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Lea Deworetzki, Cigdem Dolap, Karin Umlauff
Bei Telefon-Hotlines arbeiten nur mies bezahlte Aushilfen und Angelernte? Die Zeiten sind bald vorbei. Yoga, Pilates, Indoorcycling: Wer sich gern bewegt, macht sein Hobby zum Beruf. Werbung, Eventmanagement, Sponsoring - dort überall treiben sich Kaufleute für Marketingkommunikation herum.
Börsenluft schnuppern
An der Börse zu spekulieren, ist riskant: Man kann viel Geld gewinnen, aber auch viel verlieren. In einem Investmentfonds werden verschiedene Aktien oder andere Wertpapiere zu Paketen gebündelt. Für den Kunden ist das Risiko durch den Mix geringer, das Spezialwissen, das die Anbieter solcher Fonds brauchen, ist umso größer. Weil die klassische Banklehre dem längst nicht mehr gerecht wird, gibt es seit kurzem den Ausbildungsberuf Investmentfondskaufmann/-frau. Die Hauptaufgaben der Spezialbanker: Geld-, Kapital- und Wertpapiermärkte analysieren, Kauf- und Verkaufsentscheidungen vorbereiten, Wertentwicklungen berechnen, Vor- und Nachteile von Immobilienstandorten aufzeigen oder auch Kunden beraten. Bewerber sollten ein Händchen für Zahlen, einen analytischen Verstand und gute Noten in den Fächern Englisch und Deutsch mitbringen. Ein Interesse am Börsengeschehen und wirtschaftliche Zusammenhänge sind das i-Tüpfelchen. Mögliche Arbeitgeber sind Banken und Sparkassen, Versicherungen, Finanzdienstleister sowie Immobilienunternehmen. Ausbildungsdauer: drei Jahre

[ Infos: www2.bibb.de/tools/aab/aab_start.php?brf=8675764 ]

Die besten Jobs von allen


Coole Anlagen bauen
Wenn der Sommer näher rückt, sind aller guten Dinge drei: ein saftiges Steak vom Grill, ein kühles Bier, zum Nachtisch ein erfrischendes Eis. Dabei denkt kaum einer darüber nach, dass sich Supermärkte, Metzger, Eisdielen und noch wichtiger medizinische Labore nicht nur im Sommer auf reibungslos funktionierende Kühlanlagen verlassen müssen. Für die Verlässlichkeit solcher Anlagen sorgte bislang der Kälteanlagenbauer, der allerdings eine aussterbende Spezies ist: Ab August 2007 wird er durch den Mechatroniker für Kältetechnik ersetzt. Grund: Moderne Kühlanlagen wie Tiefkühltheken, Kühlcontainer und Klimaanlagen sind voll gepackt mit Elektronik. Darauf wird die Ausbildung angepasst. Gesucht werden Leute, die ein Händchen für Technik und Interesse an Mathe und Physik haben und selbstständig arbeiten können. Der Mechatroniker ist beim Kunden im Einsatz und muss sich dort zu helfen wissen. Sprich: Schaltpläne lesen, um Steuerung und Regelung der Technik zu beherrschen. Lässt sich die Anlage mal nicht sofort reparieren, muss er den Fehler provisorisch beheben können, bevor alles auftaut. Ausbildungsdauer: 3,5 Jahre (Verkürzung möglich)

[ Infos: www.bibb.de/de/27368.htm ] Marken kommunizieren
Anzeigen, Plakate, Kino- oder Fernsehspots. Das fällt einem als Erstes beim Stichwort Werbung ein. Doch Unternehmen nutzen heute viel mehr Wege, um auf ihre Produkte aufmerksam zu machen und den Absatz anzukurbeln: Da werden Events gesponsert, Kunden am Telefon direkt angesprochen oder virtuelle Filialen in Second Life im Internet eingerichtet. Weil sich durch Internet und Co. die Anforderungen in der Kommunikationswirtschaft verändert haben, wurde kürzlich der schon seit 1952 bestehende Beruf Werbekaufmann/-frau umgekrempelt. Seit Herbst 2006 starten neue Azubis als Kaufmann/-frau für Marketingkommunikation. Die Absolventen sollen mehr Kompetenzen in den Bereichen Multimedia und Marketing erwerben und übernehmen schon früher als bisher eigene Praxisprojekte. Wer von einem Job in der Werbebranche träumt, sollte wissen, dass eine 40-Stunden-Woche dort eher die Ausnahme ist. Vor allem, wenn eine wichtige Präsentation ansteht, dauert der Arbeitstag schon mal bis spät in die Nacht. Mitbringen sollten die Azubis Kreativität, Kommunikationsfähigkeit und gute Fremdsprachenkenntnisse. Ausbildungsdauer: drei Jahre

