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Frau Hansen 2.0

Von H.-P. Siebenhaar
Die frühere Fernsehmanagerin Christiane zu Salm mischt jetzt als Finanzinvestorin in der internationalen Medien- und Internetbranche mit. Die 40-Jährige, die sich als Chefin des Musiksenders MTV und des Quizsenders Neun Live in der Medienbranche durchsetzte, hat erst im April ihre Investmentfirma gegründet und für ihren ersten Fonds schon 100 Millionen Euro eingesammelt.
Christiane zu Salm. Foto: dpa
MÜNCHEN. Die Adresse für ihr neues Mediengeschäft hat Christiane zu Salm gut gewählt. Die Fernsehmanagerin hat sich in der Münchener Einkaufsmeile Maximilianstraße niedergelassen. Der Standort zwischen dem Medientreff Café Roma der Schauspielerin Iris Berben und dem Firmensitz des Hollywood-Studios Sony Pictures für ihre neue Investmentfirma About Change Ventures ist kein Zufall. Wer im Kreis der Finanzinvestoren erfolgreich sein will, braucht Adressen, die für Erfolg stehen. Zwar ist die Gründerin der Beteiligungsgesellschaft nur Untermieterin in der Anwaltskanzlei White & Case.Doch das kühle Schwarz der Büroräume, die moderne Kunst an den Wänden und die tolle Aussicht über die schönste Straße Münchens haben der gebürtigen Mainzerin gefallen. Sie passen zu ihrem neuen Leben, ihrem Wandel von der TV-Managerin, die mal als ?Rock-Prinzessin? betitelt wurde, zur Finanzinvestorin. Die 40-Jährige hat für ihren ersten Fonds schon 100 Millionen Euro eingesammelt.

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?Wir leben in einer Zeit, wo Geld nicht knapp ist. Knapp sind aber gute Ideen?, sagt die Wahl-Münchenerin. Sie steckt das Geld vor allem in Firmen aus der Internetwerbung, Fernsehproduktion und mobilen Dienstleistungsbranche ? in der Branche Web-2.0-Communitys genannt. ?Wir investieren fast nur in Firmen, die bereits profitabel sind?, sagt zu Salm. Der Schwerpunkt liegt auf der Finanzierung von Wachstum. ?Wir werden demnächst einen zweiten Fonds aufmachen.?Von ihren Investments, die in der Regel zwischen zehn und 15 Millionen Euro liegen, ist sie zutiefst überzeugt. Derzeit schwärmt die Unternehmerin, die elegant-kühle Kleidung und Understatement bei Schmuck und Schminke schätzt, von der Firma ?Wunderloop?. Das Unternehmen entwickelt Software für Internetkonzerne wie T-Online, AOL oder Freenet, die das Verhalten von Kunden im Internet erfasst. ?Wir werden nochmals bei Wunderloop aufstocken?, kündigt sie an. Der Online-Werbemarkt boomt, und zu Salm hat es erkannt. ?Der Markt für innovative Unternehmen im Bereich Marketing und Werbung ist momentan sehr spannend?, sagt sie und verweist im gleichen Atemzug auf die jüngsten Milliardengeschäfte von Kommunikationsriesen wie Microsoft und Google.Um ihre finanzielle Zukunft braucht sich die studierte Betriebswirtin, die beim Frankfurter S. Fischer Verlag auf väterlichen Wunsch eine Lehre als Verlagskauffrau absolvierte, nicht zu sorgen. Spätestens mit dem Verkauf ihres Anteils an dem von ihr aufgebauten Quizsender Neun Live ? in der Branche als ?Trash-TV? verspottet ? vor zwei Jahren an die Sendergruppe Pro Sieben Sat 1 ist sie finanziell unabhängig.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Ihr Netzwerk lohnt sich auch fürs GeschäftIhren Pioniergeist hat ihr heutiger Ehemann Georg Kofler, bis vor kurzem Chef des Bezahlsenders Premiere, früh erkannt. Als er mit seinen damaligen Geschäftspartnern Thomas Kirch und Medienmilliardär Barry Diller den Sender TM3 übernahm, betraute er zu Salm mit der Aufgabe, den Frauensender zu einem Mitmachsender umzufunktionieren. Statt Werbung sollten die teuren Telefonate der Zuschauer den Sender finanzieren.Gegen viele Anfeindungen setzte sie das Geschäftsmodell in die Praxis um. Neun Live wurde ihr Meisterstück und Kofler ihr Lebensglück. Mit dem gebürtigen Südtiroler hat sie eine dreijährige Tochter namens Felicia. Das Paar pendelt zwischen ihren Wohnsitzen in München-Bogenhausen und Rottach-Egern am Tegernsee. Ihre private Leidenschaft ist moderne Kunst. Im Herbst will sie in ihrer Dachwohnung unweit der Berliner Museumsinsel ihre Sammlung zeigen, die samstags für die Öffentlichkeit zugänglich sein wird.In der Medienbranche ist die Blondine mit den schulterlangen Haaren längst eine Größe. Den Verleger Hubert Burda oder die TV-Moderatorin Sandra Maischberger zählt sie zu ihren Vertrauten. Die Bertelsmann-Matriarchin Liz Mohn ist längst auf das Nachwuchstalent aufmerksam geworden. Mit Charme, Heiterkeit und entwaffnender Offenheit begeistert sie ihre Gesprächspartner. ?Sie kann sehr einfach Leute überzeugen?, sagt ein Münchener Medienmanager, der sie seit Jahren kennt. Ihr Name ist längst eine Marke. Die gebürtige Christiane Hansen heiratete 1995 den Fernsehmanager Prinz Ludwig zu Salm-Salm. Die Ehe ging in die Brüche, der Prinzessinnen-Titel ging verloren, doch der noble Name blieb.Ihr Netzwerk lohnt sich auch fürs Geschäft. Mit dem Hollywood-Milliardär Haim Saban hat sie ins US-Internetfernsehen investiert. In Deutschland hat sie mit Hubert Burda und dem Stuttgarter Verleger Stefan von Holtzbrinck (Handelsblatt, Die Zeit) unter der Führung des früheren Pixelpark-Chefs Paulus Neef die Neva Media für Handy-TV gegründet. Das Berliner Unternehmen bewirbt sich um eine bundesweite Lizenz für mobiles Fernsehen (DVB-H). Heute entscheiden die dafür zuständigen Medienwächter, welchem Konsortium sie die Erlaubnis geben. Ein wichtiger Tag im Leben der jungen Wagnis-Kapitalgeberin.
Dieser Artikel ist erschienen am 11.09.2007