Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Frankfurt, Zürich ? und zurück?

Tanja Kewes
Christoph Franz hat die Fluggesellschaft Swiss saniert ? und empfiehlt sich damit für einen Vorstandsposten bei der Lufthansa. Als erfahrener Sanierer und Integrierer wäre Franz vor allem bei möglichen Übernahmen gefragt.
NEU-DELHI. Welcome to India! Christoph Franz ist nach acht Stunden Flug kaum als Erster aus dem Flugzeug raus, da hat er schon einen roten Punkt auf der Stirn und eine Blumenkette um den Hals. Die Begrüßungszeremonie ist herzlich und kurz, ganz nach dem Geschmack des 47-Jährigen. Mit dem Erstflug Zürich - Neu-Delhi meldet sich der Vorstandschef der Schweizer Fluggesellschaft Swiss auf der internationalen Piste der Linienfluggesellschaften zurück.Wie eine Boje schwimmt der 1,90-Mann mit der bunten Blumenkette über dem grauen Anzug durch die Menschenschwärme im Flughafen Neu-Delhi ? und hinaus in das Meer der wartenden gelb-schwarzen Tata-Taxis. Noch ein Bonmot mit dem lokalen Swiss -Manager, und die Taxitür schlägt zu. Laut hupend, bahnt sich der Fahrer seinen Weg ins erste Haus der indischen Hauptstadt, das Hotel Taj Mahal.

