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Ganz schön heiß hier

Text: Jennifer Nötges, Nina von der Bey
Fotos: Pixelquelle.de
Maschinenbau in Peking, BWL auf Hawaii - karriere abi präsentiert euch die aufregendsten Studienorte der Welt. Für Sonnenkönige, Entdecker, Großstadtindianer und solche, die es werden wollen.
Pauken im Paradies
Am Strand von Honolulu die Surfer anschmachten und dabei an seiner Karriere arbeiten. Vorlesungen hören, wenn vor der Tür der Regenwald lockt. Vom Dilemma, im Paradies zu studieren, kann Inga Bürger eine Menge erzählen. Die 19-Jährige besitzt ein Sportstipendium für die Hawaii Pacific University (HPU). Eine Werbeanzeige der Uni hatte die Schülerin aus Kreuztal, die seit ihrem 14. Lebensjahr Leichtathletik macht, auf die Idee gebracht, ihr Studium im Eldorado der Ironmen zu absolvieren. Inga bewarb sich für Internationale BWL, zwei Tage später kam die Zusage. Gleich nach dem Abi hieß es Koffer packen und ab auf die Insel.

Inga stieg ins zweite Semester ein - das letzte Abi-Jahr gilt auf Hawaii bereits als Bachelor Degree. Seit einem knappen Jahr schon wohnt die Studentin mit einer Kalifornierin zusammen, die wie sie Läuferin ist und ihre beste Freundin wurde. In Ingas Bekanntenkreis tummeln sich neben den 40 deutschen Kommilitonen Dänen, Schweden, Österreicher, ein Mädchen aus Guam, Türken und natürlich Amerikaner aus allen Ecken der USA. International studieren - klar, das kann man überall in der Welt. Vielleicht sogar ein bisschen zügiger. Aber, da ist sich Inga absolut sicher, nirgendwo schöner

Die besten Jobs von allen


Gebühren: 12.232 US-Dollar pro Jahr
Bewerbung: direkt an der HPU oder über Partner-Uni, Englisch-Test (zum Beispiel TOEFL) erforderlich
[ www.hpu.edu ]

Ab in die Welt
Ob für ein Semester, ein Jahr oder die gesamte Uni-Zeit: Damit das Studium im Ausland zum Erfolg wird, sollte es optimal vorbereitet sein. Mindestens zwölf, besser 18 Monate vor dem Start heißt es loslegen mit der Planung. Ein paar nützliche Tipps vorab:

Teilstudium im Ausland
Schon bei der Wahl der deutschen Hochschule auf internationale Partner-Unis achten: Wer an einem Austauschprogramm teilnimmt, muss die hohen Studiengebühren im Ausland meist nicht zahlen. Ansprechpartner sind die Akademischen Auslandsämter/International Offices der Hochschulen.

Zahlreiche Studiengänge integrieren Auslandssemester als festen Bestandteil [ www.hochschulkompass.de ]

Voraussetzungen klären, zum Beispiel Sprachtests und Anrechenbarkeit der Studienleistungen aus dem Ausland

Die Chancen auf finanzielle Unterstützung des Auslandsaufenthaltes stehen gut: Zu den wichtigsten Organisationen zählen der Deutsche Akademische Austausch Dienst [ www.daad.de ] und für USA-Aufenthalte die Fulbright Commission [ www.fulbright.de ]

Vollstudium im Ausland
Auch Hochschul-Homepages sind nur Werbeplattformen. Also sich nicht auf schöne Bilder und Versprechungen verlassen, sondern anrufen, wenn möglich hinfahren und persönliche Kontakte zu Studierenden knüpfen

Deutsche Konsulate anschreiben. Sie können bei der Uni-Suche helfen

Klären, ob der ausländische Abschluss in Deutschland anerkannt wird.
Am Puls der Zeit
Big Ben, Towerbridge, Westminster Abbey - London kennt jeder. Von Postkarten. Von Edgar-Wallace-Filmen. Vom Geburtstag der Queen. Das London der Subkultur, wo die Trends von morgen geboren werden, kennt Erica Gohdes. "Die Stadt elektrisiert", erklärt die 23-Jährige. "Hier gibt es eine Szene für alles, ob du jetzt auf Kunst oder auf Politik stehst." Erica studiert Design am Goldsmiths College, einer der Top-Adressen für Kreativausbildung. "Hier kommt es nur darauf an, dass du eine innovative Idee hast. Wie du die umsetzt, ist egal."

Erica ist Visiting Student, muss also kein Schulgeld bezahlen. Zum Glück, denn London fordert einen hohen Tribut. "Die Mieten sind horrend", warnt Erica. Auch wer Ruhe sucht, sollte um die britische Hauptstadt einen Bogen machen. "Der Verkehr - grauenhaft." Auch die Ströme von skurrilen Menschen und bunten Kulturen können einen schon mal überfordern. Erica nicht. Sie braucht den Trubel, die Szene-Ecken, das Multikulti. So was inspiriert sie: "Für kreative Leute birgt die Stadt unglaubliche Möglichkeiten.

