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Gehälter: So viel Prozent sind drin

Ulrike Heitze
Für die breite Masse werden auch im kommenden Jahr nur bescheidene Gehaltserhöhungen drin sein. Wer aber die aktuellen Trends in der Vergütungspolitik der Unternehmen für sich nutzt, wird 2004 mehr als üblich herausholen können. Inklusive: Frische Gehälterzahlen für Absolventen und Führungskräfte.
Same procedure as last year - so lassen sich die Ausblicke der führenden Vergütungsberatungen für die Gehaltsrunde 2004 zusammenfassen. Gehaltserhöhungen ja, aber große Sprünge, deutlich über dem Inflationsausgleich, sind für die meisten Beschäftigten nicht zu erwarten. Doch es zeichnen sich Entwicklungen ab, die Chancen auf eine erfolgreiche Gehaltsverhandlung eröffnen - mit einem Ergebnis oberhalb des Durchschnitts

Den planen die Unternehmen bei 2,5 bis drei Prozent Plus ein, sowohl für Führungskräfte als auch für den großen Rest der Mitarbeiter, stellt Birgit Horak, Mitglied der Geschäftsleitung der Personalberatung Klaus Lurse, fest. "Die früher sehr deutliche Schere zwischen den Budgets schließt sich langsam. Im oberen Bereich hat es bereits spürbare Abstriche beim Zuwachs gegeben." So wird sich auch die Gehaltsentwicklung für leitende Angestellte im kommenden Jahr grundsätzlich an den Tariferhöhungen für die Belegschaft orientieren.

Die besten Jobs von allen


Branche entscheidet

Nach wie vor sehr zurückhaltend sehen die Experten die Gehaltsentwicklung in IT-Unternehmen. So meldet der Verband der Ingenieure für Kommunikation, Ifkom, in seiner aktuellen Gehaltsstudie für die Telekommunikationsbranche erstmals ein durchschnittliches Nullwachstum in Sachen Einkommen. Damit rangiert die Branche mittlerweile im unteren Drittel beim Gehaltsvergleich zwischen den Branchen - im Vorjahr war es noch gutes Mittelfeld.

Im oberen Drittel finden sich nach wie vor die Pharma- und Chemiebranche - mit guten Aussichten auch für das kommende Jahr - ebenso die Banken, die allerdings Nullrunden auf hohem Gehaltsniveau erwarten lassen.

Der Deutsche Multimedia-Verband bilanziert in seiner jüngsten Gehaltsuntersuchung, dass es in der Branche zwar im Durchschnitt keine Gehaltserhöhungen gegeben hat, en detail betrachtet aber ein Drittel aller berufserfahrenen Mitarbeiter leichte Zuwächse verbuchen konnten; die Gehälter für Berufseinsteiger sind um durchschnittlich sechs Prozent gesunken.

Dabei sein, wenn's aufwärts geht

Ein Grund für die vorsichtigen Planungen der Personalabteilungen: Das Gehaltsbudget ist erfahrungsgemäß das letzte reagierende Glied in einem Aufschwung. "Auch wenn die Konjunktur im nächsten Jahr anziehen sollte, so werden frühestens 2005 die Gehälter folgen", prognostiziert Christian Näser, Partner bei der Vergütungsberatung Kienbaum.

Philip Bierbach, Geschäftsführer der Hamburger Vergütungsberatung Personalmarkt, ergänzt: "Erst wenn sich wieder eine leichte Knappheit auf dem Arbeitsmarkt andeutet, werden die Begehrlichkeiten der Belegschaft wieder lauter. Die Einstiegsgehälter werden dann am schnellsten anziehen, weil dort ja ganz automatisch die Gehaltsfrage diskutiert werden muss.

