Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Früh gefreit, nie gereut

Yvonne Globert
Fächerübergreifende Studenteninitiativen sind die Drahtzieher an den Hochschulen. Wer hier einsteigt, schafft die Basis für wertvolle Beziehungen in Wissenschaft, Wirtschaft und Politik.
Aiesec

Die Studentenorganisation wurde 1948 aus der Taufe gehoben, um über internationale Praktika Völkerverständigung zu betreiben. Heute hat der Verein über 700 Lokalkomitees weltweit, mehr als 30.000 Studenten arbeiten hier an ihrer beruflichen Zukunft. Gut 60 Prozent der Aktiven in Deutschland sind Wirtschaftswissenschafter, hinzu kommen Wirtschaftsingenieure und Techniker. Geisteswissenschafter bilden die Minderheit, sind aber gerne gesehen. Internationale Firmen vergeben Praktika und Projekte an Aiesec-Teams. Uwe Doerken, Chef des Logistikunternehmens DHL, ist ebenso Aiesec-Alumni wie der finnische Staatspräsident Martti Ahtisaari oder der japanische Premier Junichiro Koizumi

Für wen?
Studierende aller Fachrichtungen

Die besten Jobs von allen


Wie geht's?
Aiesec hat Büros an 60 deutschen Hochschulen. Wo es keine Vertretung gibt, hilft die Bundeszentrale in Köln weiter. Die Mitgliedschaft ist kostenfrei. Aktive Mitarbeit in den Projekten ist Pflicht. Die Hochschulgruppen agieren dort weitgehend autonom

Was bringt's?
Pluspunkte im Lebenslauf, internationale Praktika und Kontakte, die oft ein Berufsleben lang halten. http://www.aiesec.de

Market Team Deutschland

Weil Berufs-Know-how an deutschen Unis Mangelware war, riefen 1984 Studenten aus Konstanz das Netzwerk ins Leben. Inzwischen ist der Verein mit 700 Mitgliedern in 23 Städten vertreten und hat sich zu einer der größten interdisziplinären Studenteninitiativen hochgearbeitet

Für wen?
Studierende aller Fachrichtungen

Wie geht's?

Wer beitreten will, kontaktet die Vereinsspitze online. Pro Jahr wird ein Mitgliedschaftsbeitrag von 20 Euro fällig. Je nach Interessengebiet organisieren die Teilnehmer in den verschiedenen Projektteams Seminare, Vorträge oder Workshops.

Was bringt's?
Fächerübergreifendes Wissen und Branchenkenntnisse sowie Praktika. Firmenexkursionen bringen Produktionsabläufe näher, an Fallbeispielen wird Beratertätigkeit simuliert. Soft-Skill-Workshops und Bewerbertrainings machen die Mitglieder jobfit. Weiterbildungsangebote gibt es auch bei den Seniors, dem Ehemaligen-Netzwerk der Organisation.
http://www.market-team.com

Bonding Studenteninitiative

Wie die gleichnamigen Golddrähte in der Mikroelektronik einen Kontakt zwischen Chip und Umwelt herstellen, so will Bonding zwischen Hochschule und Industrie vermitteln. In dem 1988 gegründeten Verein sollten zunächst vor allem angehende Ingenieure Praxisluft schnuppern. Inzwischen zählt er 150 Mitglieder unterschiedlicher Disziplinen, die von zehn technischen Hochschulen aus gemeinsame Projekte steuern

Für wen?
Studierende überwiegend technisch orientierter Fachrichtungen.

Wie geht's?
Erwartet wird voller Einsatz für einen Interessenschwerpunkt nach Wahl. Wer schnuppern will, geht einfach zu einem der regelmäßigen Treffen der nächstgelegenen Hochschulgruppe, die auf der Bonding-Homepage gelistet sind

Was bringt's?
Direkte Kontakte zu Unternehmen. Auf der Website sind aktuelle Jobangebote und Praktikumsstellen abrufbar. Ehemalige liefern Erfahrungsberichte zum Berufseinstieg. Seit sechs Jahren pflegt die Organisation auch internationale Beziehungen: Mitglieder können sich für Kurse des Board of European Students of Technology (BEST), einer in 21 europäischen Ländern aktiven Studentenvereinigung, bewerben - um ihr Fachwissen aufzumöbeln oder bei sportlichen Aktivitäten wie Segeln neue Bekanntschaften zu schließen.
http://www.bonding.de

Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS)

Wer sich hier engagiert, bekommt den Politprominenzfaktor gratis dazu. Schon Ex-Kanzlerberater Horst Teltschik und die hessische Kultusministerin Karin Wolff mischten als Mitglieder des Studentenverbandes eifrig in der Hochschulpolitik mit. Mit seinen 8.000 Mitgliedern leistet der Ring seit 1951 Basisarbeit. Die über 100 Hochschulgruppen stellen sich regelmäßig zur Hochschulwahl und diskutieren mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft

Für wen?
Studierende aller Fachrichtungen

Wie geht's?
Wer mitmachen will, muss bei der Hochschulgruppe seiner Wahl eine Beitrittserklärung auf der Website ausfüllen. Über die Aufnahme entscheidet der Gruppenvorstand. Mitglieder müssen glaubhaft machen, dass sie sich an christdemokratischen, konservativen und liberalen Werten orientieren.

Was bringt's?
Reim Ring finden sich kompetente Ansprechpartner zu BaföG-Fragen ebenso wie zu Stipendien. Für Uni-Wechsler hat der RCDS eine Studienplatztauschbörse eingerichtet und setzt sich als Mitglied der Initiative European Democrat Students (EDS) für die europaweite Anerkennung von Hochschulabschlüssen ein.
http://www.rcds.de

Association des Etats Généraux des Etudiants de l'Europe (AEGEE)

Für die 17.000 Mitglieder ist die europäische Integration gelebte Erfahrung. Studenten zwischen Trondheim und Antalya jetten seit 1985 für die Idee einer großen Gemeinschaft von einem der 40 Beitrittsländer zum nächsten. Brüsseler Zentrale hat direkten Draht zu den über 270 sogenannten "Lokalantennen". Trotz flacher Hierarchien hat es AEGEE zum größten fachübergreifenden Studentennetzwerk Europas geschafft.

Für wen?
Kontaktfreudige Studenten mit Interesse an fremden Kulturen

Wie geht's?
Interessierte können bei einem der regelmäßigen Treffen einer "Lokalantenne" vorbeischauen. Der Mitgliedsbeitrag beläuft sich auf 20 Euro im Jahr. AEGEEler kümmern sich um Austauschstudenten und widmen sich in Arbeitsgruppen Themen wie dem Verhältnis zwischen Ost und West, Kulturtransfers oder internationale Politik

Was bringt's?
Wer zum Beispiel in einer Sommeruniversität seine interkulturelle Kompetenz schulen, Auslandserfahrung sammeln und Sprachkenntnisse erweitern will, ist bei AEGEE richtig. An der Diskussion um europäische Fragen beteiligen sich zudem zwei Alumni-Clubs, denen inzwischen 250 Mitglieder angehören.
http://www.aegee.org
Dieser Artikel ist erschienen am 19.01.2004