätzliche Altersvorsorge übrig haben. Ihr Institut hat ausgerechnet, dass das nicht stimmt. Wie kommen Sie darauf?
Thomas Dommermuth: Durch das Alterseinkünftegesetz erhalten alle Steuerzahler eine Stück für Stück wachsende Entlastung, die sie für ihre Altersvorsorge verwenden können

Wo kommt diese Entlastung her?
Seit 2005 lassen sich die Beiträge für gesetzliche Rente und berufsständische Versorgungswerke stärker absetzen als früher. Man spart also automatisch Steuern und hat somit mehr im Portemonnaie - ganz ohne eigenes Zutun, allein durch die Steueränderung.

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Und wie groß ist der Effekt?
Momentan zugegebenermaßen noch nicht sehr groß: bei einem Bruttogehalt von 30.000 Euro rund sechs Euro pro Monat. Aber der Vorteil wächst jetzt Jahr für Jahr. In zehn Jahren werden es bei 30.0000 Euro brutto schon 60 Euro pro Monat sein, in 20 Jahren weit über 100 Euro. Wir haben ausgerechnet, dass im Schnitt der nächsten 25 Jahre die Entlastung bei 60 Euro pro Monat liegen wird. Zu drei Prozent wieder angelegt, werden das über 25.000 Euro

Profitieren alle Steuerzahler davon?
Ja, die Freiberufler sogar noch deutlich stärker als die Arbeitnehmer, weil sie in der Regel sehr hohe Beiträge in ihre Versorgungswerke zahlen. Die lassen sich jetzt besser absetzen. Freiberufler können sich so über 500 bis 600 Euro Entlastung pro Monat freuen

Und was jeder Einzelne mit diesem Geld macht, ist erst mal egal?
Natürlich können Sie das Geld auch gleich wieder auf den Kopf hauen, aber das wäre ja schön blöd, wenn man schon mal was geschenkt kriegt. Ich würde es in eine private Altersvorsorge wie einen Aktienfonds, in eine betriebliche Altersvorsorge oder ein Riester-Produkt stecken. Bei den beiden Letztgenannten profitieren Sie sogar noch von weiteren staatlichen Förderungen, so dass das Geschenk noch größer wird

Da gibt es doch sicher einen Haken?
Der Haken ist, dass die gesetzliche Rente und die staatlich geförderten Produkte im Alter zu versteuern sind. Aber bei der Masse der Bevölkerung wird sich das nicht so tragisch auswirken. Schlechter erwischen es viele Selbstständige und Freiberufler, die im Alter hohe Steuersätze haben. Die sollten ihre erwähnte Steuerersparnis unbedingt in die private Altersvorsorge stecken. Der heutige Vorteil übersteigt den späteren Nachteil deutlich

Die Politik lobt sich doch sonst so gern über den grünen Klee. Warum haben die meisten Bürger diese Steuerentlastung noch gar nicht wahrgenommen?
Das liegt sicher daran, dass sie momentan noch nicht sehr groß ist. Sechs Euro mehr in der Tasche kriegt keiner mit. Und um die künftigen 60 Euro schon mal vorzufinanzieren - was durchaus sinnvoll wäre -, müsste man derzeit noch ein bisschen auf Konsum verzichten. Mittlerweile traut sich aber keiner mehr, das auszusprechen. Dabei war diese unqualifizierte Kritik am Steinbrück-Vorschlag ausgemachter Blödsinn.

Die Fragen stellte Ulrike Heitze

Dr. Thomas Dommermuth ist Gründer und Gesellschafter des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung und Professor an der FH Amberg-Weiden.
Dieser Artikel ist erschienen am 27.11.2006