Bis Gehaltserhöhungen auf breiter Front wieder ein Thema sind, empfehlen die Personalberater, den anhaltenden Trend zu variabler Vergütung aktiv zu nutzen. So lässt sich zurzeit am ehesten an der Gehaltsschraube drehen. "Falls das Unternehmen im nächsten Jahr dicke Gewinne macht, kann es einen Bonus zahlen. Wenn nicht, dann eben nicht," erklärt Philip Bierbach. "Für solche flexiblen Vereinbarungen hat ein Chef zurzeit eher offene Ohren als für eine Forderung nach mehr Festgehalt."

Schlimmstenfalls geht man trotz persönlicher Bestleistung ohne Prämie nach Hause. Variable Vergütung birgt immer dieses Risiko. Aber die Zeiten hoher Grundgehälter sind ohnehin vorbei. Und dass es nennenswerte Gehaltserhöhungen nur noch für so genannte Leistungsträger gibt, ist eine Entwicklung, die sich schon seit einiger Zeit etabliert und nicht umkehren wird.

Spielraum für Talente

Erfreulicherweise erkennen aber immer mehr Unternehmen, dass sie ihre besten Leute bei der Stange halten müssen. Waren sie bis dato noch damit beschäftigt, die letzte Kündigungswelle über die Bühne zu bringen, optimieren sie jetzt ihre Leistungspalette und schnüren für die verbliebene Belegschaft neue Anreizpakete. Dabei stehen nicht so sehr hohe Gehaltssprünge im Vordergrund, sondern Weiterbildung, berufliche Perspektiven und betriebliche Altersvorsorge. "Bei der Firmenwagenvergabe zeichnet sich ab, dass Unternehmen in Zukunft vermehrt Kraftfahrzeugzulagen anstelle von Dienstwagen gewähren", stellt Thierry Hamon, Deutschland-Chef der Unternehmensberatung Watson Wyatt, fest

"Für die breite Masse werden Gehaltserhöhungen zwar nach wie vor nur unter Kostengesichtspunkten diskutiert, aber für wertvolle Talente räumt man sich Spielräume ein. Nach dem Motto: Cut your cost, but not your future", fasst Martin Emmerich, Manager bei der Unternehmensberatung Towers Perrin, die Entwicklung zusammen. "Unternehmen stehen zwar nach wie vor auf der Bremse, aber sind durchaus kreativ bei Lösungen für ihre High Potentials." So bieten laut einer Towers-Perrin-Umfrage zum Beispiel die Hälfte aller großen Unternehmen ihren Leistungsbringern bezahlte Sabbaticals an - mit bis zu einem Viertel des Gehalts - wenn sie sie für Weiterbildung nutzen.

Zukunftsfähigkeit beweisen

Das Erfolgsrezept wird also sein, sich als Zukunftsträger für das Unternehmen zu profilieren. Guido Sauerborn, Vergütungsexperte bei der Personalberatung Hewitt, rät zur nüchternen Bestandsaufnahme: "Sie müssen sich fragen, was spielt meine Funktion für eine Rolle im Unternehmen. Ist der Bereich so relevant, dass meine Leistung überhaupt wertgeschätzt und wahrgenommen wird?" Notfalls muss man Konsequenzen ziehen und die Position wechseln oder am eigenen Image feilen

Towers-Perrin-Berater Martin Emmerich mahnt, sich nicht zu stark von den derzeit schlechten Rahmenbedingungen leiten zu lassen, sondern für sich zu prüfen, welche Anforderungen in Zukunft wichtig sind und sich dementsprechend zielgerichtet zu qualifizieren. Beispiel Energiebranche: "In der aktuellen Phase der Marktderegulierung wird Kundenorientierung immer wichtiger. Mitarbeiter, die in diesem Bereich Stärken haben, sind für die anstehenden Aufgaben bestens gerüstet." Bei den Banken wiederum rücke in der Konsolidierungsphase des Marktes das Leadership-Potenzial in den Vordergrund. Die Führungskräfte von morgen werden gezielt identifiziert und entwickelt

So müsse man sich mittlerweile immer fragen, wohin die Reise geht. Welche Eigenschaften benötigt das Unternehmen in der Zukunft? Was kann ich tun, um sie zu erlangen? Und was bietet das Unternehmen als Hilfestellung und Gegenleistung?

