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Frank Appel: Der Sparkommissar ohne Allüren

Von Axel Granzow
Er wirkt unsicher. Manchmal scheint Frank Appel, seit Montagabend neuer Post-Chef, nicht so genau zu wissen, wohin mit seinen Händen, während er im Stehen gelegentlich mit geschlossenen Augen einen Vortrag routiniert abspult. Doch der Schein trügt. Der Mann weiß, was und wohin er will.
Frank Appel ist als Nachfolger für Post-Chef Zumwinkel im Gespräch. Foto: dpa
DÜSSELDORF. Der 46-jährige Logistikvorstand der Deutschen Post läuft sich seit geraumer Zeit warm, um die Spitze des weltgrößten Logistikunternehmens zu übernehmen. Appel absolviert seine Übungsrunden, heißt es dazu im Post-Tower.Am vergangenen Dienstag präsentierte Appel erstmals sein Zukunftsmodell "Deutsche Post World Net". Ein Workshop sollte es sein, ganz offen und locker. Wie nebenbei erklärte der promovierte Neurobiologe die bereits laufende Service-Offensive namens "First Choice", die dem Global Player in den kommenden Jahren zu mehr Wachstum verhelfen soll und den Konzern mehr oder weniger umkrempelt.

Die besten Jobs von allen

Sätze wie: "Wir wollen schneller wachsen als der Markt" und "Wir wollen die erste Wahl für unsere Kunden sein" gehen Appel schon ganz leicht über die Lippen. Dass das Programm wohl viel Unruhe in der Belegschaft erzeugt und Rationalisierungen auch zum Verlust von vielen Arbeitsplätzen führen dürften - der ehemalige McKinsey -Mann versucht, die Einwände zu überspielen. "Wir wollen die Mitarbeiter mitnehmen", sagt er. Man müsse Einsicht in die Notwendigkeit von Effizienzsteigerungen und höherer Profitabilität schaffen. Was hängenbleibt: viel Theorie, wenig Konkretes.Das muss sich nun schneller ändern, als es der Post lieb ist. Denn Appel muss nach dem Rückzug von Klaus Zumwinkel vom Vorstandsvorsitz wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung das Amt früher übernehmen als geplant. Der Zwei-Meter-Mann tritt allerdings in die (recht großen) Fußstapfen seines Mentors Zumwinkel. Nun muss Appel zeigen, dass er für die Praxis taugt. Das gilt vor allem für die Sanierung des defizitären US-Expressdienstes und den Umbau des Briefgeschäfts - immer noch die dominierende Ertragssäule des Logistikkonzerns.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Warum er den Ruf eines "Sparkommissars" hatZumwinkel hatte Appel im Jahr 2000 als Leiter der Konzernentwicklung von der Unternehmensberatung McKinsey abgeworben. Wie der Primus haben fast alle Vorstandskollegen bei der Post die hohe Schule der US-Beraterfirma absolviert.Bereits 2002 stieg Appel in den Vorstand auf und übernahm zunächst die Verantwortung für die Logistik, später wurde er mit Querschnittsfunktionen wie IT und Einkauf betraut und eben auch mit "First Choice", einer Aufgabe, die ihm den Ruf eines "Sparkommissars" einbrachte.Geduldig wartete er auf seine Chance, beobachtete, wie sich andere Kandidaten für den Chefposten selbst erledigten. Erst musste Uwe Dörken, lange Zeit Zumwinkels Lieblingsmanager, wegen des verlustreichen US-Geschäfts gehen, dann erwischte es Finanzchef Edgar Ernst nach massiver Kritik der Kapitalmärkte an der Informationspolitik der Deutschen Post.Frank Appel hingegen wartete geduldig in der zweiten Reihe, ohne jemals lautstark Ansprüche angemeldet zu haben.Er gilt ohnehin als Mann ohne Allüren. So wollten ihn die Pförtner der Post zunächst nicht auf den Vorstandsparkplatz lassen, als er mit einem alten Kombi vorfuhr. Passte das Auto doch so gar nicht zu den anderen Limousinen.Nun fährt Appel auch eine solche, aber es musste wieder ein Kombi sein - wegen der Kinder.
Dieser Artikel ist erschienen am 18.02.2008