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Fusionen müssen auch für Pensionspläne gelten

Quelle: Handelsblatt
Bei Zusammenschlüssen sehen sich Unternehmen fast immer unterschiedlichen Versorgungssystemen gegenüber: Es muss zusammen wachsen, was nicht unbedingt zusammen passt.
Arbeitsrechtlich können verschiedene Systeme nebeneinander fortbestehen. In der Praxis sprechen jedoch wichtige Gründe für eine Harmonisierung: Der Arbeitsfrieden könnte belastet werden. Ebenso erweist sich die Administration unterschiedlicher Systeme als sehr aufwändig. Nicht zuletzt ist das Verständnis ausländischer Unternehmen für die Vielfalt deutscher Versorgungswege begrenzt. Dies gilt vor allem für die deutsche Besonderheit der Direktzusagen mit Pensionsrückstellungen. Sie stellen in den Augen ausländischer Unternehmen als ?Unfunded Book Reserves? finanzielle Risiken dar.Für Arbeitnehmer stehen Höhe und Sicherheit der bAV im Vordergrund. Für Arbeitgeber ist entscheidend, dass die bAV in die Vergütungsstrategie passt. Diese unterschiedlichen Interessen müssen ausbalanciert werden, wenn ein Versorgungssystem, für das ein Unternehmen erhebliche Mittel aufwändet, bei den Arbeitnehmern Akzeptanz finden soll. Grundsätzlich gilt, bereits erworbene Ansprüche gehen Arbeitnehmern bei einer Neuausrichtung der bAV nicht verloren.

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Im Zuge der Neuordnung stellen viele Unternehmen fest, dass der Bedeutung der bAV nicht angemessen Rechnung getragen wurde: Alteingesessene Versorgungssysteme wurden vernachlässigt und nicht an aktuelle rechtliche bzw. steuerliche Rahmenbedingungen angepasst. Oft wurden Versorgungszusagen auch einfach geschlossen, so dass Mitarbeiter, die nach der Schließung hinzukamen, keinerlei Leistungszusage erhielten.Eine Fusion sollte daher als Chance begriffen werden, die bAV auf den Prüfstand zu stellen und zum Nutzen von Unternehmen und Mitarbeitern zu optimieren.Der vordergründig einfachste Weg ist, das aus Arbeitnehmersicht beste Versorgungssystem auf alle Mitarbeiter auszudehnen. Aus Kostengründen ist ein solches Vorgehen unternehmerisch jedoch selten sinnvoll. Höchste Priorität bei der Entwicklung neuer Versorgungssysteme hat die Berücksichtigung des komplexen arbeits- und steuerrechtlichen Umfelds sowie die Untersuchung der betriebswirtschaftlichen Auswirkungen. Wird dies versäumt, kann es zu Lösungen kommen, die sich als konfliktbehaftet oder viel zu teuer erweisen.Bei einem Fall, den Mercer Human Resource Consulting kürzlich zu lösen hatte, traf ein leistungsorientiertes intern finanziertes System für leitende Mitarbeiter auf ein beitragsorientiertes extern finanziertes System, für alle Mitarbeiter. Aufgabe war es, beide Systeme messbar zu machen und ein neues System zu entwickeln, das die Akzeptanz aller Mitarbeiter findet.Durch transparente Darstellung der Lösungsansätze konnten die Mitarbeiter überzeugt - und eine für das Unternehmen gute Lösung gefunden werden. Für die Neuausrichtung der bAV gibt es keine Standardlösung. Die Spannweite reicht vom Fortbestehen unterschiedlicher Leistungspläne, über eine Überführung in ein einheitliches Versorgungssystem bis hin zur Schließung aller Versorgungssysteme (eventuell mit Ausnahme der arbeitnehmerfinanzierten Versorgung im Sinne von § 1a des Betriebsrentengesetzes). Die Zusammenarbeit mit einem erfahrenen externen Partner ist bei derartigen Projekten sinnvoll.Überdies empfiehlt es sich, dass Unternehmen bereits vor einem Zusammenschluss aktiv werden. Sie sollten sich regelmäßig einen Überblick über ihre bAV verschaffen, um im Falle einer Transaktion handlungsfähig zu sein. - Das gilt übrigens auch für Arbeitnehmer, die über ihre Versorgungsansprüche stets im Bilde sein sollten. Hier sollte das Unternehmen durch regelmäßige Informationen zu den individuellen Versorgungsansprüchen wertvolle Hilfestellung leisten.Helmut Rehpenn ist Diplom-Mathematiker und Aktuar (DAV) der Mercer Human Resource Consulting GmbH in Frankfurt.
Dieser Artikel ist erschienen am 14.04.2004