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François-Henri Pinault: Ein Junior auf dem Sprung

Von Holger Alich
Mit der Übernahme von Puma wäre PPR-Chef François-Henri Pinault mit einem Schlag den Schatten seines übermächtigen Vaters los. Der hatte einen Konzern geschaffen, der unter seinem Dach ein Dutzend großer Marken vereinigt. Der Sohn indes ist bislang eher durch die Frau an seiner Seite aufgefallen: Salma Hayek.
François-Henri Pinault hat in jüngster Zeit vor allem in der Regenbogenpresse Schlagzeilen gemacht. Denn seit rund einem Jahr ist der Milliardär und Lenker des französischen Luxus- und Handelskonzerns Pinault-Printemps-Redoute (PPR) mit Kino-Schönheit Salma Hayek liiert. Die beiden erwarten Nachwuchs. Die Filmdiva und der Wirtschaftskapitän ? das sind Geschichten, wie sie bunte Magazine wie ?Paris Match? lieben. Erst Ende März verewigte das Blatt per Fotoreportage, wie das Glamourpaar in Venedig zusammenfand.Seit Ende vergangener Woche beflügelt der 44-jährige PPR-Chef auch die Phantasie der Börsianer. Pinault hat sich mit der Hamburger Familie Herz über den Kauf ihrer knapp 30 Prozent am Sportartikelhersteller Puma geeinigt und gleichzeitig ein Übernahmeangebot angekündigt. Die Puma-Aktie legte am Donnerstag bereits einen Kurssprung von 10 Prozent hin.

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Der Kauf der deutschen Traditionsmarke ist ein wichtiger Schritt für den Mischkonzern PPR, der unter seinem Dach die italienische Luxusmarke Gucci, das Versandhaus Redcats, den Mediensupermarkt Fnac und das Möbelkaufhaus Conforama vereinigt. Mit dem 5,6-Milliarden-Euro-Deal träte Pinault junior endgültig aus dem Schatten seines Vaters und PPR-Gründers François Pinault.Bislang fiel der junge Pinault, der beim Eintritt in den Konzern seinen dritten Vornamen ?Henri? in seinen Namenszug aufnahm, um sich besser vom Vater abzusetzen, vor allem mit Teilverkäufen aus dem PPR-Portfolio auf. So veräußerte er die Kaufhauskette ?Printemps?, die den Holdingnamen Pinault-Printemps-Redoute einst mitprägte.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Strategie-Ajatollahs mag der Gedanken einer möglichen Übernahme von Puma durch PPR mit Graus erfüllen.Strategie-Ajatollahs, die stets einen klaren Unternehmensfokus predigen, mag der Gedanken einer möglichen Übernahme von Puma durch PPR mit Graus erfüllen. Doch François-Henri Pinault zählt zur jungen Garde von Frankreichs Familienkapitalisten, zu der auch Persönlichkeiten wie Martin Bouygues und Arnaud Lagardère zählen. Sie alle haben ein Familienerbe zu mehren und denken daher in Portfoliokategorien. ?Gesteuerte Diversifikation?, definiert daher auch François-Henri Pinault seine Strategie.Aus diesem Grund ruht PPR auf zwei Säulen: Luxus und Handel. Eine Puma-Übernahme würde exakt die Bedingungen zur Stärkung des Luxussektors erfüllen, wie sie der Uhrensammler Pinault in einem Interview mit dem ?Figaro? im September 2006 aufgestellt hat: ?Wenn sich eine gute Zukaufmöglichkeit ergibt, zögere ich nicht eine Sekunde ? unter der Bedingung, dass der Zukauf unsere Aktivitäten ergänzt und keiner unsere Marken Konkurrenz macht.? Rund fünf Milliarden Euro könnte PPR für Zukäufe locker machen ? was so ziemlich genau dem Puma-Wert entspricht.Der Kauf des Konzerns mit der hechtenden Wildkatze