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Gegen den Strom geschwommen

Von Oliver Stock
Nach dem Kauf der Schweizer Unaxis setzt der österreichische Investor Mirko Kovats auf die Old Economy und ist nun auch auf dem Weg nach Deutschland.
HB WIEN. Andere sehen in dem freundlichen Herren aus Österreich, der sich derzeit auf Einkaufstour in der deutschsprachigen Unternehmenslandschaft befindet, einen Vertreter jener Spezies, die seit kurzem mit dem Gattungsbegriff ?Heuschrecken? belegt ist. Kovats selbst hat für solche Ausdrücke nur Spott übrig. Die SPD sei auf dem Wählermarkt damit ja wohl ?short? gegangen, stellt er belustigt fest.Wer ist dieser Mirko Kovats? Sparsam, hart, pingelig, fleißig seien Attribute, die auf ihn passen, sagt der 57-jährige Wiener selbst. ?Sehr fleißig?, fügt er hinzu, ?allerdings nicht aus Leidensdruck.?

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Das Lächeln, das dazu seine schmalen Lippen umspielt, erzählt mehr. Sein erstes Geld hat er, der in Zeitungen stets etwas hilflos als ?Industrieller? bezeichnet wird, im Geschäft mit dem Ostblock verdient. Als das nicht mehr lief, verlegte er sich auf Hotel- und Büroprojekte. Anteile an drei Diskotheken, darunter auch den Kult-Tanztempel U4 in Wien, nennt er noch immer sein eigen: ?Ich war aber vor zwölf Jahren das letzte Mal dort? ? das Image des Disko-Besitzers behagt ihm nicht.Sichtlich angenehmer ist es dem beinahe kahlköpfigen Großinvestor, mit den ganz Großen in der Zunft der so genannten Industriellen verglichen zu werden. Warren Buffet zum Beispiel. Einer, der immer gegen den Strom geschwommen ist. Kovats gefällt das: ?Ich war nie ein Anhänger der New Economy, sondern stets der True Economy?, sagt er.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Der Reiz von InsolvenzenEnde 1997 kam er auf die Spur der wahren Werte, als er beim insolventen Salzburger Maschinenbauer Emco einstieg. Danach ging es Schlag auf Schlag. Er kaufte den steirischen Motorenhersteller ATB Antriebstechnik, kurz darauf eine in Konkurs geschlitterte Babcock-Tochter. Insolvenzen reizen ihn besonders, allerdings niemals die eigene. Er verließ sich auf sein Gefühl und lehnte es ab, das vom deutschen Reifenhersteller Continental geschlossene Werk im österreichischen Traiskirchen zu übernehmen. Auch Grundig half er nicht aus der Patsche, obwohl alles zunächst danach ausgesehen hatte.?Hauptsache rasch entscheiden?, heißt sein Motto, das er mit der 80-20-Regel verknüpft: 80 Prozent der Entscheidungen müssen stimmen. Wenn er beim Rest daneben liege, könne er es verschmerzen. Wo er jemals daneben gelegen habe? Kovats kann sich im Augenblick nicht erinnern. Bei der VA-Tech jedenfalls nicht. Im Mai 2003 stieg er beim chronisch defizitären Ex-Staatsunternehmen ein. Der Verkauf an Siemens anderthalb Jahre später dürfte ihm und den hinter ihm stehenden Investoren rund 150 Millionen Euro beschert haben.Das Geld steckt in seiner A-Tec-Industries. Sie hat den Mann, der früher zugunsten von Laptop und Handy auf ein festes Büro verzichtete, sesshaft gemacht. Schließlich hat er großes mit ihr vor: A-Tec soll zur mächtigsten Industriegruppe Österreichs aufsteigen.Das Konglomerat aus Firmen der Old Economy brachte es im vergangenen Jahr auf eine Milliarde Euro Umsatz, der operative Gewinn lag bei knapp 26 Millionen Euro.Wenn der Umsatz auf 1,5 bis zwei Mrd. Milliarden Euro gestiegen ist, soll A-Tec möglicherweise an die Börse. Und da Kovats nicht in Jahren, sondern mindestens in Quartalen denkt, kann das schon 2006 passieren. Ob der Börsengang in Zürich, Wien oder Frankfurt über die Bühne geht, sei noch nicht entschieden, das hänge von seinem eigenen Bekanntheitsgrad ab.In Österreich ist der hoch. In der Schweiz ist er stark gestiegen, seit Kovats gemeinsam mit seinem Partner Ronny Pecik bei Unaxis die Mehrheit erobert hat.Lesen Sie weiter auf Seite 3: Die Tricks von Kovats und PecikZwischen den beiden herrscht Arbeitsteilung: Kovats sieht die wahren Werte, Pecik ist der Mann fürs Geld. Er sitzt im Führungsgremium der M&A Privatbank, an der Kovats knapp ein Drittel der Anteile hält. Pecik hat aus dem Institut ein Investmenthaus gemacht ? und eine Beratungsinstitution für das Duo.Dass die beiden den einen oder anderen Trick auf Lager haben, erfuhren die Eidgenossen in den vergangenen Monaten. Letztlich haben Kovats und Pecik die angesehen Unaxis-Gründerfamilie Bührle schachmatt gesetzt. Vorwürfe, dass er damit nicht eben eine Vertrauensbasis geschaffen habe, wischt Kovats mit einem Lächeln vom Tisch: ?Es gibt einen Kapitalmarkt. Und in dessen Regeln bewege ich mich.?Bei der Frage nach der Zukunft des Schweizer Unternehmens wird der sonst redselige Wiener einsilbiger. Nur soviel stellt er klar: Unaxis bleibt selbstständig, ?Hochleistungsarbeitsplätze? bleiben erhalten, das Unternehmen soll schon 2006 aus den roten Zahlen gekommen sein und einen dreistelligen Gewinn erwirtschaften.Vorher werden die Aktionäre auf eine von den bisherigen Besitzern in Aussicht gestellte Ausschüttung verzichten müssen. ?Dann aber bin ich der erste, der eine Dividende sehen will.? Zur neuen Zusammensetzung des Verwaltungsrats und später des Managements werde er bei der Generalversammlung am 28. Juni Vorschläge machen.Und sein Bekanntheitsgrad in Deutschland? Der werde steigen, glaubt Kovats. Nicht nur im Rahmen der Heuschrecken-Suche. Denn auf seinem Einkaufszettel stehen auch deutsche Firmen. Er plane eine Großakquisition im Nachbarland, natürlich in der Old Economy. Diesmal sei es aber kein Notverkauf. Darüber reden, sagt der freundliche Firmenaufkäufer, werde er erst, wenn der Kaufvertrag unterschrieben sei.
Dieser Artikel ist erschienen am 27.05.2005