[ Infos: www.bibb.de/de/20745.htm ]

Zeitarbeit managen
Immer mehr Menschen sind nicht bei einen Unternehmen angestellt, sondern bei so genannten Zeitarbeitsfirmen. Diese "verleihen" ihre Mitarbeiter dahin, wo gerade wortwörtlich Not am Mann ist. Die Personaldienstleistungs- und Zeitarbeitsbranche wächst und damit auch der Bedarf an qualifizierten Mitarbeitern. Um künftig für ausreichend Nachwuchs zu sorgen, startet im August 2008 die neue Ausbildung zum Personaldienstleistungskaufmann/-frau. Dann werden die ersten Azubis lernen, wie man Personaleinsätze professionell plant und organisiert, wie man Bewerbungsgespräche führt und analysiert, welche Anforderungen ein Zeitarbeiter, der in einem Unternehmen eingesetzt werden soll, erfüllen muss. Klar, dass dies kein Job für Schüchterne ist, denn der Personaldienstleistungskaufmann muss täglich mit den unterschiedlichsten Menschen kommunizieren und ist viel unterwegs. Auf dem Stundenplan stehen Personalführung, Feedback- und Konfliktgespräche sowie Teambildungsprozesse. Doch auch Paragrafen pauken gehört zum täglich Brot, denn selbstverständlich muss ein Personalexperte auch fit im Arbeitsrecht sein. Ausbildungsdauer: noch unklar.

[ Infos: www.bibb.de/de/27446.htm ] Kreativ gestalten
Webseiten, Visitenkarten, Flyer, Plakate oder ganze Zeitschriftenlayouts: Mediengestalter in Digital und Print müssen Allrounder am Computer sein und die verschiedensten Layout-, Webdesign- und Bildbearbeitungsprogramme beherrschen. Sie brauchen eine kreative Ader und müssen sich auf die Wünsche ihrer Auftraggeber einstellen. Gesucht werden aber keine chaotischen Künstler, sondern Leute, die auch unter Termindruck arbeiten können. Ausgebildet wird in Werbe- und Multimediaagenturen, Verlagen sowie in den Marketingabteilungen von Unternehmen. Im dritten Lehrjahr spezialisieren sich die Azubis künftig auf neue Bereiche: Wer den Bereich "Beratung und Planung" wählt, wird besonders auf den Kundenkontakt vorbereitet und lernt die entsprechenden Marketingkniffe. "Konzeption und Visualisierung" ist die kreativste Schiene. Hier geht es darum, eigene Gestaltungsideen zu entwickeln und Wünsche des Kunden zu visualisieren. In "Gestaltung und Technik" müssen Layouts umgesetzt und alle technischen Prozesse von der Idee bis zum Druck beherrscht werden. Der Andrang ist groß. Tipp: initiativ bewerben. Dauer: drei Jahre.

[ Infos: www.bibb.de/redaktion/aweb/2002/medges.htm ]

Die Welt berechnen
Wie wird sich der Klimawandel auf den Meeresspiegel auswirken? Mit welcher Wucht erfolgt der Aufprall eines Autos, wenn es mit einer bestimmten Geschwindigkeit vor eine Mauer fährt? Wie belastbar ist eine Autobahnbrücke? Solche Fragen lassen sich heute per Computer ziemlich genau berechnen. Damit die Simulationen überhaupt möglich sind, müssen zunächst entsprechende Computerprogramme geschrieben werden. Diese hochkomplexe Aufgabe lernt man unter anderem in der Ausbildung zum Mathematisch-Technischen Softwareentwickler (MATSE), die ab August 2007 startet. Der bundesweit einheitliche Beruf ersetzt den bislang regional geregelten Mathematisch-Technischen Assistenten. Die Einsatzmöglichkeiten für MATSE sind vielfältig: Sie können in Software-Unternehmen, Unis und Forschungszentren, bei Versicherungen oder in Ingenieurbüros arbeiten. Neben einem abstrakten Denkvermögen und Interesse an Mathematik wird bei Bewerbern vor allem Teamfähigkeit vorausgesetzt. Absolventen haben exzellente Jobaussichten und sehr gute Grundlagen, falls sie später noch ein Informatikstudium draufsatteln wollen. Ausbildungsdauer: drei Jahre.

