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Früherer Endesa-Chef geht in die Politik

Von Anne Grüttner
Manuel Pizarro wird für Spaniens Konservative bei der Parlamentswahl antreten. Der 56-jährige wird schon als kommender Wirtschaftsminister gehandelt. Seine Biographie zeigt, dass Pizarro schon immer an der Schwelle zwischen Unternehmertum und Wirtschaft stand.
Von der Wirtschaft in die Politik: Ex-Manager und Neu-Politiker Manuel Pizarro. Foto: ap
MADRID. Der ehemalige Präsident des Energieversorgers Endesa, Manuel Pizarro, kandidiert für das spanische Parlament. Falls die konservative Volkspartei PP die Wahlen am 9. März gewinnt, soll der 56-Jährige nach Medienberichten Vizepremier und Wirtschaftsminister werden. PP-Chef Mariano Rajoy stellte Pizarro gestern zunächst nur als Kandidaten seiner Partei für das Parlament vor.Der Ex-Wirtschaftsboss hat vor allem durch seine Rolle während der Übernahmeschlacht um Endesa an politischem Profil gewonnen. Doch auch vorher bewegte er sich beruflich immer an der Schwelle zwischen Unternehmertum und Politik. ?Wir wussten immer, dass Manuel Pizarro ein Politiker ist?, spottete denn auch José Blanco, der Parteisekretär der regierenden Sozialistischen Partei (PSOE). ?Jetzt hat er endlich die Maske vom Kopf gezogen. ?

Die besten Jobs von allen

Schon 1996 hatte der damalige konservative Regierungschef José Maria Aznar seinem Freund Pizarro ein politisches Amt angeboten. Doch der ausgebildete Staatsanwalt schlug aus und wurde stattdessen wenige Jahre später von Aznars Wirtschaftsminister Rodrigo Rato an die Spitze des privatisierten Stromkonzerns Endesa gesetzt.Die große Stunde des als umgänglich geltenden, aber wenn nötig knallhart agierenden Pizarro kam 2005, als der katalanische Stromversorger Gas Natural sein Übernahmeangebot für Endesa machte. Mittlerweile stand der Sozialist José Luis Rodriguez Zapatero an der Spitze der spanischen Regierung, und die Übernahme hatte das Plazet sowohl von der Zentralregierung in Madrid als auch von der katalanischen Regionalregierung erhalten.Pizarro dagegen wetterte, Gas Natural biete einen ?lächerlichen Preis? für den Versorger. Berühmt wurde sein medienwirksamer Auftritt im September 2005, als er sich eine spanische Verfassung unter den Arm klemmte, die geplante Übernahme als verfassungswidrig brandmarkte und die mangelnde Rechtssicherheit in Spanien beklagte.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Wie Pizarro von der Übernahmeschlacht profitierteAls Alternative zu Gas Natural brachte Pizarro den deutschen Konzern Eon ins Spiel, der eine bessere Offerte abgab, aber am politischen Widerstand der Regierung Zapatero scheiterte. Der Feldzug Pizarros ? mit tatkräftiger Unterstützung der konservativen Partei ? war zwar vergeblich, für ihn persönlich aber äußerst lukrativ. Im Jahr 2006 hatte er die eigenen Bezüge auf 3,2 Mill. Euro verdoppelt. Als die Schlacht geschlagen und die Übernahme von Endesa durch die italienische Enel und die spanische Acciona besiegelt war, erhielt der Chef bei seinem Rücktritt zudem noch eine Entschädigung von 12 Mill. Euro. Und die Übernahmeschlacht hatte den Aktienkurs von Endesa stark beflügelt, was ihm beim Verkauf seiner Anteile noch einmal vier Mill. Euro einbrachte.PP-Spitzenkandidat Rajoy lobte Pizarro als Mann, der ?Lust, Ideen, eine sehr gute Kenntnis der wirtschaftlichen Realität und vor allem Reformwillen? habe. Das Angebot muss recht überraschend gekommen sein, denn erst vor wenigen Wochen war Pizarro zum Aufsichtsrat bei der spanischen Telefonica ernannt worden. Nach der Bekanntgabe seiner Kanditatur für die PP-Wahlliste legte er dieses Amt aber sofort nieder.Im Zuge der konjunkturellen Abkühlung wird das Thema Wirtschaft immer dominanter im spanischen Wahlkampf, und die PP brauchte offensichtlich schnell ein überzeugendes Gegengewicht zu dem anerkannten sozialistischen Wirtschaftsminister Pedro Solbes. Dieser bezeichnete seinen Gegenspieler gestern als ?Person von anerkannter Qualität? im Bereich Finanzen und Unternehmen sowie als ?guten Kenner? der öffentlichen Verwaltung. In Umfragen sind PSOE und PP derzeit praktisch gleich stark.
Dieser Artikel ist erschienen am 16.01.2008