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Frank Witt


Welche Schule?
Stanford GSB
Year of Graduation:
2000
Heutige Position:
Vermögensverwalter bei PIMCO
Welche Schule?
Stanford GSB

Year of Graduation:
2000

Die besten Jobs von allen
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Heutige Position:
Vermögensverwalter bei PIMCO



A. Gehalt und Karriere

1. Rückblickend betrachtet: Wo standen Sie job- / karrieremäßig, als Sie sich entschlossen, einen MBA zu machen?
Meine Entscheidung, einen MBA zu machen, traf ich schon während meines deutschen Studiums. In Rahmen meines Volkswirtschaftsstudiums an der Universität Bonn nahm ich an einem einjährigen Austauschprogramm mit der University of California, Berkeley, in den USA teil. Dort besuchte ich auch MBA-Kurse, die mir so gut gefielen, dass ich beschloss, ein komplettes MBA Programm zu absolvieren, sobald ich entsprechende Berufserfahrung gesammelt hatte. Nach insgesamt fünf Jahren im Risikocontrolling der Deutschen Bank mit längeren Auslandsaufenthalten in Sydney, Hongkong, London und New York hielt ich die Zeit für gekommen, meine MBA-Pläne nun zu verwirklichen.

2a. Hatten Sie vor / bei Antritt des MBA-Studiums eine klare Karriere-Perspektive?
Vor dem Antritt meines MBA-Studiums war ich bezüglich des weiteren Verlaufs meiner Karriere sehr offen. Dies galt sowohl für den Arbeitsort, bei dem ich global völlig flexibel war, als auch für die Art der Tätigkeit. Relativ klar war mir jedoch bereits, dass ich wahrscheinlich im Finanzdienstleistungssektor bleiben würde. Innerhalb dieses Sektors habe ich jedoch alle Bereiche in Betracht gezogen: Venture Capital, Private Equity, Investment Banking, Trading & Sales, etc. Auch eine weitere Tätigkeit im Risikocontrolling konnte ich mir gut vorstellen, wenn auch nur mit einem deutlich erweiterten Aufgabengebiet.

2b. Hat sich dies dann mit / nach dem MBA auch so entwickelt?
Tatsächlich bin im Finanzdienstleistungssektor verblieben. Nach einer Station bei Goldman Sachs im Bereich Investment Banking für den High Technology Sektor bin ich nun bei PIMCO im Bereich Fixed Income Asset Management gelandet. Meine regionale Ungebundenheit spiegelte sich dann auch in diesen beiden Stellen wieder: Die erste befand sich in Silicon Valley in den USA, und nun bin ich bei PIMCO in München.

3. Hat sich der MBA job- / karrieremäßig gelohnt?
Stünde ich noch einmal vor der Frage, einen MBA zu machen, würde ich sie, ohne eine Sekunde zu zögern, sofort wieder mit "ja" beantworten. Sie hat sich nicht nur job- und karrieremäßig gelohnt, sondern auch mein gesamtes Leben extrem bereichert. Ein entscheidender Vorteil des MBA-Abschlusses ist, dass man nach einigen Jahren Berufserfahrung noch einmal ganz frei wählen kann, in welche Richtung man seine Karriere weiterentwickeln will. Es stehen einem alle Möglichkeiten offen und man ist nicht mehr nur auf die vorher ausgeübte spezielle Tätigkeit fixiert. Dies bezieht sich sowohl auf die Möglichkeiten, die einem von Firmen angeboten werden, als auch auf den eigenen Horizont. So hätte ich vor dem MBA sicher nie daran gedacht, mit ein paar Freunden einen "Search Fund" zu gründen, der kleine, schlecht geführte Unternehmen aufspürt, diese dann mit eigener Management Leistung saniert und danach mit Gewinn wieder verkauft. Dies war aber zum Beispiel nach meinem MBA genau einer der Möglichkeiten, die ich sehr konkret in Erwägung gezogen habe.

4a. Wie haben Sie Ihr MBA-Studium finanziert?
Ein MBA kostet für die kompletten zwei Jahre inklusive Studiengebühren, Büchern und Lebenshaltungskosten mindestens 100.000 US-Dollar. Diese Kosten habe ich vollständig selbst übernehmen müssen. Dazu habe ich drei Finanzierungsquellen genutzt: Zum einen meine Ersparnisse aus meiner Tätigkeit bei der Deutschen Bank, zum anderen den "Signing Bonus" von Goldman Sachs und schließlich einen Kredit für den verbleibenden Teil der Kosten. Den Kredit habe ich im Laufe der folgenden Jahre aus laufendem Einkommen getilgt.

