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Francioni soll offenbar Börse-Chef werden

Bei der Suche nach einem Nachfolger für den geschassten Werner Seifert ist die Wahl einem Pressebericht zufolge auf den Chef der Schweizer Börse SWX gefallen. Allerdings muss der mit der Nachfolgersuche beauftragte Ausschuss noch etwas Überzeugungsarbeit in London leisten. Die Personalie besitzt zudem eine brisante persönliche Note.
HB FRANKFURT. Ein entsprechender Vorschlag liege dem Personalausschuss des Aufsichtsrats vor, der am Montag kommender Woche zusammentrifft, berichtet die FAZ. Neben dem Aufsichtsratsvorsitzenden Rolf Breuer gehören dem Ausschuss der ehemalige Chef der Fondsgesellschaft DWS Udo Behrenwaldt, der Privatbankier Friedrich von Metzler sowie der Betriebsratsvorsitzende Hans-Peter Gabe an. Sie werden der bisher streng geheimen Nominierung wohl zustimmen, heißt es dem Bericht zufolge in Kreisen der Deutschen Börse. Mit der Ernennung von Francioni würde das Vakuum geschlossen, das im Zuge des Machtkampfs von Seifert und Breuer mit Hedge-Fonds unter Führung der britischen TCI in diesem Frühjahr entstanden war.Ein Sprecher der SWX wies den Bericht zurück: ?Herr Francioni fühlt sich bei der SWX sehr wohl. Der Vorstandsvorsitz der Deutschen Börse ist kein Thema für ihn.? Damit wiederholte der Sprecher Francionis eine seit Monaten geübte Sprachregelung. Eine mit der Situation vertraute Person wertete diese Aussage am Donnerstag jedoch nicht als Dementi.

Die besten Jobs von allen

Francioni war bereits Anfang des Jahres als Nachfolger Sieferts gehandelt worden. Damals dementierte er allerdings Gerüchte, er wolle Chef der Deutschen Börse werden. Börsen-Aktionäre wie der Hedge-Fonds TCI hatten damals Francioni als potenziellen Nachfolger von Werner Seifert ins Spiel gebracht. Auch damals sagte ein SWX-Sprecher, Francioni sei mit seinem aktuellen Job zufrieden.Die Deutsche Börse hatte am Dienstag mitgeteilt, dass Breuer dem Aufsichtsrat am 10. Oktober einen Kandidaten für Seiferts Nachfolge präsentieren und noch in der gleichen Sitzung das Amt wie vorgesehen an den designierten Aufsichtsratschef Kurt Viermetz übergeben werde.Bereits in den vergangenen Tagen war aus informierten Kreisen aus dem Umfeld der Deutschen Börse verlautet, dass es bei der Neubesetzung keine interne Lösung geben werde. Noch-Aufsichtsratschef Rolf Breuer werde dem Gremium bei der entscheidenden Sitzung am 10. Oktober lediglich einen und nicht mehrere Nachfolgekandidaten für den im Mai zurückgetretenen Vorstandschef Werner Seifert präsentieren, hatte es geheißen.Obwohl Breuer offiziell noch mit der Suche nach einem neuen Vorstandsvorsitzenden beauftragt worden war, scheint die Nominierung von Francioni vor allem das Werk des designierten Aufsichtsratsvorsitzenden Kurt Viermetz zu sein, berichtet die FAZ weiter. Nach Informationen der Zeitung muss Viermetz in London noch einige Überzeugungsarbeit für seinen Kandidaten leisten, aber er soll, so hört man, nicht zuletzt die Unterstützung von TCI haben.Die Personalie besitzt eine weitere persönliche Note von Brisanz: Seifert drängte Francioni einst mit der Unterstützung von Breuer aus der Deutschen Börse. Sein damaliger Stellvertreter drohte ihm zu stark zu werden, so die Legende. Francioni hatte das Handelssystem Xetra aufgebaut, und mit dem Neuen Markt viel Popularität gewonnen. Francioni wechselte am 1. April 2000 an die Spitze des Nürnberger Online-Brokers Consors. Bereits zwei Jahre später ging er nach Zürich. Auch bei diesem Schritt war ein Machtkampf mit Consors-Co-chef und -Gründer Karl Matthäus Schmidt der auslöser.
Dieser Artikel ist erschienen am 08.09.2005