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Gehaltserhöhung mit Trick 17

Thomas Hammer
Mitarbeiter, die auf einen Teil ihres Gehalts verzichten, haben unter dem Strich mehr Geld zur Verfügung ? wenn ihr Arbeitgeber dafür Beiträge in eine Kapitalversicherung einzahlt.
Mitarbeiter, die auf einen Teil ihres Gehalts verzichten, haben unter dem Strich mehr Geld zur Verfügung ? wenn ihr Arbeitgeber dafür Beiträge in eine Kapitalversicherung einzahlt

Schon lange vor der überfälligen Rentenreform war klar, dass auf Dauer die gesetzliche Rente nicht ausreichen würde, um den gewohnten Lebensstandard zu halten. Deshalb fördert der Fiskus heute schon die private Altersvorsorge. Besonders attraktiv ist für Arbeitnehmer die so genannte Direktversicherung, bei der Teile des Gehalts nicht ausgezahlt werden, sondern direkt in eine Kapitallebens- oder Rentenversicherung fließen.

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Die Vorzüge dieses Modells: Nicht nur Anteile des Bruttoeinkommens, sondern auch die normalerweise darauf fälligen Steuern und Sozialversicherungsabgaben werden teilweise in renditebringende Sparraten umgewandelt. Direktversicherungen sind besonders dann eine Überlegung wert, wenn es darum geht, möglichst viel aus Gehaltserhöhungen herauszuschlagen.

Wie wenig von einer regulären Zulage unter dem Strich bleibt, zeigt eine simple Rechnung: Jeweils rund 20 Prozent gehen auf Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite für .die Beiträge in die Kranken-, Renten- und Arbeitslosenversicherungen ab, sofern der Angestellte mit seinem Gehalt unterhalb der Beitragsbemessungsgrenze für die Sozialversicherung von 6.450 Mark (in Ostdeutschland 5.325 Mark) bleibt. Kommt dazu noch die Einkommensteuer von beispielsweise 30 Prozent, kostet ein monatliches Gehaltsplus von 250 Mark den Arbeitgeber 300 Mark und bringt dem Arbeitnehmer netto lediglich 125 Mark ein.

Wer deshalb nicht den größten Teil seiner Gehaltserhöhung dem Fiskus und den Sozialkassen in den Rachen werfen will und einen Teil seines Einkommens langfristig anlegen kann, sollte die Umwandlung eines Verdienstanteils in eine kapitalbildende Lebens- oder Rentenversicherung in Erwägung ziehen ? vorausgesetzt, er braucht das Gehaltsplus nicht für den täglichen Lebensunterhalt.

Pauschalsteuer spart Geld
Bis zu 3.408 Mark pro Jahr kann ein Angestellter als Direktversicherung anlegen. Dazu müssen Chef und Angestellter eine entsprechende vertragliche Vereinbarung treffen, in der sich der Arbeitnehmer zum Verzicht auf einen Gehaltsanteil und der Arbeitgeber zur Einzahlung des Betrags in eine Kapitalversicherung bereit erklärt. Den Vertrag mit der Versicherung schließt der Arbeitgeber ab, Versicherungsnehmer und Bezugsberechtigter ist hingegen der Arbeitnehmer.

Anstatt mit dem individuellen Lohnsteuersatz muss bei der Gehaltsumwandlung nur mit einer Pauschalsteuer von 20 Prozent plus Solidaritätszuschlag und anteiliger Kirchensteuer kalkuliert werden. Der Clou: Für die Direktversicherungsbeiträge ist dann keine Sozialversicherung fällig, wenn sie aus Sonderzahlungen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld stammen.

Daher sollte man es bei der Gehaltsumwandlung so deichseln, dass diese sich nur auf solche Gehaltsanteile bezieht. Beispiel: Statt einer Gehaltsumwandlung von 275 Mark pro Monat vereinbaren beide Parteien lieber, dass vom Urlaubs- und Weihnachtsgeld jeweils 1.650 Mark in eine steuer- und abgabenbegünstigte Kapitalversicherung fließen.

Damit die Versicherungsrendite steuerfrei bleibt, müssen die auch bei der Normalanlage üblichen Bedingungen eingehalten werden: Der Versicherungsvertrag muss mindestens zwölf Jahre laufen, und über wenigstens fünf Jahre hinweg müssen Beiträge eingezahlt werden. Eine weitere Voraussetzung ist, dass die Versicherung zwischen dem 60. und 65. Lebensjahr zur Auszahlung kommt.

Zulässig sind Kapitallebens- und Privatrentenversicherungen inklusive fondsgebundener Versicherungen. Nicht möglich sind
reine Risikolebensversicherungen oder Altersvorsorge-Sondervermögen-Fonds (AS-Fonds). Bereits bestehende private Verträge können in Direktversicherungen umgewandelt werden.

Reine Verhandlungssache
Ob die 20-prozentige Pauschalsteuer vom Arbeitnehmer oder vom Arbeitgeber übernommen wird, kann im Prinzip frei vereinbart werden. Natürlich wird der Arbeitgeber versuchen, die Steuerlast auf den Angestellten abzuwälzen ? aber mit etwas Verhandlungsgeschick lässt sich mancher Chef dazu bringen, die Steuer aus der Unternehmenskasse zu bezahlen.

Zugkräftiges Argument für Arbeitnehmer: Durch die Gehaltsumwandlung spart der Arbeitgeber Sozialabgaben ein, deren Höhe in etwa der Pauschalsteuer entspricht (siehe Beispielrechnung).

Gelingt dem Arbeitnehmer dieser Schachzug, fließt der volle Betrag ohne jegliche Abzüge in die Privatvorsorge. Das bringt gegenüber dem Sparen aus bereits versteuertem und mit Sozialabgaben belegten Gehalt ein sattes Renditeplus.

Der einzige Nachteil der Direktversicherung für den Arbeitnehmer besteht darin, dass bei längerer Krankheit das Krankengeld und beim Jobverlust das Arbeitslosengeld etwas niedriger ausfällt, weil sich die Höhe der Zahlung am ? dann geringeren ? Einkommen orientiert. Auch die gesetzliche Rente wird durch das in sozialrechtlicher Hinsicht niedrigere Gehalt geschmälert ? dieses Manko wird allerdings dank des zu erwartenden Versicherungsertrags mehr als ausgeglichen.

Jobwechsel ? kein Problem
Gegen eine mögliche Pleite des Arbeitgebers sind die Ansprüche aus der Gehaltsumwandlung wirkungsvoll geschützt. Die Erträge dürfen ausschließlich an den Arbeitnehmer ausgezahlt werden, und der Rückkaufswert der Versicherung darf vom Arbeitgeber nicht als Kreditsicherheit verpfändet werden.

Auch beim Jobwechsel gehen die Vorzüge der Direktversicherung nicht verloren: Der Vertrag kann entweder vom neuen Arbeitgeber oder mit Beiträgen aus eigener Tasche weitergeführt werden.

Dieser Artikel ist erschienen am 20.03.2001