Die besten Jobs von allen

Christoph Franz hat es geschafft. Die Restrukturierung und Integration des chronisch kranken Schweizer Patienten in die größte deutsche Fluggesellschaft, Deutsche Lufthansa, ist ihm in Rekordzeit gelungen. Im vergangenen Jahr machte die Swiss erstmals Gewinn und von Januar bis September dieses Jahres hat sich das Betriebsergebnis bei einem Umsatz von 2,3 Milliarden Euro mehr als verdoppelt. Eine Erfolgsbilanz, die es erlaubt, einst eingestellte Langstrecken wie nach Neu-Delhi wieder aufzunehmen. Die Fluglinie mit dem weißen Kreuz im roten Quadrat gilt damit als Blaupause für weitere Übernahmen der Lufthansa, wie etwa die der zum Verkauf stehenden Alitalia. Und der Sanierer Franz empfiehlt sich für höhere Aufgaben. "Er ist der Kronprinz Nummer eins für die Nachfolge von Lufthansa -Chef Wolfgang Mayrhuber?, heißt es in Konzernkreisen.Und wie hat er die Swiss flügge gemacht? Die Frage beantwortet Franz noch auf 11 000 Meter Flughöhe. Für das Interview hat er seinen Business-Class-Sitz 7B verlassen und in das Abteil zwischen Kabine und Cockpit gebeten. "Die gute Konjunktur und die Synergien mit Lufthansa haben uns Schub gegeben, und natürlich eigene Anstrengungen?, sagt er und fügt nach kurzem Zögern selbstbewusst hinzu: "Wir haben in den vergangenen Jahren mit den größten Schritt unter den Linienfluggesellschaften in Europa nach vorne gemacht.? Franz weiß, was er und sein Vorstandsteam geleistet haben. Überheblich ist er deshalb nicht.Wie der rote Punkt auf seiner Stirn nach der Landung ist das rote Quadrat der Swiss das i-Tüpfelchen auf seiner Karriere. Sein Werdegang war bis zu seinem Amtsantritt im Jahr 2004 in Zürich gekennzeichnet von Turbulenzen und Warteschleifen. Nach dem Wirtschaftsingenieur-Studium startet Franz 1990 als Trainee bei Lufthansa. Ein guter Jahrgang. Mit ihm legen noch Stephan Gemkow, heute Finanzvorstand der Lufthansa, in Frankfurt los sowie Roland Busch, heute Finanz- und Personalvorstand von Lufthansa Cargo. Anders als Gemkow und Busch macht Franz bei Lufthansa keine Kaminkarriere. Nach vier Jahren geht der Hesse zur Deutschen Bahn. Als Vorstand Personenverkehr entwickelt er ein neues Tarifsystem. Das floppt und sorgt 2003 wochenlang für Schlagzeilen. Bahn -Chef Hartmut Mehdorn feuert ihn. Das Bauernopfer wechselt nach Zürich zur Swiss."Franz hat bei der Bahn sein Waterloo erlebt, und diese Erfahrung hält ihn auch bei großen Erfolgen wie jetzt mit der Swiss auf dem Teppich?, sagt ein Kollege, der ihn seit Bahn -Tagen kennt. Franz wirkt auch noch mit grauen Haaren und goldenem Brillengestell von Cartier ungezwungen. Aber er will immer ganz genau Bescheid wissen. "Franz lässt sich nicht einfach von einer Powerpointpräsentation blenden?, sagt ein Branchenkenner. Er frage so lange nach, bis er einen Zusammenhang verstanden oder widerlegt habe.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Eidgenossen hielten den Ex-Lufthanseaten und Ex-Bahner für ein trojanisches PferdDer Start in der Schweiz ist für ihn schwierig. Die Eidgenossen halten den Ex-Lufthanseaten und Ex-Bahner für ein trojanisches Pferd, das den Ausverkauf der Swiss an die Deutschen vorbereiten soll. Und tatsächlich: Wenige Monate nachdem Franz bei der Swiss gestartet ist, übernimmt die Lufthansa im März 2005 das Ruder. Im Auftrag der Lufthansa setzt Franz seine Arbeit fort und saniert die Fluglinie. "Franz hat sich höchsten Respekt verdient. Die Schweizer sind wieder stolz auf ihre Fluggesellschaft?, sagt Michael Eggenschwiler, Flughafenchef in Hamburg und Ex-Manager bei Swissair.Der Erfolg empfiehlt Franz für höhere Weihen. Lufthansa -Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber, dessen Vertrag noch bis Ende 2010 läuft, könnte Verstärkung im operativen Geschäft gebrauchen. Denn der Österreicher ist auch Chef des größten Geschäftsbereichs Passagierbeförderung. "Bisher hat zwar noch keiner ausdrücklich nach Franz gerufen, und dieser scheint mit seiner Familie in Zürich auch glücklich zu sein. Doch die Personalfrage steht latent auf der Tagesordnung. Die zweite Ebene der Bereichsvorstände muss gestärkt und ein Nachfolger für Mayrhuber aufgebaut werden?, heißt es in Konzernkreisen.Mayrhuber tanzt zunehmend auf politischem Parkett. In der Initiative Luftverkehr ficht er für den Standort Deutschland, im Weltluftfahrtverband IATA spricht er über strategische Fragen wie Klimaschutz. Die Herausforderungen im operativen Passagiergeschäft steigen jedoch stetig. Die geplante Fusion der Billigflugtochter Germanwings mit Tuifly bindet ebenso Managementkapazitäten wie die stärkere Präsenz an Flughäfen wie Düsseldorf. Als erfahrener Sanierer und Integrierer wäre Franz vor allem bei möglichen Übernahmen wie der von Alitalia gefragt.Franz gilt auch deshalb als aussichtsreicher Kandidat, weil Lufthansa -Aufsichtsratschef Jürgen Weber, der hinter den Kulissen noch immer die Strippen zieht, ihn schon lange kennt und schätzt. Anfang der 90er-Jahre war Franz Mitglied seines Sanierungsteams. Und auch die Integration der Swiss dürfte Weber mit Wohlwollen beobachtet haben. Als Vorstandschef hatte er einst selbst versucht, die damalige Swissair zu übernehmen, scheiterte aber am eidgenössischen Nationalstolz.Franz selbst ist zurückhaltend. Persönliche Fragen zu seinen Zukunftsplänen verbittet er sich. Selbst die Kündigungsfrist seines unbefristeten Arbeitsvertrages bei der Swiss will er nicht verraten. Einvernehmlich sei dieser aber bestimmt kurzfristig aufzulösen, gibt er zu verstehen. Er weiß: Bei der Lufthansa werden Posten nicht diskutiert, sondern vergeben, und zwar meist intern.
Dieser Artikel ist erschienen am 29.11.2007