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Freund fürs Leben

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Endlich mal ein Produkt, das schon im Namen seinen Zweck kundtut: die Rentenversicherung. Die behäbigste aller Anlagen ist sie längst nicht mehr. Die Policen der jüngsten Generation sind deutlich flexibler und erlauben sogar einen heftigen Flirt mit den Aktienmärkten.
Vorhang auf für den Klassiker:
Neben der Kapitallebensversicherung ist die Rentenversicherung seit Jahrzehnten ein beliebter Baustein in der privaten Altersvorsorge. Doch anders als bei der Kapital-LV, die seit der Steueränderung 2005 nur noch dahinsiecht, steht der Markt für Rentenpolicen in voller Blüte und bringt immer neue, interessante Varianten hervor. Die Grundkonstruktion ist bei allen Produkten ähnlich: Der Anleger zahlt regelmäßig in die Versicherung ein und erhält im Alter eine monatliche Rente aus dem Gesparten und den Zinsen - ein Leben lang bis zum Tod. Er läuft also nicht Gefahr, dass er 90 wird und sein Sparbuch oder Fondsdepot nur bis 80 gehalten hat. Erreicht der Anleger ein richtig stolzes Alter, macht er ein klasse Geschäft. Stirbt er früh, haben seine Erben nur etwas davon, wenn er eine entsprechende Option dazugebucht hat

Der Schwachpunkt jeder Rentenpolice ist ihre - im Vergleich zu Fondssparplänen - eingeschränkte Liquidierbarkeit. Eingezahlte Beiträge lassen sich nur mehr oder minder verlustreich wieder aus dem Vertrag herausziehen, wenn finanziell Not am Mann ist. Rentenpolicen sind eben für die Rente gedacht und nicht für zwischenzeitliche Konsumwünsche - für undisziplinierte Sparer vielleicht nicht einmal die schlechteste Regelung

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Abgesehen davon können die Verträge der jüngeren Generation sehr viel mehr als früher, weiß Karin Bornberg von der Rating-Agentur Franke & Bornberg. "Der Rentenbeginn lässt sich nach vorne und hinten schieben. Beiträge können gestundet oder ausgesetzt werden. Sowohl Zuzahlungen als auch Teilkapitalauszahlungen bei Ablauf sind möglich. Das ging früher alles nicht und war tatsächlich unflexibel."

Steuerlich sind private Rentenversicherungen insofern interessant, als die Beiträge zwar weitgehend aus versteuertem Einkommen zu zahlen sind, die spätere Rente aber kaum besteuert wird: Startet beispielsweise die Auszahlung mit 67, werden nur 17 Prozent der Ertragsanteile, die in dieser Rente stecken, dem persönlichen Einkommenssteuersatz unterworfen. Die gesetzliche Rente wird dagegen ab 2040 zu 100 Prozent angesetzt. All jenen, die heute schon absehen können, dass sie im Alter einem hohen Steuersatz unterliegen, bietet sich also eine attraktive Alternative

Varianten bis zum Abwinken
Wie in der Fonds- und Zertifikatewelt ist auch bei den Rentenpolicen für jeden Anlegertyp - von konservativ bis risikofreudig - etwas dabei. Um bei der Suche nicht in einem Meer von Tarifen zu versinken, sollte am besten erst eine der Grundrichtungen ausgewählt und dann weiter selektiert werden. Die klassische Rentenversicherung funktioniert nach folgendem Muster: Der Anleger gibt der Versicherung Geld, die legt es (gesetzlich bedingt eher konservativ) an, der Sparer muss sich um nichts mehr kümmern und am Ende kommt hoffentlich deutlich mehr raus als eingezahlt. Klassische Rentenpolicen sind mit einem garantierten Zins von 2,75 Prozent (ab 2007: 2,25) ausgestattet, obendrauf kommen noch Überschussbeteiligungen

Was die Rendite betrifft, sind diese Policen nicht der Knaller. Nach einer aktuellen Untersuchung des Ratingunternehmens Assekurata haben sie es 2005 im Schnitt auf eine Gesamtverzinsung von etwas über vier Prozent gebracht. Dafür ist dem Sparer immerhin eine Mindestrente garantiert, und die wird es dank der Auffanggesellschaft Protektor wohl auch geben, wenn der Versicherer vorher pleite gegangen ist.
Mehr lässt sich mit fondsgebundenen Rentenversicherungen erwirtschaften. Von der monatlichen Sparrate werden Fondsanteile gekauft - welche, kann der Kunde in unterschiedlichem Umfang selbst bestimmen. Wer sich nicht gut am Kapitalmarkt auskennt oder wenig Zeit zum Beobachten hat, kann eine gemanagte Variante wählen, bei der das Versicherungsunternehmen entscheidet, welche Fonds gekauft werden. Für geübtere Anleger existieren Policen, die à la carte ausgesucht und immer wieder umgeschichtet werden können.

Policen à la carte
Auf dieser Speisekarte können große Blockbuster-Aktienfonds wie der DWS Vermögensbildung I oder der Fidelity European Growth stehen, spekulativere Branchen- oder Länderfonds, Immobilien- oder konservative Rentenfonds. Vom Erfolg des Anlegers hängt ab, wie viel Rente er im Alter bis zu seinem Tod erhält. In der Police ist zwar meist eine Mindestsumme vorgesehen, aber auch die orientiert sich am erwirtschafteten Vermögen

Wem die klassische Police zu unrentabel, die reine Fondspolice zu unsicher ist, kann sich aus der Palette der Hybrid-Produkte bedienen, die meist Kreuzungen aus beiden Typen sind und diverse Formen von Garantien geben. Mit der Reichhaltigkeit des Angebots steht der Sparer allerdings auch vor der Entscheidungsnot. Wichtig bei der Auswahl sind neben der Bonität des Unternehmens die Vertragsbedingungen, die Palette der verfügbaren Fonds und die Gebührenstrukturen. Ohne Hilfe wird der Sparer kaum zu Rande kommen, schließlich muss das Produkt bis zum Lebensende halten.

"Ich würde immer einen unabhängigen Berater oder Makler hinzuziehen, der wirklich auf das Thema spezialisiert ist und eine spezielle Beratungssoftware wie zum Beispiel FB-Xpert einsetzt", empfiehlt Rating-Spezialistin Katrin Bornberg. "Ein Generalist, der querbeet berät - von Kranken- über Hausratversicherung bis hin zur Kfz-Police -, kann sich in den Details nicht so auskennen, wie Sie es nötig haben." Denn die Welt der Rentenpolicen wächst stetig und ist unendlich viel bunter, als der klassische Name vermuten lässt

Ulrike Heitze
Dieser Artikel ist erschienen am 29.11.2006