4b. Hat sich die Investition "ausgezahlt"?
Für die Berechnung einer finanziellen Rendite dieser Humankapital-Investition ist es sicherlich nach nur fünf Jahren noch zu früh. Ob es jemals möglich sein wird, so eine Rechnung anzustellen, ist fraglich, da es immer an einem Vergleichsszenario mangeln wird (wie hoch wäre mein Lebenseinkommen ohne MBA gewesen?). Sicher ist aber für mich, dass sich diese Investition mehr als ausgezahlt hat: Durch persönliche Weiterentwicklung; die Freundschaften, die ich während meines MBA-Studiums geschlossen habe; den Spaß, den ich während der zwei Jahre hatte; und nicht zuletzt auch dadurch, dass mich der MBA letztendlich zu meinem derzeitigen Job bei PIMCO geführt hat, mit dem ich sehr zufrieden bin.

B. Alumni-Netzwerk

5. Wie wichtig ist das Alumni-Netzwerk Ihrer Schule für Sie?
Stanford hat ein vergleichsweise kleines MBA-Programm mit nur 360 Studenten. Im Zusammenhang mit der sehr teamorientierten Kultur Stanfords führt dies dazu, dass das Alumni-Netzwerk sehr eng ist und sehr gut funktioniert. Es hat mir zum Beispiel extrem bei der Jobsuche geholfen, nicht nur im Sinne einer Eintrittskarte zu einem Interview, sondern auch schlicht um Informationen über bestimmte Industrien oder Firmen zu erhalten. Aber auch außerhalb des beruflichen Nutzens bietet das Alumni-Netzwerk ein sehr gutes Forum, um soziale Kontakte beizubehalten und auszubauen.

6. Wie nützlich sind diese Kontakte für Sie beruflich?
Die Kontakte zu Ehemaligen sind beruflich von großem Wert und ich bin überzeugt, dass dieser Wert über die Zeit immer mehr zunehmen wird. Die Alumni steigen in ihren Positionen immer weiter auf und bieten somit immer interessantere Kontakte. Dies gilt sowohl im Hinblick auf das Austauschen von Informationen als auch für die Kundengewinnung. Durch die gemeinsame Vergangenheit und damit auch einem gemeinsamen Wertekatalog gibt es ein Grundvertrauen, dass beruflich sehr hilfreich sein kann.

C. Rückblickend betrachtet, was haben Sie in Ihrem MBA-Studium gelernt, was in Ihrem heutigen Job von Bedeutung ist?

7. An Fachwissen:
In meinen MBA-Kursen habe ich einen Schwerpunkt auf Finanzen gelegt, da ich mich weiterhin in diesem Feld bewegen wollte. In diesen Kursen habe ich das neueste Wissen auf dem jeweiligen Spezialgebiet lernen können. Gerade im Finanzbereich entwickeln sich auch die theoretischen Grundlagen schnell weiter. Generell war ich aber mit meinem theoretischen Grundgerüst aus meinem deutschen Studium bereits sehr gut gerüstet, so dass neu erworbenes Fachwissen mehr als Update in den allgemeinen Bereichen und neues Wissen in Spezialbereichen interessant war.

8. An sonstigen Fähigkeiten (soft-skills etc.):
Die sogenannten soft-skills waren für mich von weitaus größerer Bedeutung als das eigentliche Fachwissen. Meiner Meinung nach konzentriert sich das deutsche Studium mehr auf das Fachwissen, das eigenständige Problemlösen und das theoretische Fundament, als um die Fähigkeiten, die in der Praxis notwendig sind, um dieses Wissen auch entsprechend umzusetzen. Dazu dienen genau soft-skills wie beispielsweise Kommunikationsfähigkeit, Konfliktverhalten, Verhandlungsgeschick, effizientes Arbeiten (die berühmte 80/20 Regel), Präsentations- und Redegewandtheit, Arbeiten im Team, etc. Da die Amerikaner auf diesem Gebiet besonders stark sind, sehe ich gerade die Kombination aus deutschem Studium und US-amerikanischem MBA als besonders wertvoll an.

9. Jedes MBA-Programm, das auf sich hält, verspricht, für eine General Management-Position fit zu machen. Können Sie das aus Ihrer Erfahrung bestätigen?
Da meiner Meinung nach ein Fokus der Ausbildung auf den oben beschriebenen soft-skills besteht, ist dies durchaus als eine wertvolle Vorbereitung auf eine General Management-Position zu sehen. Dies wird unterstützt durch die Tatsache, dass eine mehrjährige Berufserfahrung vor dem MBA vorausgesetzt wird. Dadurch bringen die MBA Kandidaten ein hohes Maß an Problembewusstsein mit und können das neu erlernte Wissen, sei es Fachwissen oder soft-skills, wesentlich bewusster und zielorientierter erlernen. Auf der fachlichen Seite nennen sich die meisten MBA Programme General Management-Programme, da sie sich bewusst nicht auf einen Spezialbereich wie Marketing oder Finanzen konzentrieren wollen, sondern alle Kernbereiche eines Unternehmens abdecken, zum Beispiel auch die operative Seite, Personalmanagement, Geschäftsethik, Strategie, etc. All dies zusammen führt zu einer eher generellen Ausbildung als zu einer Spezialistenausbildung.

