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Freenet-Chef füllt sich die Taschen

Von Gregory Lipinski
Er ist jung, karrierebewusst und wird in der deutschen Telekomszene bereits als der neue Shootingstar des Jahres gefeiert: Eckhard Spoerr. Der Freenet-Chef leitet nach der Fusion mit Mobilcom einen der größten deutschen Mobilfunkanbieter.
Freenet-Chef Eckhard Spoerr. Foto: dpa
HB HAMBURG. Doch mit dem Aufstieg reiht sich der agile Jung-Star bereits ein in die Riege der Großverdiener. Denn durch die bevorstehende Verschmelzung bessert der Manager seine Privatschatulle kräftig auf: Spoerr will sich seine rund 266 000 Aktienoptionen ausbezahlen lassen.Grundlage hierfür ist der Verschmelzungsvertrag. Danach kann er die Optionen spätestens zehn Banktage nach Eintragung der Fusion im Handelsregister zu Geld machen. Dabei kauft das Unternehmen die Anteile an, ausgezahlt wird der Differenzbetrag zwischen dem Durchschnittskurs der Freenet-Aktie im August und dem in den Optionen festgeschriebenen Verkaufsbetrag von 3,26 Euro. Die Regelung wurde von Freenet bestätigt.

Die besten Jobs von allen

Unterstellt man den heutigen Freenet-Kurs von 23,11 Euro, würde Spoerr mehr als 5,2 Millionen Euro kassieren. Desgleichen Freenet-Finanzchef Axel Krieger. Da der Freenet-Kurs wegen der guten Ertragsprognosen im August weiter an Boden gewinnen dürfte, könnten die Beträge sogar noch höher ausfallen.Das dürfte vor allem die Mitarbeiter ärgern: Denn Spoerr will kräftig auf die Kostenbremse treten und bereits im nächsten Jahr einen ?zweistelligen Millionenbetrag? einsparen, verkündete er kürzlich. Pikant ist, dass die Einsparungen vor allem über einen Stellenabbau erfolgen sollen. Fraglich ist, wo Spoerr den Rotstift ansetzt: bei den 1 850 Angestellten von Freenet oder den 1500 Mitarbeitern bei Mobilcom.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Privat gilt der Freenet-Chef als äußerst spendabelPrivat gilt der Freenet-Chef als äußerst spendabel. So liebt der stets adrett gekleidete Manager mit leicht gegeltem Haar gern schnelle Autos und gilt in der Hamburger Szene als Party-Tiger. Für seinen aufwendigen Lebensstil verfügt Spoerr bereits jetzt über genügend Geld: Allein in den beiden vergangenen Jahren verdiente er bei Freenet jeweils mehr als drei Millionen Euro.Zusätzlich versüßte der erfolgreiche Jungunternehmer im vergangenen Jahr sein Gehalt mit der Wandlung von Aktienoptionen. Doch dabei bewies er kein glückliches Händchen: Denn seit Sommer ermittelt die oberste Finanzaufsicht BaFin gegen Spoerr und Krieger. Der Verdacht: Insiderhandel. Die Vorstände sollen kurz vor der Veröffentlichung der Halbjahreszahlen 130 000 Anteilsscheine der Mobilcom-Tochter verkauft und damit den Kurs unter Druck gesetzt haben. ?Die Ermittlungen laufen noch?, erklärt eine BaFin-Sprecherin. Spoerr und Krieger hatten die Vorwürfe stets als haltlos zurückgewiesen.Viele Konzernspitzen sind deshalb bei der Ausübung von Aktienoptionen vorsichtig, um nicht in den Geruch der privaten Vorteilsnahme zu geraten. Jüngstes Beispiel ist Christoph Franz, Vorstandschef der Schweizer Fluggesellschaft Swiss. Der Manager hatte darauf verzichtet, dass seine Aktienoptionen nach der Übernahme durch die Lufthansa im Frühjahr dieses Jahres ausbezahlt werden. ?Unser Vorstandschef wollte damit den Anschein vermeiden, dass er sich durch die Übernahme private Vorteile verschafft?, sagt ein Swiss-Sprecher. Franz wählte deshalb einen unverfänglicheren Zeitpunkt ? drei Jahre später.
Dieser Artikel ist erschienen am 26.07.2005