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Frieden stiften

Liane Borghardt
Im Auftrag der Vereinten Nationen wird die 35-Jährige Vera Bohle an Abrüstungskonferenzen teilnehmen, Diplomaten und Militärexperten berichten, wie es auf den ehemaligen Kriegsschauplätzen der Welt aussieht.
Vera Bohle ist viel zu bescheiden, um offen zu sagen, was 2005 bei ihr auf der Agenda steht. "Am Weltfrieden arbeiten" klingt so verdammt staatstragend und ist es auch. Im Auftrag der Vereinten Nationen wird die 35-Jährige an Abrüstungskonferenzen teilnehmen, Diplomaten und Militärexperten berichten, wie es auf den ehemaligen Kriegsschauplätzen der Welt aussieht. Für das "Genfer Zentrum für humanitäre Minenräumung" reist sie in den Sudan oder nach Afghanistan und nimmt die Friedensprojekte in Augenschein: Wie geht die so genannten Kampfmittelbeseitigung voran, fließen die dafür vorgesehenen Gelder an die richtige Stelle? Vera Bohle weiß das zu beurteilen. Sie ist die einzige deutsche Minenräumerin.Mit 29 gab sie ihren Job als TV-Redakteurin auf und besuchte die Sprengschule in Dresden. "Nur berichten reichte mir nicht, ich wollte helfen." Seitdem war Vera Bohle bei Einsätzen in Mosambik, Simbabwe, Albanien, Bosnien, im Kosovo und in Afghanistan. Immer andere Kulturen, meist allein unter Männern. Hat sich Zentimeter für Zentimeter durch Minenfelder gearbeitet, hoch konzentriert, mit der Angst als lebensnotwendigem Begleiter. Da ein Draht, da ein Metallteilchen - Indizien für Blindgänger. Jede unvorsichtige Bewegung kann eine Explosion auslösen. Arme, Beine oder das Leben kosten.

Die besten Jobs von allen

Vera Bohle hat Kollegen verunglücken sehen beim Versuch, zurückgekehrten Flüchtlingen ein sicheres Leben zu ermöglichen. Für sie kein Grund, aufzuhören, sondern weiterzumachen. Ohne Unterstützung von höherer Stelle ist die Minenräumung ein Fass ohne Boden, weiß Vera Bohle. Deshalb engagiert sie sich ab diesem Jahr auch auf politischer Ebene. Damit Minenräumer eines Tages überflüssig werden.
Dieser Artikel ist erschienen am 03.02.2005