10. Fühlten Sie sich nach / mit dem MBA für "höhere" Aufgaben besser gewappnet? Und waren Sie es - aus der Distanz betrachtet - auch tatsächlich?
Wenn manche Leute denken, dass der MBA-Abschluss ihnen einen CEO-Posten garantiert, so halte ich dies für falsch. Richtig ist allerdings, dass der MBA einem die Instrumente an die Hand gibt, die, richtig eingesetzt, zum persönlichen Erfolg führen. Es wird aber kein Weg an einem kontinuierlichen Lernprozess vorbei führen, bei dem der MBA nur ein Schritt ist, wenn auch ein sehr wichtiger. Die Bereitschaft, konstant neu zu lernen und dafür auch persönliche Opfer zu bringen (wie die zeitliche und monetäre Investition in das MBA Studium) ist wahrscheinlich der wichtigste Baustein auf dem Weg zu höheren Aufgaben. Dass dabei das während des Studiums gebildete Netzwerk sehr hilfreich sein kann, ist noch ein zusätzlicher Effekt. Auf der rein praktischen Ebene kann man im Zusammenhang dieser Frage noch erwähnen, dass der MBA einen insofern für "höhere" Aufgaben wappnet, dass er für viele Jobs als notwendige Qualifikation erforderlich ist, insbesondere in amerikanischen Firmen. So war ein MBA von einem der führenden MBA Programme Grundvoraussetzung sowohl für meine Stelle bei Goldman Sachs als auch bei PIMCO.

D. Die menschliche Erfahrung

11. Welche Bedeutung hat das MBA-Studium in Ihrer persönlichen Entwicklung?
Das MBA-Studium hat mich sicherlich stark geprägt. Vielleicht kann ich als wichtigsten Punkt in diesem Zusammenhang die Erweiterung des persönlichen Horizontes herausheben. Das typische MBA-Programm besteht aus Leuten mit sehr verschiedenen Hintergründen, von Nationalität, Religion, Kultur, Sprache, Arbeitserfahrung und Ausbildung bis hin zu persönlichen Interessen und Begabungen. Durch den regen Austausch und den engen Kontakt, den man zu seinen Kommilitonen hat, eröffnen sich einem sehr viele neue Perspektiven und Ideen und kreieren durch ein besseres Verständnis auch eine viel höhere Offenheit für Personen mit einem anderen Hintergrund.

12. Ein Punkt, nach dem ich Sie nicht gefragt habe, der Ihnen aber wichtig ist...
Eine Frage, die in den bisherigen Punkten nicht gesondert angesprochen wurde, ist ob die Wahl der Universität beziehungsweise des MBA-Programms eine besondere Rolle spielt oder ein MBA-Abschluss dem anderen gleicht. Meiner Meinung nach gibt es sehr große Unterschiede zwischen den verschiedenen Programmen und Universitäten, von denen ich in der nächsten Frage einige aufgezählt habe. Je nach eigener Situation (wie viel Zeit habe ich, was sind meine finanziellen Ressourcen, habe ich familiäre oder sonstige Bindungen an bestimmte Orte, usw.) kommen nur bestimmte Programme in Betracht. Aber auch dann muss man sich noch entscheiden, für welche Programme man sich nach dieser Vorauswahl bewerben sollte.

Meine persönliche Erfahrung dazu ist, dass ich mich frühzeitig auf ein zweijähriges Vollzeitprogramm in den USA festgelegt hatte. In einem zweiten Schritt habe ich mich dann nach eingehenden Nachforschungen für zehn Programme beworben, die meinen Wünschen am ehesten entsprachen. Der letzte Schritt war dann, aus den Zusagen, die ich erhalten hatte, mir die ideale Universität auszusuchen. Meine abschließende Entscheidung zwischen Harvard und Stanford fiel dann hauptsächlich wegen Kultur und Lage zugunsten von Stanford aus.

13. Ein Ratschlag für jeden, der sich für einen MBA interessiert?
Mein Ratschlag an jeden, der sich für einen MBA interessiert, ist, sich sehr intensiv mit der Wahl der verschiedenen Universitäten zu beschäftigen. Kriterien, die man dabei berücksichtigen sollte, sind zum Beispiel:
· Amerikanischer oder europäischer MBA
· Länge des Programms (ein oder zwei Jahre)
· Vollzeit oder Teilzeit ("Executive MBA")
· Kultur des Programms (eher Team-orientiert oder konkurrenzbetont)
· Ranking und Reputation des Programms
· Verschiedenheit der Studenten ("diversity")
· Typische Berufe, die Absolventen des jeweiligen Programms annehmen (zum Beispiel High Tech, Finanzen, Industrie, etc.)
· Kosten
· Land, Sprache, Umfeld, und sonstige Aspekte, die die Lebensqualität betreffen

Sobald man sich auf bestimmte MBA Programme festgelegt hat, die den eigenen Zielen und Ansprüchen am besten entsprechen, sollte jeder viel Zeit in die Bewerbung zu stecken, um eine höchstmögliche Wahrscheinlichkeit zu erzielen, in das favorisierte Programm aufgenommen zu werden.
Dieser Artikel ist erschienen am 22.09.2004