[ Infos: www.bibb.de/de/27372.htm ] Call-Center managen
Bei Telefon-Hotlines arbeiten nur mies bezahlte Aushilfen und Angelernte? Die Zeiten sind bald vorbei, denn die Branche professionalisiert sich. Damit Call-Center künftig reibungslos funktionieren, gibt es seit diesem Jahr die Ausbildung Kaufmann/-frau für Dialogmarketing. Die Azubis dieses neuen Berufszweigs werden zu Profis in Sachen Kommunikation und Kundenbetreuung ausgebildet. Zu ihren Aufgaben gehört nicht nur das Telefonieren mit entnervten Kunden.

Die künftigen Call-Center-Manager lernen außerdem Personalwirtschaft, Rechnungswesen, Qualitätssicherung, Marketing und Vertrieb. Die Karrierechancen stehen gut: Gleich nach der Ausbildung winken Führungsaufgaben. Da die meisten Call-Center als externe Dienstleister für verschiedene Branchen arbeiten, reicht der Kundenstamm vom Elektrohersteller über Unternehmen der Telekommunikation bis hin zu Banken und Behörden. Wichtigste Voraussetzung für Bewerber: Spaß an Kommunikation und Teamarbeit. Ausbildungsdauer: drei Jahre (auf zwei verkürzbar)

[ Infos: www.bibb.de/de/20720.htm ]

Hanteln stemmen
Yoga, Pilates, Indoorcycling: Wer sich ein Leben ohne Bewegung nicht vorstellen kann und sein Hobby am liebsten zum Beruf machen würde, hat jetzt die Chance eine Ausbildung zum Sport- und Fitnesstrainer zu starten. Angeboten wird sie vom Studieninstitut für Sport, Freizeit und Touristik (IST) in Düsseldorf. Bewerber brauchen erste Berufserfahrung, etwa als Animateur oder Skilehrer; das Mindestalter beträgt 21 Jahre. Statt der sonst üblichen Berufsschule besuchen die angehenden Fitnesstrainer jeden Monat zwei- bis viertägige Seminare.

Zusätzlich müssen sie sich zu Hause mit Studienheften selbst hinter den Schreibtisch klemmen - Disziplin ist auch beim Lernen angesagt. Bei der Ausbildung steht der Sport natürlich im Vordergrund. Neben den neuesten Fitness-Trends bekommen die Azubis aber auch Grundlagen in Marketing, Verkauf, Betriebswirtschaft und Personalwesen beigebracht. Um später weiter aufzusteigen, lässt sich die 30-monatige Ausbildung mit dem betriebswirtschaftlich ausgerichteten IHK-Abschluss "Sport- und Fitnesskaufmann" kombinieren. Jobs gibt es in Fitnessstudios, Sportvereinen, Wellness-Hotels oder auf Kreuzfahrtschiffen

[ Infos: www.ist.de ]

Partys schmeißen
Werbung, Eventmanagement, Sponsoring, Promotion, Messe - dort überall treiben sich Kaufleute für Marketingkommunikation herum. Plant ein Autohersteller etwa eine große Party, um ein neues Modell auf den Markt zu bringen, ist es der Job des Marketing-Kaufmanns, eine geeignete Location für die Veranstaltung zu buchen, das Catering zu organisieren, Werbegeschenke zu beschaffen und Flyer produzieren zu lassen. Dafür muss er mit den unterschiedlichsten Leuten zusammenarbeiten, alle Fäden in der Hand halten und zusehen, dass am Ende alles klappt.