Gebühren: 4.500 Euro pro Jahr
Bewerbung: Bewerbungsmappe und Essay
[ www.goldsmiths.ac.uk ]

Bio im Big Apple
Nicht erst seit "Sex and the City" übt New York eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus. Natalie Hiller weiß warum. Seit einem Jahr studiert sie an der renommierten Rockefeller University. "New York ist ein Schmelztiegel", erzählt sie. "Wahnsinnig viele Kulturen leben hier auf engstem Raum zusammen. Die Stadt vibriert vor Tatendrang." Das steckt an. Zwölf bis 14 Stunden investiert Natalie täglich in ihr Biochemiestudium - auch am Wochenende.

Aber der American Way of Learning macht es ihr leicht: "Den Studenten wird unglaublich viel Freiheit gegeben. Ich darf meine Experimente so planen und ausführen, wie ich möchte." Auch was die technische Ausstattung angeht ist Natalie mehr als zufrieden. Mit 30.000 Dollar Studiengebühren pro Jahr kann die US-Elite-Uni natürlich einiges mehr zur Verfügung stellen als Natalies Heimathochschule in Tübingen. Ein bisschen bedauert die 20-Jährige nur, dass sie sich nach einem harten Studientag nicht ins legendäre New Yorker Nachtleben stürzen kann. Das ist erst ab 21 erlaubt und da sind die Türsteher gnadenlos

Gebühren: ca. 30.000 Dollar pro Jahr
Bewerbung: am besten über Stipendienstellen
[ www.fulbright.de ]
[ www.rockefeller.edu ]

Lächelnder Moloch
15 Millionen Menschen und atemberaubender Smog. Peking ist ein Moloch. Aber was für einer! Glaspaläste, Tempelanlagen und sozialistische Plattenbauten. Rostige Drahtesel neben Luxuskarossen. "Es gibt so viele Gegensätze, einen solchen Umbruch, wie man ihn bei uns nie erleben könnte", sagt Hendrik Bollmann. Der 24-Jährige studiert zwei Semester Maschinenbau an der Tsinghua Universität unweit der Chinesischen Mauer. Unterrichtet wird auf Englisch, jeder Student hat einen einheimischen Tutor. "Das Fachwissen ist hier nicht so toll, auch wenn Tsinghua wirklich super ausgestattet ist."

Aber der Uni wegen ist Hendrik auch nicht hier. Land und Leute wollte er kennen lernen. Oft beobachtet er, wie ein alter Chinese Müll von der Straße hascht, während neben ihm der Businessman in seine Stretchlimo steigt. "Das Verrückte ist: Alle sehen zufrieden aus." China, Land des Lächelns eben. Hendriks Austausch hat die RWTH Aachen organisiert. Und er ist froh darüber: "Die Bürokratie hier ist einfach zu undurchsichtig." Zu viel Moloch tut auch nicht gut

Gebühren: ca. 600 Euro pro Semester
Bewerbung: meist über deutsche Uni
[ www.tsinghua.edu.cn ]

Sündhaft teure Schöne
Stundenlang könnte Elsje Beelse an der Seine entlangflanieren und den Straßenmusikanten lauschen. Und jedes Mal entdeckt sie etwas Neues an ihrem Paris. "Diese Stadt ist genau so, wie man sie sich vorstellt", strahlt sie. Die Wirtschaftsstudentin aus Wuppertal studiert zwei Semester an der Pariser Sorbonne. Dort, wo schon Madame Curie lernte. "Es ist auf jeden Fall härter als in Deutschland", findet Elsje, "du musst ständig Referate halten und Arbeiten schreiben." Doch das nimmt die 23-Jährige gern in Kauf

Schließlich gibt's im Gegenzug eine hervorragende Ausbildung mit straffem Lehrplan und Unterricht in Kleingruppen. Natürlich auf Französisch. Wer nach Frankreich kommt, darf nicht erwarten, mit den Leuten gleich warm zu werden: "Es braucht eine gewisse Anlaufphase, bis man die Franzosen geknackt hat. Aber dann stehen einem die Herzen weit offen." Mehr Probleme hatte Elsje mit der Wohnungssuche. "Paris ist unglaublich teuer." So wohnt sie mit einer Kommilitonin auf 27 hoffnungslos überteuerten Quadratmetern. Dafür aber mitten in der City

Gebühren: ca. 300 Euro pro Semester
Bewerbung: Aufnahmetest
[ www.univ-paris1.fr ]

Geschichte hautnah
Alte Pracht, pompöse Kirchen, romantische Straßen und dazwischen pralles Leben: Nicht nur Historiker lieben Krakau, die Perle Polens. Aber die ganz besonders. Die Innenstadt gehört zum Weltkulturerbe der Unesco. "Ein Flair wie in Italien, nur nicht so teuer", findet Nora Peters. Die Berlinerin studiert hier ein Semester Geschichte und Politik - auf Englisch. "Eigentlich wollte ich gern Polnisch lernen", sagt die 23-Jährige. "Aber ein Semester reicht da nicht."

