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Frauen sind selbst schuld

Die Fragen stellte Ulrike Heitze
Nur 3,7 Prozent der Führungsjobs sind von Frauen besetzt. Viel zu wenig, finden die Frauen - und suchen die Schuld bei den Männern. Die Journalistin Barbara Bierach hat da ihre eigene Theorie: Der weibliche Teil der Bevölkerung versperrt sich selbst viel effektiver den Weg nach oben, als das jeder Mann tun könnte.
Frauen seien selbst schuld, dass so wenige von ihnen im Management sitzen, schreiben Sie in Ihrem Buch ?Das dämliche Geschlecht". Frauen seien nicht schwach, sondern nur dumm, faul und unaufrichtig. Womit haben wir das verdient?

Barbara Bierach: In Deutschland haben schon jede Menge Frauen bewiesen, dass man neben Budgetplanung und Business-Lunch auch noch kleine Rotznasen abwischen kann. Aber es gibt nicht genug deutsche Managerinnen. Im europäischen Ausland oder in den USA sind es bedeutend mehr. Ob das wohl daran liegt, dass dort nettere Männer verständnisvollere Unternehmen leiten? Unsinn. Es ist Zeit, endlich anzusprechen, dass das Nichtvorhandensein von Frauen in der deutschen Wirtschaft vor allem etwas mit dem Verhalten der Frauen zu tun hat - auch wenn sie das nicht gerne hören.

Die besten Jobs von allen


Ein Zitat: ?Anstatt die Ärmel hochzukrempeln und genauso hart zu arbeiten wie die Männer, flüchten sie sich in die Mär von der Glasdecke." Sind männliche Beförderungsklüngel und Personalchefs mit Schwangerschaftsphobien also reine Erfindungen?

Die Geschichte von der Glasdecke besagt, dass es in jedem Unternehmen eine unsichtbare, aber undurchdringliche Ebene gibt, die Frauen den Zutritt in die Chefetage verwehrt. Ich glaube, in Wirklichkeit wird Karriere vielen Frauen mit spätestens Mitte 30 zu anstrengend. Entnervt von dem ständigen Ringkampf um Positionen und Budgets ziehen sie sich in Vorstädte zurück und werden Mutter. Dagegen ist auch nichts einzuwenden, es muss jeder nach seiner Fasson selig werden. Allerdings zu behaupten, frau täte das den Kindern zuliebe, ist nicht ehrlich. Denn faktisch erlauben sie nur ihren Männern deren Bequemlichkeit. Die Väter könnten sich ja auch mit um den Nachwuchs kümmern. Vollends unaufrichtig wird es, wenn dieselben Frauen sich anschließend lautstark beschweren, dass die Unternehmen von Männern dominiert werden. Ob eine Vorstand wird oder Hausfrau, hat in erster Linie etwas mit den eigenen Entscheidungen zu tun.

Frauen können also alles werden, wenn sie sich genug anstrengen?

Jedes Spiel hat Regeln - mitspielen darf nur, wer sie beherrscht. Das heißt, Frauen müssen sich endlich in den Berufen qualifizieren, die in der Wirtschaft gefragt sind. Als Natur- und Wirtschaftswissenschaftlerinnen, Ingenieurinnen, Juristinnen - und nicht als Germanistinnen oder Kunstgeschichtlerinnen. Bleibt die Frage: Studieren Frauen die weichen Fächer, damit sie erst gar nicht in die Verlegenheit kommen, Erfolg zu haben? Oder haben Frauen in der Privatwirtschaft so wenig Erfolg, weil sie die falschen Fächer studieren? Vermutlich beides. Mit einem Abschluss in Anglistik wird man nicht Vorstand - egal ob Mann oder Frau. Trotzdem stellen Frauen unbekümmert und unabänderlich die Überzahl bei den pädagogischen Fächern, in Kunstgeschichte oder Ernährungswissenschaften. In den oben genannten vernünftigen Fächern sind sie zahlenmäßig weit abgeschlagen.

Aber das Problem mit der Kinderbetreuung bleibt doch?

Der Mangel an Ganztagskinderbetreuung in Deutschland hat in der Tat Spuren hinterlassen. Dennoch kann es nicht nur an der Mutterschaft liegen, dass so wenig deutsche Frauen Karriere machen. Denn sonst müssten sich die karrierewilligen Mütter im öffentlichen Dienst ja geradezu drängeln. Deutschland hat da die frauen- und kinderfreundlichsten Regelungen, die man sich denken kann. Es herrscht streng die 36,5-Stunden-Woche, befördert wird immer noch nach Seniorität - da macht es also gar nichts, wenn Frauen eine Babypause einlegen. In jedem Amt gibt es eine Frauenbeauftragte, und wer sich diskriminiert fühlt, kann klagen. Dennoch gibt es auch in deutschen Behörden kaum weibliche Amtsleiter. In den Bundesbehörden beispielsweise sind nur 2,1 Prozent der Hauptabteilungsleiter weiblich.

Was müssen Frauen anders machen, damit es mit der Karriere klappt?

Nichts macht Frauen so viel Angst wie Macht - besonders wenn sie selbst sie übernehmen sollen. Frauen werden dazu erzogen, zu geben und zu unterstützen. Wenn sie nun versuchen, selbst nach der Macht zu greifen, befürchten sie, ein gefährliches Tabu zu brechen, bestraft und zurückgewiesen zu werden. Man könnte sie ja als unweiblich, rücksichtslos oder dominant betrachten - eine Angst, die Männer im Allgemeinen nicht plagt. Ich warne vor der Auffassung, dass Frauen nur über die Schiene der sozialen Kompetenz erfolgreich werden können. Kommunikationsfähigkeit und guter Umgang mit Menschen sind wichtig, aber eine Karriere erfordert auch Durchsetzungsstärke und Konfliktbereitschaft. Man wird nicht für gute Stimmung bezahlt - nur für Ergebnisse.

Wie sollen Männer Ihr Buch finden?

Viele Männer haben eine Frau geheiratet, die genauso gut ausgebildet war wie sie selbst und die fast ebenso viel verdiente. Zehn Jahre später sitzen diese Männer nun plötzlich alleine da mit der finanziellen Verantwortung für eine drei- bis vierköpfige Familie und wundern sich, dass ihre Frau sich nicht mehr mit den Dingen auskennt, die sie selbst beschäftigen. Viele Männer wünschen sich eine Partnerin, kein Weibchen - zumindest theoretisch. Denn dass sie dann auch mehr Verantwortung für Kids und Küche übernehmen müssten, gefällt ihnen meist weniger gut.

Woran liegt es, dass in Deutschland Frauen weniger als fünf Prozent der Führungspositionen besetzen? Stimmen sie ab und sagen Sie uns Ihre Meinung: jungekarriere.com/umfrage
Dieser Artikel ist erschienen am 25.04.2002