Dazu zählen in Zukunft weniger groß angelegte Gehaltserhöhungen, sondern individuelle Vergütungspakete mit einer großen Portion Weiterbildung und Karriereförderung von Seiten der Unternehmen.

So viel verdienen Führungskräfte

Position Jahresgesamtbezüge in Euro*  
  1. Ebene unter Geschäftsleitung 2. Ebene unter Geschäftsleitung
Leiter Allgemeine Verwaltung 104.000 95.000
Marketingleiter 112.000 99.000
Vertriebschef 125.000 108.000
Produktionsleiter 108.000 94.000
Personalchef 112.000 90.000
Leiter Controlling 114.000 93.000
Leiter Datenverarbeitung 109.000 91.000


* Durchschnittswerte. Berücksichtigt: Bruttomonatsgehalt und leistungsorientierte Vergütungen wie Prämien und Tantiemen
Quelle: Kienbaum, Studie: Vergütung Leitende Angestellte 2003;
Grafik: Junge Karriere

So viel Prozent sind im Topf

  Gehaltserhöhungen*  
  Realisiert in 2003 Geplant für 2004
Senior/Top-Management 3,5 % 3,2 %
Mittleres und unteres Management 3,1 % 3.0 %
Fachkräfte 2,8 % 2,9 %
Bürokräfte/Sachbearbeitung 2,8 % 2,9 %
Gewerbliche Arbeiter 2,7 % 2,9 %


*bezogen auf Jahresgesamtgehalt (variable und fixe Bestandteile), Zahlen bereinigt um Extremwerte (= einige wenige Unternehmen, die gar keine Erhöhung vorsehen)
Quelle: Hewitt Associates, Europe Salary Increase Survey 2003/2004
Grafik: Junge Karriere

Einstiegsgehälter für Absolventen


Die besten Jobs von allen

Jahresgrundgehalt in Euro durchschnittl. Minimum durchschnittl. Maximum
... mit Fachhochschulabschluss 33.852 39.187
... mit Hochschulabschluss 38.074 43.496
... mit MBA-Abschluss 40.941 48.895
... mit Doktortitel 43.683 51.089


Quelle: Watson Wyatt, Gehaltsbericht 2003;
Grafik: Junge Karriere

Jahresgesamtbezüge nach Branchen

  Mittleres Management     Unteres Management    
Branche unteres Quartil* Median* oberes Quartil* unteres Quartil* Median* oberes Quartil*
Energieversorger 92 108 152 80 94 144
Kommunale Versorger 69 76 90 50 76 82
Gaswirtschaft 115 123 150 93 111 130
Bergbau 78 102 140 71 84 126
Energie-/Umwelttechnik 95 132 167 85 95 148
Mineralölwirtschaft 116 126 151 81 100 119
Handel 76 84 106 66 92 109
Dienstleistung 65 85 100 65 86 114
IT 106 145 162 79 98 161
Telekommunikation 70 91 107 52 65 81
Stahl 75 95 107 69 81 89
Metall, Elektro 87 109 130 83 99 119
Bauwirtschaft 76 85 113 68 77 89
Nahrung, Genussmittel 81 89 91 k.A. k.A. k.A.
Holz, Papier 104 126 146 k.A. k.A. k.A.
Versicherungen 80 84 91 54 67 75
Banken 106 122 148 82 100 113
Verkehr 85 99 139 79 105 131

*Angaben in Tausend Euro, Bruttobezüge inklusive aller geldwerten Vorteile
Median = Wert, ober- und unterhalb dessen jeweils 50 Prozent der (Gehalts-)Nennungen liegen.
Unteres/oberes Quartil = Werte, unterhalb/oberhalb derer ein Viertel der (Gehalts-)Nennungen liegen
Quelle: Ifkom-Gehaltsumfrage 2003
Dieser Artikel ist erschienen am 21.11.2003