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Frauen am Abgrund

bdo
Britische Sozialpsychologen haben herausgefunden, warum von Frauen geführte Unternehmen oft so mäßig abschneiden.
Britische Sozialpsychologen haben herausgefunden, warum von Frauen geführte Unternehmen oft so mäßig abschneiden:
Schuld ist nicht die schlechte Leistung der Managerinnen. Sie werden vielmehr erst dann an die Spitze berufen, wenn das Unternehmen auf der Kippe steht und die Gefahr des Scheiterns groß ist. Das entdeckten Michelle Ryan und Alex Haslam von der University of Exeter in ihrer Studie über die 100 größten börsennotierten Unternehmen Großbritanniens. "Glass cliff" - Glasklippe - nennen die Forscher das Phänomen, in Anlehnung an die "Glasdecke", die den Aufstieg von Frauen in die Top-Etagen verhindert. Glasklippen auch in Deutschland? Untersucht hat's noch niemand, "weil es so wenige Frauen im Vorstand gibt", erklärt Helga Lukoschat, Geschäftsführerin der Europäischen Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft Berlin (EAF). Gerade mal zehn weibliche Vorstände zählen die Dax-100-Unternehmen. In der Politik ist das "Trümmerfrauenphänomen" besser bekannt, seit Angela Merkel die von der Spendenaffäre gebeutelte CDU übernahm. Erfolgreich sind die Frauen am Rande der Glasklippe trotzdem: 63 Prozent der weiblichen Vorstände, die Ryan und Haslam unter die Lupe nahmen, verbesserten innerhalb von fünf Monaten das Unternehmensergebnis. Genutzt hat es ihnen wenig: Meist übernahm anschließend ein Mann das wieder erstarkte Unternehmen.
Dieser Artikel ist erschienen am 02.02.2005