Als Nora den Campus betrat, war sie überrascht, wie modern und international die Jagiellonen-Universität ist: Europäer, Amerikaner, Asiaten liefen vorbei. Und nicht nur dort. "Es gibt unheimlich viele junge Leute in der Stadt", schwärmt Nora. Der Kontakt zu den Einheimischen bleibt tagsüber zwar ein wenig auf der Strecke. Die sitzen meistens in den polnischsprachigen Kursen. Aber abends, wenn in Krakau die Lichter angehen, wenn die Kneipen und Kinos öffnen, dann trifft Nora sie alle. Für diese Stadt ist ein Semester eigentlich viel zu kurz

Gebühren: für EU-Bürger kostenlos
Bewerbung: eventuell Eignungstest, bei den polnischen Programmen auch Sprachtest
[ www.uj.edu.pl ]

Tee, Kitsch und Hightech
Wer in Tokio studieren will, muss sich super präparieren. Sonst geht man unter in in der größten Metropole der Welt. Der 24-jährige Sean Wendt hat's getan und drei Semester lang in Halle Japanisch gepaukt für sein Informatik-Studium in Fernost. "Japan ist technologisch ganz weit vorne", sagt Sean. Aber ihn fasziniert noch mehr. Trotz allen Fortschritts gibt es in Tokio Ecken, in denen die alten Traditionen fortleben. In Schulen lehren weise Männer die Kunst des Teekochens. Gar keine einfache Sache, die sehr strengen Regeln folgt. "Ordnung und Strukturen sind überhaupt sehr wichtig in Japan.", erzählt Sean.

"Und dann wieder sind die Leute unheimlich verspielt." Pokemon und Asienkitsch - hier haben sie ihre Heimat. Seans Studium läuft komplett auf Japanisch ab. Ausländische Studenten sind deshalb rar an der Senshu Universität. Praktischerweise wohnen sie alle zusammen im Wohnheim, zehn Minuten vom Campus entfernt. Sean ist gar nicht traurig über die wenigen Europäer und Amerikaner. Denn so kann er Japan viel intensiver erleben

Gebühren: ca. 6.300 Euro pro Jahr
Bewerbung: Aufnahmetest
[ www.acc.senshu-u.ac.jp/kokusai/index-e.html ]

Tanz auf dem Vulkan
Wenn Anne Lakeberg durch Buenos Aires spaziert, kommt sie sich manchmal vor wie im Berlin der späten 20er. "So stelle ich mir das vor", sagt die 23-jährige Filmstudentin. "Auf der einen Seite spürt man die Armut überall und auf der anderen blüht die Kultur an jeder Ecke. Als wollten die Leute das Elend wegtanzen." Kaum sonstwo liegen Glamour und Gosse so dicht beieinander. An der Universidad de Buenos Aires belegt Anne Kurse in Filmtechnik und Drehbuchschreiben.

"Die Uni ist schlecht ausgestattet. Schnittplätze oder Kameras muss man sich privat leihen." Dafür gebe es mittlerweile einen richtigen Markt an der Uni. Chaos gehört zum Alltag. Es kommt auch mal vor, dass die Professoren streiken oder die Studenten den Rektor absetzen. Das Land ist bis heute nicht zur Ruhe gekommen. Ihr Freundeskreis besteht hauptsächlich aus Ausländern, "obwohl die Argentinier sehr freundlich sind", sagt sie. Anne fühlt sich trotz aller Extreme pudelwohl in der pulsierenden Neun-Millionen-Metropole, die nie zu schlafen scheint. Schon gar nicht nachts

Gebühren: einmalig 200 US-Dollar
Bewerbung: Motivationsschreiben und Zeugnisse
[ www.uba.ar ]

Asyl für NC-Flüchtlinge
Medizin studieren mit nur 130 Leuten - unvorstellbar? In Budapest ganz normal. "Klasse", sagt Julia Wieneke. "Jeder kennt hier jeden." In Deutschland hätte die 21-Jährige geschlagene acht Semester auf einen Studienplatz warten müssen, also brach sie nach Ungarn auf. Budapest ist das NC-Exil Nummer eins für angehende Ärzte, deren Abischnitt nicht reicht. Denn dort wird nicht nur viel Deutsch gesprochen, sondern auch auf Deutsch gelehrt. Bereut hat Julia ihre Flucht keinen Tag: "Budapest hat ein ganz besonderes Flair. Überall kleine, urige Cafés und jede Menge zu erleben."

Wenn ihr die Zeit dafür bleibt, denn das Studium ist hart. Der Unterricht findet nach deutschem Lehrplan statt, nur mit mehr Klausuren. "Zehn Stunden bin ich jeden Tag in der Uni. Und danach muss ich immer noch bis spätabends lernen." Der Spaß wird aufs Wochenende verlegt. "Die Menschen hier sind super nett, aber man muss aufpassen, dass sie einen nicht übers Ohr hauen", lacht Julia. Was dem Spaß keinen Abbruch tut. Julia fühlt sich längst daheim in ihrem Asyl an der Donau

Gebühren: 5.000 Euro pro Semester
Bewerbung: über Anmeldebogen (mit Gebühr)
[www.ungarnstudium.hu]

Dieser Artikel ist erschienen am 16.06.2006