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Französisch-britische Modellkarriere

Von Holger Alich, Handelsblatt
Charles-Henri Filippi, der neue Chef der französischen Bank Crédit commercial de France (CCF), fordert Europas Großbanken heraus.
PARIS. Filippi hat auch keinen Grund, nervös zu sein. Zum einen übernimmt er von seinem Vorgänger Charles de Croisset eine gesunde Bank, die Teil eines weltweiten Finanzgiganten ist. Zum anderen kennt der blonde Top-Manager mit den stechend blauen Augen die CCF und seine 14 000 Mitarbeiter sehr gut; denn er arbeitet seit 1987 bei der Bank, die sich auf höherwertige Privatkundschaft und Unternehmenskunden spezialisiert hat.Trotzdem muss der 51-Jährige nun wieder umziehen, denn zuletzt arbeitete er bei der Mutter HSBC in London. Dort war er zuständig für die Großkunden von HSBC und hatte gar einen Platz im Executive Committee der Großbank.

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Aus diesem Grund hat die Berufung Filippis für einige in Paris auch den Beigeschmack, als würde Filippi als Vertreter des britischen Alleinaktionärs an die Spitze der Bank an den Champs-Elysées entsendet. ?Ich habe drei Jahre bei HSBC, aber 14 Jahre bei CCF gearbeitet?, zerstreut er solche Befürchtungen.Außerdem ist er Wunschkandidat seines Vorgängers Charles de Croisset. Mit diesem hat er eng in bewegten Zeiten zusammengearbeitet. Denn Ende der 90er-Jahre konnte sich die hochprofitable CCF vor Übernahmeangeboten nicht retten. Die niederländische ING hatte bereits eine Kaufofferte vorgelegt. De Croisset konnte aber die Großaktionäre wie die Bank KBC überzeugen, auf ein besseres Angebot zu warten; dies kam schließlich aus London von der HSBC.?Im Jahr 2000 hatte CCF die Wahl, sich auf Nischen zu konzentrieren oder statt dessen in internationale Dimensionen vorzustoßen. Sie traf letztere Wahl mit der Entscheidung für die HSBC. Diese Entscheidung war gestern richtig, sie stimmt umso mehr mit Blick auf die Zukunft?, sagt Filippi heute.Die neue Nummer eins der CCF hat einen für französische Top-Manager geradezu idealtypischen Lebenslauf. Nach dem Studium am Institut d?Etudes Politiques und an der Elite-Schmiede Ecole Nationale d?Administration (ENA) begann der Sohn eines Ministers auch seine Laufbahn im Staatsdienst. Er arbeitete unter anderem im Büro der Minister Jacques Delors und Laurent Fabius. 1987 wechselte er dann in die CCF.So entspannt sein erster Auftritt als neuer Bank-Chef war, so entschlossen zeigt er sich bei seinen Zielen: Die ?kleinste der französischen Großbanken? soll zum ?unbestrittenen Marktführer? werden, wenn es darum geht, Bankkunden auch im internationalen Geschäft zu begleiten.
Dieser Artikel ist erschienen am 09.03.2004