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"Gehen Sie nach Asien!"

Klaus Zumwinkel, dem Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Post AG, hat die Business School mehr gebracht als die Promotion. karriere hat ihn zu seinen Eindrücken befragt.

Sie haben 1971 einen Master an der Wharton School in Pennsylvania gemacht. Damals war dieser Abschluss in Deutschland kaum bekannt. Was hat Sie angetrieben?

Ich hatte in Münster und München Betriebswirtschaft studiert und war noch nie wirklich aus Deutschland raus gewesen. Ich kam aus einem Elternhaus, in dem immer nur eines gezählt hatte: arbeiten, arbeiten, arbeiten. Ich wollte ganz einfach raus in die große Welt

Welche Erfahrungen haben Sie besonders geprägt?

Die besten Jobs von allen


Mit Fallstudien zu arbeiten, hat mir sehr gefallen. Das war eine zupackende, wirklich im Geschäftsleben stehende Herangehensweise, die es an deutschen BWL-Fakultäten damals noch gar nicht gab. Was für mich rückblickend als wirklich wesentlich erscheint, ist Internationalität erfahren und gelebt zu haben. Respekt vor anderen Kulturen bekommen Sie nur, wenn Sie die Menschen kennen lernen. Und eine US-Business-School war schon damals sehr international, mit Studenten aus aller Welt. Daraus sind auch Freundschaften geworden, die bis heute halten.

Nach Ihrem Master in Philadelphia haben Sie noch in Münster promoviert. Warum?

Das frage ich mich heute auch! Es war damals halt so üblich, wenn man in der deutschen Wirtschaft Karriere machen wollte.

Man hört, dass Deutsche Post World Net, seitdem Sie dort an der Spitze sind, enger mit Wharton zusammenarbeitet?

Wir sind ein Unternehmen, das sehr international geworden ist und das auch international sehr stark gewachsen ist. Wir haben uns von der Wharton School ein Programm für unsere Topmanager weltweit maßschneidern lassen. Mittlerweile gibt es sogar Wharton-Fallstudien zu unserem Unternehmen

Geht die Verbundenheit auch so weit, dass ein Wharton-Absolvent bei Ihnen größere Chancen hat als andere Bewerber?

Nein, so weit geht es definitiv nicht. Was wir aber tun, ist MBA-Absolventen verstärkt eine Chance zu geben. So absolvieren jedes Jahr 50 bis 100 MBA-Studenten von verschiedenen Schulen ihre Praktika bei uns - etwa in der Logistik oder im Business Development. Die schauen wir uns auch genauer an. Und manchen machen wir dann auch ein Angebot.

Also raten Sie zu einem MBA?

Ich persönlich schätze ein Profil, das einem großen "T" gleicht: als stabiler Pfeiler eine gründliche Ausbildung, erfolgreich abgeschlossen, auf die man oben noch etwas Breiteres auflegt. Das kann ein MBA sein.

Keine Promotion?

Nein, sicherlich keine Promotion! Wenn ich heute einem Studenten etwas raten sollte, dann würde ich sagen: Gehen Sie nach Asien, wenn sich irgendeine Gelegenheit bietet! Auch da gibt es mittlerweile gute Business Schools.

Die Fragen stellte Christoph Mohr
Dieser Artikel ist erschienen am 29.03.2007