Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Forscher widerlegen Börsenweisheit

Von Patrick Mönnighoff, Handelsblatt
Für die Manager von Hedge-Fonds sind Veränderungen in den wichtigsten Börsenindizes ein gefundenes Fressen. Scheidet eine Aktie aus dem Leitindex aus, spekulieren sie auf fallende Kurse. Wird ein Papier neu aufgenommen, rechnen sie mit satten Kursgewinnen.
Was für die kurzfristig orientierten Hedge-Fonds-Manager vielleicht noch funktioniert, erweist sich langfristig jedoch als wenig lukrativ. Das haben Forscher der Europäischen Wirtschaftshochschule Berlin (ESCP-EAP) jetzt in einer Studie belegt.Für die Untersuchung haben die Forscher die Veränderungen in den Dow Jones Stoxx Indizes zwischenden Jahren 1998 und 2003 untersucht. ?Dabei scheint es für die Börse langfristig irrelevant zu sein, ob eine bestimmte Aktie in einem europäischen Index vertreten ist oder nicht?, fasst Stephan Schmidt-Tank, Doktorand an der Europäischen Wirtschaftshochschule, die Ergebnisse zusammen. So stellte er zwar zunächst erhöhte Börsenumsätze in zeitlicher Nähe zur Indexumstellung fest. Es zeigte sich jedoch, dass die Mitgliedschaft in den Indizes langfristig weder die Rendite noch die Liquidität der betrachteten Aktien beeinflusst hat.

Die besten Jobs von allen

Dieses Ergebnis widerlegt die vorherrschende Auffassung der Kapitalmarkttheorie. Danach versprechen sich Unternehmen von der Indexmitgliedschaft einen höheren Bekanntheitsgrad, eine breitere Finanzierungsbasis sowie niedrigere Kapitalkosten. Zudem rechnen die Anleger damit, dass Fondsmanager, die ihre Portfolios teilweise eng an den einzelnen Indizes ausrichten müssen, bei einer Neuaufnahme die betreffende Aktie nachkaufen müssen. Der Kurs sollte somit also deutlich steigen.Kurzfristig konnten die Forscher diesen Effekt zwar nachweisen. Die jeweiligen Aktien haben sich meist in den Tagen kurz vor sowie kurz nach der Aufnahme stärker entwickelt als der jeweilige Vergleichsindex. Schon nach wenigen Tagen sei dieser positive Effekt aber wieder verflogen, sagt Stephan Schmidt-Tank.Die staatlich anerkannte Europäische Wirtschaftshochschule Berlin ist der deutsche Standort der ESCP-EAP European School of Management. Neben einem Diplom-Studiengang bietet die Hochschule auch Masterkurse an. Die ESCP-EAP mit weiteren Standorten in Paris, London, Madrid und Turin wurde schon 1819 in Paris gegründet. Der deutsche Standort besteht seit dreißig Jahren. Die Hochschule hält enge Kontakte zu fünfzig Partner-Universitäten.In Berlin forschen und lehren acht Professoren und 16 wissenschaftliche Mitarbeiter. Europaweit bilden 125 Professoren aus 15 Nationen die Studenten aus.Allein in Berlin schreiben sich jedes Jahr 350 Studenten ein. Neben dem wirtschaftswissenschaftlichen Hauptstudienprogramm ?Internationale BWL?, bei dem die Studenten jeweils ein Jahr in einem anderen Land studieren, bietet die Hochschule einjährige wirtschaftswissenschaftliche Aufbaustudiengänge für Juristen, Ingenieure, Natur- und Geisteswissenschaftler an.
Dieser Artikel ist erschienen am 02.05.2005