im Logo, der sich vom drögen Sportartikelhersteller zum margenstarken Lifestyle-Konzern gemausert hat, dürfte Papa Pinault gewiss gefallen. Mit großer Sorgfalt hat er seinen ältesten Sohn auf die Aufgabe der Konzernführung vorbereitet ? auch wenn François-Henri stets erklärt hat, dass er auch ?andere? Möglichkeiten gehabt habe.Nach seinem Eintritt in das Familienuniversum im Jahr 1987 war er tunlichst darauf bedacht, hierarchisch nicht dem Vater direkt unterstellt zu sein. Denn Pinault senior, der es vom einfachen Holzhändler zum Großindustriellen und Milliardär gebracht hat, gilt als harter Hund ? auch im Umgang mit seinem Sohn. Stück für Stück hat sich François-Henri von seinem Vater freigeschwommen.Lesen Sie weiter auf Seite 3: Nachdem er Mitarbeiter entlassen hatte, habe er drei Nächte nicht geschlafenDen Werdegang des Filius ließ Pinault senior von Mitgliedern einer Stiftung überwachen, zu der illustre Persönlichkeiten zählen wie Jérome Monod ? Ex-Chef von Suez-Vorläufer Lyonnaise des Eaux, heute einer der engsten Berater von Staatspräsident Jacques Chirac ? und Ex-Crédit-Lyonnais-Chef Jean Peyrelevade. Auch sollte die Stiftung die Konzernführung übernehmen, wenn Pinault senior vorzeitig sterben sollte und Wunschnachfolger François-Henri noch nicht 37 Jahre alt wäre.Nach dem Abschluss der Wirtschaftsschule HEC fing Pinault junior im Familienkonzern zunächst in der Holzsparte an, dem Nukleus des heutigen Vermögens der Pinaults. Als er damals Mitarbeiter entlassen hat, habe er drei Nächte nicht geschlafen, erzählte er später.Die Skrupel legte er jedoch schnell ab; denn als er im Jahr 2005 schließlich die Führung bei PPR übernahm, legte er sich nicht nur Papas Look zu ? militärische Kurzhaarfrisur, die runde Brille wich Kontaktlinsen. Er übernahm auch zum Teil dessen Methoden: Er schmiss bis auf ein Mitglied den gesamten Vorstand raus und entledigte sich auch der Freunde seines Vaters, die noch im Verwaltungsrat saßen. Kenner halten den Filius dennoch für umgänglicher als den Papa.Alain Minc, einer der bekanntesten Unternehmensberater Frankreichs und ein Freund der Familie, zeigte sich aber auch beeindruckt ?von der Art und Weise, wie der Vater dem Sohn freie Hand lässt?. Freie Hand, um nach dem Gucci-Zukauf des Vaters für sieben Milliarden Euro nun vielleicht mit Puma ?seinen? Großdeal in Angriff zu nehmen.Lesen Sie weiter auf Seite 4: Vita von François-Henri PinaultF.-H. Pinault1962: Am 28. Mai wird François-Henri Pinault als erster Sohn des französischen Industriellen François Pinault geboren.1985: Pinault schließt sein Studium an der Elite-Managementschule École des Hautes Études Commerciales in Paris ab. Sein Vater bereitet den ältesten Sohn konsequent auf die Übernahme der Konzernführung vor.1989: Nach Etappen unter anderem in der Holzsparte des väterlichen Unternehmens wird er Chef von France Bois Industries, der Industriesparte der Pinault Group mit 14 Werken.1993: Er wird Mitglied des Management-Boards von Pinault-Printemps-Redoute. Vier Jahre später übernimmt er die Führung des Unterhaltungselektronik-Händlers Fnac. Ab 2000 ist er für die Entwicklung der Internetstrategie von PPR verantwortlich.2005: Nach weiteren Stationen etwa in der Finanzsparte von Pinault wird der Junior-Chef von PPR.
Dieser Artikel ist erschienen am 10.04.2007