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Fremdwörter

Ob es passend oder unpassend ist, Fremdwörter zu verwenden, hängt sehr von den Umständen und der Umgebung ab, in der ein Gespräch stattfindet. Bei Fachkongressen auf Hochschulniveau ist es die Regel, dass man fast ausschließlich in Fremdwörtern redet. Auch wenn das unter Medizinern und Physikern mehr einleuchtet als unter Germanisten und Erziehungswissenschaftlern
Ob es passend oder unpassend ist, Fremdwörter zu verwenden, hängt sehr von den Umständen und der Umgebung ab, in der ein Gespräch stattfindet. Bei Fachkongressen auf Hochschulniveau ist es die Regel, dass man fast ausschließlich in Fremdwörtern redet ("A priori favorisiere ich die irreversible Elimination obsoleter Paradigmen"). Auch wenn das unter Medizinern und Physikern mehr einleuchtet als unter Germanisten und Erziehungswissenschaftlern.Mögliche Probleme bei der Verwendung von Fremdwörtern. Davon gibt es eine ganze Reihe:

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  • Sie wirken hochnäsig und werden nicht verstanden. Sprechen Sie mit Menschen, von denen Sie wissen oder vermuten, dass sie nicht Ihr Bildungs- und Sprachniveau haben, dann legen Sie schlechtes Benehmen und Arroganz an den Tag, wenn Sie trotzdem mit Fremdwörtern um sich werfen. Außerdem riskieren Sie, dass Sie schlicht nicht verstanden werden. Und das könnte sich als unpraktisch erweisen. Zum Beispiel, wenn es um Ihre Wünsche zu häuslichen Aus- und Umbauten geht, die die Bauarbeiter schon deshalb nicht richtig erfüllen können, weil ihnen schleierhaft ist, was Sie eigentlich wollen.


  • Sie blamieren sich. Sie erreichen mit Spitzengeschwindigkeit das Gegenteil eines guten Eindrucks, wenn Sie Fremdwörter falsch schreiben oder aussprechen. (Typische Beispiele dieser Form von Dummdeutsch: "Authenzität", "Triologie", "konserativ", "Pupertät".) Oder wenn Sie sie falsch verwenden und "Philantrop" sagen, wenn Sie "Philatelist" meinen. Oder von "zwei Alternativen" sprechen, wenn Sie "zwei Möglichkeiten zur Auswahl" meinen (denn "Alternative" bedeutet genau das; "zwei Alternativen" ist also eine zu viel).


  • Daraus folgt: Bei Fremdwörtern ist weniger mehr. Sie vermeiden das Risiko, in Fettnäpfe zu stolpern, die sich bei unsachgemäßer Verwendung mit Sicherheit auftun. Und einen herausragenden Eindruck können Sie schlicht dadurch erwecken, dass Sie ganz einfach gutes Deutsch sprechen und schreiben.Wenn man ein Fremdwort nicht versteht, das ein anderer verwendet, hat man grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Entweder man fragt nach - oder man fragt nicht. Beides ist nicht ohne Risiko. Wer nachfragt, riskiert, als unwissend oder ungebildet dazustehen. Wer nicht nachfragt, hat dieses Problem nicht. Aber dafür ein anderes, nämlich spätestens dann, wenn er nach seiner Meinung zu einer Sache gefragt wird, die er schon rein sprachlich nicht verstanden hat.Deshalb ist es im Zweifel das Klügste, nachzufragen, und zwar möglichst frühzeitig. Wenn Sie nämlich erst nach zwei Stunden oder zwei Wochen zu erkennen geben, dass Ihnen nicht ganz klar ist, worüber die anderen gesprochen haben, werden die nicht ganz nachvollziehen können, wieso Sie sich erst so spät melden. Anfänger und junge Leute haben hier die besten Karten. Die meisten Chefs und Kollegen haben für ihre Rückfragen Verständnis. Und manche fühlen sich sogar ertappt dabei, wie sehr sie sich im Laufe ihrer Karriere angewöhnt haben, mit Fremdwörtern Schaum zu schlagen.
    Dieser Artikel ist erschienen am 17.05.2004