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Gekommen, um zu schwitzen

Von Markus Pfeil
An die Geräusche der Presslufthammer hat sich Steffen Schubert gewöhnt. An Hitze und Luftfeuchtigkeit auch. Schubert mag Dubai. Er mag seinen Job. Schubert ist Vorstandschef der neuen internationalen Börse, die heute im Wüstenemirat den Handel aufnimmt. In nur 18 Monaten hat Dubai die DIFX aus dem Wüstenboden gestampft. Sie ist Teil des Dubai International Financial Center (DIFC), das auf Geheiß des Kronprinzen Scheich Mohammed Bin Rashid Al gebaut wurde.
HB DUBAI. Dubai International Financial Exchange oder DIFX, ein Börsenplatz ? der in den hochglänzenden Werbebroschüren vollmundig als neue Leitbörse neben Tokio, Frankfurt oder New York gepriesen wird.In nur 18 Monaten hat Dubai die DIFX aus dem Wüstenboden gestampft. Sie ist Teil des Dubai International Financial Center (DIFC), das auf Geheiß des Kronprinzen Scheich Mohammed Bin Rashid Al Maktoum für fünf Milliarden Dollar gebaut und schon bald den größten Parkplatz der Welt haben wird. 60 000 Menschen sollen hier einmal arbeiten.

Die besten Jobs von allen

Fertig ist der neue Finanzplatz noch lange nicht. Ein riesiges Bauloch gähnt hinter dem ?Gate?, dem Hauptgebäude, einer Art Triumphbogen, den sich die Scheichs im Pariser Stadtteil La Defense abgeschaut haben. In der Glasfassade des Börsengebäudes fehlen ein paar Scheiben, im Handelsraum funktioniert zwar das elektronische Handelssystem ? vorzeigbar ist das Herz der neuen Börse aber nicht. Und Steffen Schubert hat noch kein Büro.Besucher empfängt er deshalb im Büro des Kronprinzen. Hier im 14. Stock hat sich seine Hoheit einen repräsentativen Raum im japanischen Stil herrichten lassen, schließlich ist er der Oberaufseher im neuen Finanzzentrum. Gearbeitet hat hier noch niemand.Auch wenn Schubert und sein Team gerade erst aus den Baucontainern umgezogen sind, der Börsenchef ist begeistert von der Unkompliziertheit und Entscheidungsfreudigkeit, die Scheich Mo ? so nennen hier alle ihren Kronprinzen ? seit Jahren vorlebt. Scheich und Schubert wollen, dass aus der DIFX die internationalste Börse der Welt wird. In Sachen Personal ist der Anspruch zumindest erfüllt: 60 Mitarbeiter aus 21 Nationen arbeiten hier.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Schubert soll Kunden lockenSchuberts Aufgabe ist es, Kunden aus der Türkei, aus Indien, Ägypten oder Südafrika für Börsengänge oder Anleiheemissionen in die Freihandelszone am Golf zu locken. 200 Emittenten will Schubert aus dieser Region gewinnen. Mit 20 bis 25 Börsengängen rechne er bis Ende kommenden Jahres. Den ersten will er Journalisten und Banken heute präsentieren: den der libanesischen Firma Inspector. Mehr als 700 Millionen Dollar will die Telefongesellschaft an der Börse einsammeln. Außerdem will Schubert die ersten strukturieren Produkte an der Börse einführen. Mehr darf er noch nicht sagen.Die Details verkündet er heute auf einer Pressekonferenz, zu der er gemeinsam mit den Banken der ersten Stunde geladen hat. Neben der Credit Suisse haben die Deutsche Bank, die Citigroup, HSBC und die UBS eine Lizenz für die DIFX erworben. Fünf bis zehn Marktteilnehmer sollen in diesem Jahr noch dazukommen, im kommenden Jahr rechnet Schubert mit 30 Banken. ?Die Lizenz kostet nur ein paar tausend Dollar, und die Gewinne sind innerhalb der Freihandelszone 50 Jahre steuerfrei?, sagt er, als seien dass Argumente genug.?Schubert ist ein netter Kerl?, meint Uwe Zimmer, Vermögensverwalter und Chef der Deutsch-Arabischen Gesellschaft. Schubert wisse, wovon er rede. Er protze nicht wie die Sprache in den Prospekten, wenn er über seinen Arbeitgeber rede. Er spricht realistischer über seinen Job, über die Chancen der DIFX, die er als ?Lebensaufgabe? bezeichnet. So etwas komme nicht wieder. ?Wir bauen hier alles auf. Nicht nur das Börsengebäude, auch die technische Plattform, das Aufsichtssystem und die Abwicklung. Es ist die Re-Definition des Nichts.?Lesen Sie weiter auf Seite 3: Schubert ist ein höflicher MenschSteffen Schubert ist ein höflicher Mensch. Sein grau melierter Vollbart verdeckt fast sein rundliches Gesicht. Mit seinem Kurzhaarschnitt und den Knopfaugen wirkt er sehr gemütlich. Es macht keinen Unterschied, ob er mit seinem Chef, seinem Chauffeur oder der Empfangsdame redet, er ist freundlich, vergisst weder bitte noch danke zu sagen, jeden grüßt er mit einem Lächeln, und er schüttelt viele Hände. Weil Schubert ein netter Mensch ist, wirkt er in diesen Tagen wie ein getriebener. Er spricht ein wenig schneller als sonst. Er sagt dann Sätze wie ?Im Gegensatz zur Konkurrenz in den Nachbarländern oder im eigenen Land überzeugt die DIFX mit internationalen Standards und sorgt so mittelfristig für einen transparenteren und liquideren Handel?. DIFX muss funktionieren, sie ist sein Baby.Seit drei Jahren lebt er in Dubai. Als der Stadtstaat ihm den Job anbot, zögerte er keine Sekunde. Und sie wissen in Dubai, was sie an ihm haben. ?Wir haben kein Problem, den Job an einen Ausländer zu vergeben?, sagt Omar bin Suleiman, Chef der DIFC und Schuberts direkter Vorgesetzter.Nach seinem BWL-Studium in Frankfurt lernte Schubert sein Handwerk in München, war dort Ende der 90er Chef der Münchener Börse. Aufbauarbeit hat er an der Easdaq geleistet, dem europäischen Pendant zum Neuen Markt. Bis die Easdaq von der US-Börse Nasdaq übernommen wurde, leitete Schubert die Geschäfte als CEO.?Von da hat es mich in das Büro des Kronprinzen verschlagen?, freut er sich. Er schaut aus dem Fenster, von hier oben kann er die Baucontainer noch sehen, in denen er fast zwei Jahre campiert hat ? ?wenigstens waren sie klimatisiert?. Die Hitze sei seine größte Herausforderung gewesen. Bevor er nach Dubai kam, habe er in einem Hochglanzmagazin gelesen, dass er bereit sein solle zu schwitzen. Heute spielt er gelegentlich Golf. Bei 48 Grad im Schatten.Lesen Sie weiter auf Seite 4: Vita von Steffen SchubertVita von Steffen Schubert1958 wird er in Heilbronn geboren. Er studiert Betriebswirtschaftslehre an der Universität Frankfurt. Danach arbeitet er als Manager bei Bridge Information Systems in den USA.1998 wird er Chef der Bayerischen Börse in München.1999 wird er abgeworben, um die Wachstumsbörse Easdaq aufzubauen. Anschließend baut er unter anderem das Beratungsunternehmen Bourse Consult mit auf.2003 beginnt er, nach Auslandsaufenthalten, in Dubai als Chef der neuen internationalen Börse DIFX.
Dieser Artikel ist erschienen am 26.09.2005