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Früh übt sich

Kornelia Turkiewicz
Was in einem Assessment Center verlangt wird, wie Wirtschaft funktioniert und worauf es im Arbeitsleben ankommt, lernt man im Gymnasium eher selten. Seit zwei Jahren besuchen Anna-Laura, Mark und Lukas deshalb jeden zweiten Samstag die JMS, eine private Wirtschaftsakademie für Schüler.
Heiße Diskussionen über ein Blatt Papier.
An einem kleinen Tisch stecken Anna-Laura Bischof, 17, Mark Neukirchen, 18, und Lukas Mönch, 18, die Köpfe zusammen. Mit ihrem Dozenten Paul Williams erarbeiten die Schüler aus Neuss und Dormagen ein Konzept für ihr Abschlussprojekt an der Junior Management School (JMS).

Die drei haben sich für ein Thema entschieden, mit dem sie schon bald selbst konfrontiert werden könnten: das Assessment Center. So nennt man Auswahlverfahren für Jobs oder Ausbildungsplätze, bei denen die Bewerber in praktischen Übungen, Rollenspielen und Einzelgesprächen zeigen müssen, dass sie für den Job geeignet sind. "Wir wollen herausfinden, was da abläuft und worauf die Personaler achten", erklärt Mark

Die besten Jobs von allen


Managen lernen
Die Junior Management School gibt es bisher nur im Rheinland: Die zweijährigen Kurse laufen in Düsseldorf und Neunkirchen-Seelscheid (Bergisches Land). In Köln und Leverkusen soll es im Herbst 2006 losgehen. Die private Wirtschaftsinitiative wird von der IHK Düsseldorf, der Stadtsparkasse Düsseldorf und dem Handelsblatt unterstützt.
www.juniormanagementschool.de
Wochenendmanager.
Was in einem Assessment Center verlangt wird, wie Wirtschaft funktioniert und worauf es im Arbeitsleben ankommt, lernt man im Gymnasium eher selten. Seit zwei Jahren besuchen Anna-Laura, Mark und Lukas deshalb jeden zweiten Samstag die JMS, eine private Wirtschaftsakademie für Schüler (siehe Kasten).

Für 50 Euro Beitrag im Monat üben sie managen, präsentieren, verhandeln und wie man in einem Bewerbungsgespräch auftritt. Wissen, das die Schüler später überall gebrauchen können, egal, welchen Beruf sie einmal wählen

Tipps aus erster Hand.
"Das Tolle ist, dass wir von Leuten unterrichtet werden, die wissen, wie es wirklich in der Arbeitswelt aussieht", sagen die drei. Was zum Beispiel Soft Skills sind - "weiche" Fähigkeiten wie Teamgeist oder Überzeugungskraft -, hat Mark erst hier erfahren

Jetzt heißt es, das Gelernte auch umzusetzen: Für ihre Abschlussprüfung haben sich die Schüler voll in die Recherche gestürzt. Ihre Aufgabe ist es herauszufinden, wie man als Bewerber solch ein Casting am besten meistert. Dazu wollen sie einerseits Personalmanager befragen, die im Assesment Center die Kandidaten beobachten, andererseits junge Leute interviewen, die bereits das Auswahlverfahren durchlaufen haben.

Anschließend gilt es, die erfassten Daten und Umfrageresultate auszuwerten und für die Präsentation aufzubereiten. Den JMS-Prüfern, so wissen die drei, kommt es dabei vor allem auf Praxisnähe an. Also werden sie ihre Analyseergebnisse um handfeste Tipps ehemaliger Bewerber und Wünsche von Personalchefs anreichern. Bis es soweit ist, liegt noch viel Arbeit vor den Gymnasiasten. Denn die Ausbildung an der JMS läuft parallel zur Vorbereitung aufs Abitur. Doch der Aufwand lohnt sich: "Die JMS füllt die Kluft zwischen Schule und Berufsleben", sagt Ex-Personalmanager Paul Williams. Und was noch wichtiger ist: "Das JMS-Zertifikat kommt bei den Arbeitgebern sehr gut an."

Dieser Artikel ist erschienen am 16.06.2006