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Frauen schmeißen nach wie vor den Haushalt

Während Männer ihre Freizeit auf dem Fußballplatz verbringen, stehen die Frauen in der Küche und kümmern sich um Kinder und Haushalt. Die klassische Geschlechter-Aufteilung hat sich also auch im 21. Jahrhundert nicht verändert - obwohl die Rate der berufstätigen Frauen enorm angestiegen ist. Zu diesem Fazit fanden Wissenschaftler aufgrund einer ?Zeitbudgeterhebung?. Innerhalb dieser Studie wurden in den Jahren 2001 und 2002 insgesamt mehr als 12.000 Menschen in etwa 5400 Haushalten zu ihrem Tagesablauf befragt. Ergebnis: während vor zwölf Jahren noch 50 Prozent der Männer als Alleinverdiener die Familie versorgten, ist dies nun nur noch bei 38 Prozent der Fall. Dennoch beteiligen sich Männer nicht mehr an der Hausarbeit.

Martina Gille vom Deutschen Jugendinstitut (DJI) in München beschwert sich: ?Von gerechter Aufteilung zwischen Mann und Frau kann keine Rede sein.? Obwohl die Erwerbstätigkeitsquote bei den Frauen innerhalb der letzten zehn Jahre von 40 Prozent auf 61 Prozent gestiegen ist, arbeiten sie durchschnittlich immer noch die selbe Zeit im Haushalt und leisten mehr unbezahlte Arbeit. Auch im Bereich der Kindererziehung fallen den Frauen die meisten Aufgaben zu

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Der Alltag der Männer dagegen hat sich kaum verändert. Die Zeit, die sie im Haushalt verbringen hat sich nur leicht erhöht. Beruf, Freizeitgestaltung und Sport dagegen rangieren weit über den häuslichen Verpflichtungen auf ihrer Prioritätenliste. Die männliche Zeitplanung scheint also recht resistent gegenüber äußerlichen Veränderungen. Selbst der eigene Nachwuchs kann den Tagesablauf der Väter kaum beeinflussen. ?Lediglich bei Kindern unter drei Jahren unterstützen Männer ihre Frauen bei Erziehung und Hausarbeit etwas mehr?, berichtet Gille.

Trotz der Unterschiede muss auch eingeräumt werden, dass eine Angleichung der Geschlechterrollen im Ansatz erkennbar ist. Während Frauen 1992 noch täglich vier Stunden und sieben Minuten im Haushalt arbeiten, sind es jetzt immerhin 21 Minuten weniger. Die Männer haben sich von eindreiviertel auf zwei Stunden verbessert. Dennoch meiden sie nach wie vor Tätigkeiten wie Kochen, Waschen und Bügeln. Dafür haben, statistisch gesehen, die Anzahl ihrer Einkaufsgänge zugenommen.

Dieser Artikel ist erschienen am 18.02.2004