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Gefährliche Trägheit

Deutsche Studenten haben keinen Bock auf Karriere in Wachstumsmärkten. Vor allem Osteuropa und China üben auf die angehenden Akademiker kaum Anziehungskraft aus. Gerade mal ein Viertel ist bereit, für zwei bis drei Jahre einen Job in China anzunehmen, sieben Prozent weniger als noch 2004. Nach Osteuropa zieht es nur geringfügig mehr (26,2 Prozent).
Das ist das Ergebnis einer Studie, für die der Reifenhersteller Continental über 1 000 angehende Ingenieure, Wirtschafts- und Naturwissenschaftler in ganz Deutschland befragen ließ. Als ?bittere Pille? bezeichnet Thomas Sattelberger, Personalvorstand der Continental AG, die wachsende Immobilität der künftigen Fach- und Führungskräfte

Während die Mobilität bei Wirtschaftswissenschaftlern und Ingenieuren etwas höher ist, outen sich vor allem die Naturwissenschaftler als Stubenhocker. ?Die Absolventen sind nicht mobil genug, in die Wachstumsregionen dieser Welt zu gehen?, sagt Sattelberger. Auch Lothar Späth, ehemaliger baden-württembergischer Ministerpräsident und Ex-Vorstand der Jenoptik AG, beobachtet eine ?melancholische Kapitulation? vor der Globalisierung: ?Man verharrt lieber in der Nische, anstatt neue Ufer zu erobern.? Eine gefährliche Haltung, denn der Arbeitsmarkt verschiebt sich weiter nach Osten: Nicht nur Continental, sondern auch andere führende Unternehmen wie Volkswagen, RWE, Metro oder Obi bauen im großen Stil Niederlassungen in Osteuropa auf. Und sie werben dafür bereits gezielt junge Fachkräfte an den Unis vor Ort an.

Die besten Jobs von allen


(df)
Dieser Artikel ist erschienen am 04.04.2006