Ideale Voraussetzungen hat, wer ein Profi im Organisieren ist und gut auf Menschen zugehen kann. Ausbildungsplätze gibt es bei Multimedia- und Werbeagenturen und in den PR-Abteilungen großer Unternehmen. Welche Betriebe ausbilden, wissen die Bundesagenturen für Arbeit vor Ort. Wer bereits einen Wunscharbeitgeber im Auge hat, sollte direkt dort nachfragen. Ausbildungsdauer: drei Jahre (kann auf zwei Jahre verkürzt werden)

[ Infos: www.gwa.de/Ausbildungsberufe.848.0.html ]

Trends rauskitzeln
Wann gehen junge Leute am liebsten shoppen? Wie groß ist der Markt fürs mobile Surfen im Web? Welche Farbe muss eine Waschmittelpackung haben, damit der Kunde zugreift? Marktforschung boomt. Wer in diese Zukunftsbranche strebt, braucht viel Organisationstalent und Spaß am Umgang mit Statistiken. Denn Schwerpunkt der Arbeit sind Umfragen. Fachangestellte für Markt- und Sozialforschung recherchieren und bewerten Daten für Unternehmen und Wissenschaftler. Dazu entwerfen sie Fragebögen, suchen Interviewpartner und führen auch selbst Umfragen auf der Straße, am Telefon oder via Internet durch.

Zum Job gehört außerdem die Präsentation der Ergebnisse beim Kunden. Arbeitgeber sind Forschungseinrichtungen, firmeneigene Marktforschungsabteilungen sowie Unternehmensberatungen und Werbeagenturen. Da die Ausbildung im August 2006 zum ersten Mal startet, gibt es zurzeit nur wenige Berufsschulen, die den passenden Unterricht anbieten. Eine komplette schulische und praktische Ausbildung ist bereits in Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, München und Nürnberg möglich. Dauer: drei Jahre (auf zwei verkürzbar)

[ Infos: www.bibb.de/de/216904.htm ]

Kühne Kurven zeichnen
Vom Eierkocher über Röntgengeräte bis zum Luxusliner - Technische Produktdesigner basteln an all diesen Produkten mit. Meist arbeiten sie in den Entwicklungsabteilungen großer Industrieunternehmen, zum Beispiel in der Automobilbranche, bei Herstellern medizinischer Geräte oder in der Konsumgüterbranche. Mit Hilfe von Computerprogrammen erstellen Produktdesigner nach den Vorgaben von Ingenieuren dreidimensionale Modelle. Sie gestalten und berechnen Einzelteile und fügen diese am Rechner zusammen.

Gute Noten in Mathe und Physik sowie Englischkenntnisse gelten als Muss, darüber hinaus sind räumliches Denken und ein Sinn für schöne Formen gefragt. Schließlich soll sich das Produkt am Ende gut verkaufen. Ein organisatorisches Händchen kann auch nicht schaden, denn Projektmanagement, Kostenanalyse und Kundenberatung zählen ebenfalls zu den Aufgaben der Produktdesigner. Ausbildungsdauer: drei Jahre (auf zwei verkürzbar)

[ Infos: www.bibb.de/de/ausbildungsprofil_23653.htm ]

Die Heimat verkaufen
Ihr Job ist es, das Reiseziel Deutschland noch populärer zu machen, als es ohnehin schon ist. Von Sylt bis zum Bayerischen Wald arbeiten sie daran, Urlauber, Städtereisende und Outdoor-Aktivisten anzulocken. Kaufleute für Tourismus und Freizeit vermitteln Hotelzimmer und helfen den Besuchern, den schönsten Golfplatz, ein nettes Restaurant mit Blick auf den See oder den besten Wattführer zu finden. Zum Ausbildungsprogramm gehört zwar auch Fachwissen in Marketing, Vertrieb, Buchhaltung und Rechnungswesen. Doch bei verstaubten Zahlenspielen in tristen Hinterzimmern bleibt es nicht.

Um die Faszination der Branche kennen zu lernen und einen Blick über den Tellerrand zu bekommen, können die Azubis ein paar Monate für einen privaten Reiseveranstalter ins Ausland gehen. Typische Arbeitgeber für Tourismus-Kaufleute sind Fremdenverkehrsämter, Kommunen, Unternehmen der Wellnessbranche, Kur- und Freizeitanlagen. Über Ausbildungsmöglichkeiten vor Ort informieren die Bundesagenturen für Arbeit und die Industrie- und Handelskammern. Dauer: drei Jahre (verkürzbar auf zwei)

[ Infos: www.bibb.de/de/ausbildungsprofil_21965.htm ]

Fotos: Pixelquelle.de

Dieser Artikel ist erschienen am 04.06.2006