Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Geknutscht wird auch

Einmal im Jahr stehen auf dem Campus der Universität St. Gallen 20-jährige BWLer mit Top-Managern und Staatsmännern am Biertisch zusammen. Anlass der Begegnung ist das ISC-Symposium, das seit 1968 von der studentischen Initiative ?International Students Committee"(ISC) veranstaltet wird.
Einmal im Jahr stehen auf dem Campus der Universität St. Gallen 20-jährige BWLer mit Top-Managern und Staatsmännern am Biertisch zusammen. Anlass der Begegnung ist das ISC-Symposium, das seit 1968 von der studentischen Initiative ?International Students Committee"(ISC) veranstaltet wird.

Mit dabei war im letzten Jahr Melanie Weiland, Studentin an der Cologne Business School. ?Das war das Tollste, was ich jemals erlebt habe", schwärmt die 26-jährige Kölnerin. ?Da war die ganze Welt auf einen Punkt konzentriert."

Die besten Jobs von allen


Das alljährliche ISC-Symposium ist schon seit einigen Jahren nicht mehr nur für St. Galler Studenten reserviert. Das Eintrittsticket für die drei Tage mit den Mächtigen dieser Welt ist ein weltweit ausgeschriebener Aufsatzwettbewerb, der unter anderen vom Handelsblatt unterstützt wird. 250 ?Sieger"bekommen das Flugticket in die Schweiz.

?Ich habe eine Gänsehaut nach der anderen gekriegt", berichtet Weiland, der ein Aufsatz über ?Die wachsende Macht der Dummheit im Bereich der Medien"die ISC-Teilnahme verschaffte. Aber das Tolle am ISC ist nicht allein der Promi-Faktor. Das Tolle ist die Erfahrung, dass man ähnlich tickt wie andere High Potentials, die wissen, dass sie die Welt von morgen mitgestalten werden: ?Wir haben darüber diskutiert, die Welt zu retten. Wir wollen etwas bewegen."

?Die Studenten aus aller Welt sind das Herz des ISC-Symposiums", sagt Gilbert J.B. Probst, Management-Professor an der Universität Genf und eine der tragenden Säulen der Veranstaltung. Hier begegnen sich West- und Osteuropa, Amerika und Asien. Der internationale Austausch bleibt nicht immer intellektuell. ?Der Flirtfaktor war schon extrem", verrät Melanie Weiland, die ihren Studienaufenthalt in Madrid mit Modeln finanzierte und ihren Lebenslauf genauso selbstverständlich auf den Tisch legt wie ihre Set card. ?Geknutscht wird auch."

Umso ?brutaler ist die Ernüchterung"danach. Denn nach der ?globalen Erfahrung"in der St. Galler Nussschale werden die deutschen Mitmenschen auf einmal fremd. ?Faule Säcke", nennt sie Weiland und ärgert sich darüber, ?wie wenig deutsche Studenten aus ihrem kleinen Loch herauskommen."

Das trifft für die umtriebige Wirtschaftsstudentin jedenfalls nicht zu. Zielstrebig, wie sie auch andere Dinge im Leben anpackt und es so zum gut bezahlten Location Scout der Kölner TV-Industrie gebracht hat, hat sie auch auf ihre zweite ISC-Teilnahme hingearbeitet. Und ist wieder eingeladen worden - zum 32. ISC-Symposium ?Pushing Limits - Questioning Goals", das vom 23. bis 25. Mai stattfindet.

Gesiegt hat Weiland mit ihrer These ?Ich möchte glücklich sein mit mir selber"nicht. Aber für aufregende Begegnungen haben die studentischen ISC-Organisatoren in jedem Fall gesorgt. Mit den Bossen von Accenture, Agfa-Gevaert, Swiss Re, Pearson, Henkel oder EADS, mit NATO-Generalsekretär Lord Robertson oder UN-Flüchtlingskommissar Ruud Lubbers, mit dem US-amerikanischen MIR-Kosmonauten Jerry M. Linenger, dem Bürgermeister von Shanghai oder dem mazedonischen Präsidenten Boris Trajkovski und den handverlesenen Gleichgesinnten aus aller Welt.

Christoph Mohr

Weitere Informationen finden Sie im Internet unter:
www.isc-symposium.org
Dieser Artikel ist erschienen am 23.05.2002